Glosse

Bitte um Vergebung: Frauenfeld nimmt alle Schuld auf sich und zeigt sich ob der kulturellen Leuchttürme des Oberthurgaus als reuige Sünderin

Murgspritzer: Frauenfeld sollte auf die Annehmlichkeiten des Hauptstadt-Daseins verzichten. Das meint TZ-Redaktor Mathias Frei. Und muss im nächsten Moment über sich selber lachen.

Mathias Frei
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Das ist Arbon.

Das ist Arbon.

(Bild: Donato Caspari)

Lieber Oberthurgau, es tut Frauenfeld leid. Alles. In der Hoffnung auf nur den geringsten Teil von Gunst des Oberthurgauer Grossmuts entschuldigt sich das biedere, gar rückständige Verwaltungs- und Garnisonsstädtchen Frauenfeld für alles und alle. Frauenfeld nimmt jede Schuld auf sich. Wie konnte es Frauenfeld wagen, den blühenden Landschaften rund um die zu Unrecht noch nie als europäische Kulturhauptstadt ausgerufene Ostschweizer Hauptstadt namens Arbon nicht nur ein kantonales Museum vorzuenthalten, sondern gar deren fünf! Arbon ist nicht Teil des Weltkulturerbes, nein, Arbon – oder Arbor Felix, wie die Metropole schon zu antiken Hochzeiten genannt wurde – ist das Weltkulturerbe. Ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft. Alles andere ist ein Versäumnis.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Das MoMö und das Saurer-Museum sind Leuchttürme der abendländischen Hochkultur. Frauenfeld wird Arbon deshalb per 1.1.2021 nicht nur alle Museen, sondern jegliche kantonale Einrichtungen überlassen. Das hat der Oberthurgau mehr als verdient. Natürlich werden für die kommenden 99 Jahre zusätzlich Reparationszahlungen aus der alten in die neue Hauptstadt fliessen. So soll Frauenfeld ökonomisch darben, an Einwohner schrumpfen sowie auf Jahrhunderte zur grössten Empfängergemeinde des kantonalen Finanzausgleichs werden. Frauenfeld soll zum Inbegriff der Schamkultur werden. Das ist nur gerecht.

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