Bio ist der Trumpf der Zuckerfabrik Frauenfeld

Mit den letzten Reinigungsarbeiten am Neujahrstag ging in der Zuckerfabrik die Kampagne 2018 zu Ende. «Recht lange und zeitweise unruhig», sei sie gewesen, sagt Werkleiter Joachim Pfauntsch.

Stefan Hilzinger
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Die Kampagne 2018 ist vorüber. Nun stehen massenhaft Ballen mit Pressschnitzeln auf dem Gelände der Zuckerfabrik Frauenfeld (Drohnenbild: Reto Martin).

Die Kampagne 2018 ist vorüber. Nun stehen massenhaft Ballen mit Pressschnitzeln auf dem Gelände der Zuckerfabrik Frauenfeld (Drohnenbild: Reto Martin).

Napoléon Bonaparte brachte Europa nicht nur den «Code civile», sondern auch den Rübenzucker. Weil wegen der Kontinentalsperre kaum mehr Rohrzucker aus Übersee importiert werden konnte, tüftelten Chemiker und Techniker an der Gewinnung von Saccharose aus der Wurzel von Beta vulgaris. Doch, wo vor rund 200 Jahren noch Märkte abgeschottet wurden, da gilt heute ein mehr oder weniger freier Weltmarkt. Dem ist auch die Schweizer Zucker AG (SZU) mit Werken in Frauenfeld und Aarberg vermehrt ausgesetzt.

Ganz abgesehen davon machen dem Anbau der Rüben und der Gewinnung von Zucker die Wetterverhältnisse während Anbau und Kampagne zu schaffen. Jede Kampagne verläuft bei aller Routine wieder anders und hält auch Überraschungen bereit. Dieses Jahr war es ein vergleichsweise hoher Gehalt an sogenanntem Alpha-Amino-Stickstoff in den Rüben, eine Folge des heissen Sommers. «Normalerweise kristallisiert Zucker schon weitgehend in der ersten Kristallisationsstufe aus, heuer mussten wir einen vermehrten Kreislauf über die zweite und einer dritte Kristallisationsstufe in Kauf nehmen», sagt der Frauenfelder Werkleiter Joachim Pfauntsch.

Das bedeutete, dass die Rübenverarbeitung zwangsläufig reduziert werden musste und der Verarbeitungsprozess länger dauerte. Entsprechend habe sich das Kampagne-Ende nach hinten geschoben. Dazu kam dann noch das eine oder andere technische Problem.

«Die Kampagne war recht lang und zeitweise unruhig»,

sagt Pfauntsch, zu den zurückliegenden 89 Tagen ohne freies Wochenende. Die letzten Rüben waren am 28. Dezember verarbeitet, am 1. Januar morgens endeten die Reinigungsarbeiten.

Einigermassen zufrieden, trotz trockenem Sommer

Die Verarbeitungsmenge liegt mit knapp 730'000 Tonnen Rüben unter dem Wert von 2017 (811'000 Tonnen). Daraus stellte das Werk rund 110'000 Tonnen Zucker her (2017: 126'000 Tonnen). Angesichts des heissen und trockenen Sommers ist Pfauntsch dennoch zufrieden. «Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie anpassungsfähig die Rübe eigentlich ist.»

Joachim Pfauntsch, Werkleiter der Zuckerfabrik Frauenfeld, ist bereit für die Kampagne. (Bild: Andrea Stalder, 27. September 2018)

Joachim Pfauntsch, Werkleiter der Zuckerfabrik Frauenfeld, ist bereit für die Kampagne. (Bild: Andrea Stalder, 27. September 2018)

Teilweise turbulent verlief in diesem Jahr die Anfuhr der Rüben auf der Schiene, wo die SZU erstmals mit Swiss Rail Traffic zusammenarbeitete. «Die Züge sind nicht immer dann angekommen, wann sie es hätten tun müssen», sagt Pfauntsch. Das habe vom Personal viel Flexibilität verlangt. Nebst Schweizer Rüben kommen auch Importrüben aus Deutschland an. Es sei anspruchsvoll, die Waggons so zu entladen, dass die Chargen getrennt und nicht etwa vermischt in die Fabrik gelangen.

Dank des Imports von 58'000 Tonnen biologisch angebauter sowie 87'000 Tonnen konventioneller Zuckerrüben aus Deutschland habe sich die Auslastung des Werks um immerhin 20 Prozent verbessert. «Trotz Problemen: Wir hatten immer genügend Rohstoff», sagt Pfauntsch.

Erstmals Schweizer Zucker in Bioqualität

Die Produktion von Biozucker ist mittlerweile ein wesentlicher Trumpf für das Frauenfelder Werk im schwierigen Markt. In dieser Kampagne stellte es vermutlich europaweit die grösste Menge Biozucker her (8500 Tonnen, Vorjahr 6200 Tonnen). «Ja, soviel ich weiss, verarbeitete aufgrund allgemein schwieriger Bedingungen niemand mehr Biorüben als wir.» Eine Premiere war, dass erstmals auch Schweizer Biozucker separat produziert werden konnte. Pfauntsch: «Ich sehe noch Potenzial für den Ausbau der Bioproduktion.

Etwas Entspannung dank Bundeshilfe

Die Schweizer Zuckerbranche steht wegen des tiefen Weltmarktpreises seit längerem unter Druck. Bei den Pflanzern verliert die Rübe latent an Rückhalt. Mit einer auf drei Jahre befristeten Erhöhung des Grenzschutzes und höheren Direktzahlungen an die Pflanzer hat das Bundesparlament Massnahmen zur Entschärfung der Situation beschlossen. Mit Einsparungen in allen Bereichen, vor allem auch beim Transport und mit der Diversifizierung der Produktion arbeitet die Branche daran, die Wirtschaftlichkeit zu sichern. So startet das Werk Frauenfeld im Frühling mit der Produktion von Pektin (Nahrungsergänzungsmittel) aus Zuckerrübenschnitzeln. (hil)

Herbstlicher Rübenduft über Frauenfeld

Ab diesem Sonntag verarbeitet die Zuckerfabrik die ersten Rüben. Weil es gut doppelt so viele einheimische Biorüben gibt wie noch vor einem Jahr, lohnt sich die separate Produktion von Schweizer Bioware.
Stefan Hilzinger