Biodiversität
Natürliche Nützlinge sollen sich ausbreiten: Dafür wünschen die Landwirte weitere Direktzahlungen vom Kanton

Die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag hat sich in Rheinklingen beim Biobauern Daniel Vetterli über den Fortschritt der Biodiversität in der Landwirtschaft informiert.

Thomas Güntert
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Sie diskutierten in Rheinklingen über die Biodiversität in der Landwirtschaft, von links: Regierungsrätin Carmen Haag, Biobauer Peter Schweizer, FiBL-Projektleiter David Vetterli und Biobauer Daniel Vetterli.

Sie diskutierten in Rheinklingen über die Biodiversität in der Landwirtschaft, von links: Regierungsrätin Carmen Haag, Biobauer Peter Schweizer, FiBL-Projektleiter David Vetterli und Biobauer Daniel Vetterli.

Bild: Thomas Güntert

Die Förderung der Biodiversitätsflächen hat sich im Thurgau in den letzten 20 Jahren auf Vernetzungsgebiete konzentriert, die vom Kanton definiert wurden. Bauern erhalten Direktzahlungen, wenn sie in diesen Gebieten Ökoflächen anlegen.

Carmen Haag Thurgauer Regierungsrätin.

Carmen Haag Thurgauer Regierungsrätin.

Bild: Thomas Güntert

Während die Biodiversität in den Vernetzungsgebieten zunimmt, stagniert sie in den übrigen Flächen, oder stabilisiert sich auf tiefem Niveau. Der Biobauer Daniel Vetterli aus Rheinklingen in der Gemeinde Wagenhausen sagt:

«Wenn wir in der Biodiversität etwas bewegen wollen, dann geht es nur mit den Bauern und nicht ohne oder gegen die Bauern.»

Aufgrund der gesprochenen Biodiversitätsmillionen erhoffen sich die Thurgauer Bauern vom Kanton zusätzliche Direktzahlungen für Ökoflächen ausserhalb der Vernetzungsgebiete. «Die Biodiversitätsinitiative im Kanton Thurgau hat explizit landwirtschaftliche Flächen ausgeschlossen, aber es geht nicht ohne euch», sagte die Regierungsrätin Carmen Haag bei einem Besuch in Rheinklingen.

Der Schuss kann auch nach hinten losgehen

Daniel Vetterli, Biobauer aus Rheinklingen.

Daniel Vetterli, Biobauer aus Rheinklingen.

Bild: Thomas Güntert

Daniel Vetterli erklärte, dass es im Bioanbau kaum Möglichkeiten gibt, Schädlinge gezielt zu bekämpfen. Bei Zuckerrüben wird lediglich Steinmehl als Pflanzenstärkungsmittel eingesetzt, weil robuste Pflanzen widerstandsfähiger gegen Blattläuse und den Erdfloh sind. Im konventionellen Anbau werden Schädlinge mit Pflanzenschutzmittel bekämpft. Vetterli räumt ein:

«Dann gehen aber auch die Nützlinge kaputt.»

Nach dem massiven letztjährigen Blattlausbefall der Biozuckerrüben führt sein Sohn David für das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) verschiedene Versuche durch. Weil bei anderen Kulturen wie dem Biokopfkohlanbau der Schädlingsdruck durch Blühstreifen reduziert werden konnte, hat David Vetterli zwischen dem elterlichen Schlatthof und einem Biozuckerrübenfeld einen eher unspektakulären Blühstreifen angelegt. Die einjährige Saatmischung «UFA Nützlinge Sommerkultur» besteht aus Buchweizen, Koriander, Kornblumen und zehn weiteren Pflanzenarten, die nützliche Insekten anlocken sollen.

Der grösste Anteil der Saatmischung «UFA Nützlinge Sommerkultur» ist Buchweizen.

Der grösste Anteil der Saatmischung «UFA Nützlinge Sommerkultur» ist Buchweizen.

Bild: Thomas Güntert

Vetterli will bei dem Tastversuch einen möglichen Einfluss der Nützlinge auf die Blattläuse nachweisen, die bei den Zuckerrüben das Wachstum behindern und Krankheiten übertragen. Marienkäfer, Schwebfliegen und Gallmücken ernähren sich von Blattläusen, während Schlupfwespen Eier in die Blattläuse legen und sie dabei mumifizieren. Der Blühstreifen hat sich durch die frühe Einsaat allerdings zur Unkrautsamenbank entwickelt und es besteht die Gefahr, dass sich das Unkraut auf den Rübenacker ausweitet. Im Biozuckerrübenanbau ist Unkraut die grösste Herausforderung, weil es sich nur durch mühsames Jäten komplett entfernen lässt.

Hecken sorgen für biologisches Gleichgewicht

Peter Schweizer, Biobauer und Vorstandsmitglied Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Peter Schweizer, Biobauer und Vorstandsmitglied Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Bild: Thomas Güntert

Der Biobauer Peter Schweizer erklärte das Potenzial einer Hecke mit verschiedenen einheimischen Sträuchern und Blumen, die bereits 2013 auf einer intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsfläche angelegt wurde. Viele Vögel und Kleintiere finden dort Nahrung und geeignete Brutbedingungen. Hecken sind wie einzelne Bäume, Ast- und Steinhaufen Trittsteine in der Landschaft, die zur Vernetzung verschiedener Lebensräume beitragen. Zahlreiche Nützlinge wie Ameisen, Vögel und Kleintiere können sich in den nahegelegenen Feldern von den Schädlingen ernähren. Grosses Potenzial sieht Schweizer noch in extensiven Ackerränder, Vorhaupten und Böschungen. Schweizer sagt:

«Man muss nicht Professor sein, um darauf zu kommen, dass sich das Kleinzeug irgendwo verkriechen muss.»
Der zwei Meter breite Blühstreifen erstreckt sich über die gesamte Länge des Zuckerrübenfeldes.

Der zwei Meter breite Blühstreifen erstreckt sich über die gesamte Länge des Zuckerrübenfeldes.

Bild: Thomas Güntert