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Eigentümer des ehemaligen Frauenfelder Restaurants Obstgarten: «Bin es leid, der Buhmann zu sein»

Jetzt redet Paul Geiger. Der Eigentümer des ehemaligen Restaurants Obstgarten hat genug von den Vorwürfen gegen ihn. Er sei gewillt, die Liegenschaft zu sanieren. Aber ihn irritierten die Hürden, die er dafür nehmen muss.
Mathias Frei
Abgesperrt: das ehemalige Restaurant Obstgarten am Spitalkreisel. (Bild: Andrea Stalder)

Abgesperrt: das ehemalige Restaurant Obstgarten am Spitalkreisel. (Bild: Andrea Stalder)

Paul Geiger hat lange geschwiegen. Aber irgendwann lupft es einem den Hut, irgendwann reicht es. «Von Anfang an war ich gewillt, aus dem ‹Obstgarten› wieder die gemütliche Quartierbeiz zu machen, wie er es mal war», sagt der Thundorfer Bauunternehmer, der das ehemalige Restaurant am Spitalkreisel im Frühsommer 2017 erworben hat. Und auch heute sei seine Absicht immer noch dieselbe. Geiger stammt selber aus einer Beizerfamilie, hat eine gastronomische Erstausbildung absolviert, bevor er seine Berufung im Bau fand.

Es wurde und wird viel über den «Obstgarten» geredet. Und viel geschrieben worden ist auch. Viele Frauenfelder wissen noch, wie es früher bei Maria Soltermann war, sie hängen am «Obstgarten» und bedauern, wie die Liegenschaft seit dem Tod der langjährigen Wirtin im Jahr 2009 dahinsiecht.

Vielleicht wendet sich alles zum Guten

Paul Geiger hat Ideen für den «Obstgarten». Wenn man mit ihm durch das Gebäude geht, spürt man sein Herzblut – das er gerne in dieses alte Haus stecken würde. Aber ihm sind bisher noch die Hände gebunden. «Wenn es schon jemanden gibt, der Geld in die Hand nimmt, um eine solche Liegenschaft zu sanieren, müsste die Stadt Hand bieten, denkt man sich», sagt Geiger.

«Wenn die Stadt das Baugesuch nicht bewilligt, müsste man das Ganze neu beurteilen.»
(Paul Geiger, Eigentümer)

Möglicherweise wendet sich doch noch alles zum Guten. Derzeit arbeitet Geiger an einem Baugesuch, in engem Austausch mit dem städtischen Amt für Hochbau und Stadtplanung. Ein Restaurant im Erdgeschoss, im Obergeschoss Wohnungen. «Mein Klient Paul Geiger ist an einer konstruktiven Lösung im Rahmen seiner Möglichkeiten interessiert», sagt Marcel Epper. Er ist Geigers Anwalt in Sachen «Obstgarten». Und wenn die Stadt das Baugesuch des Thundorfer Bauunternehmers nicht bewilligt? «Dann müsste man das Ganze neu beurteilen», sagt Geiger. Woran er noch nicht denkt: den «Obstgarten» zu verkaufen.

Stadt mache es sich gar einfach

«Ich bin es leid, für die Stadt der Buhmann zu sein», sagt Geiger. So habe es schon mehrmals geheissen, es existiere ein bewilligtes Sanierungsprojekt für den «Obstgarten». Das stimme nicht. Laut Rechtsanwalt Epper ist in der dem Voreigentümer erteilten Baubewilligung von September 2015 für die letzte Etappe der Besitzi-Überbauung lediglich niedergeschrieben, dass vor Baubeginn ein Sanierungs- respektive Restaurierungskonzept einzureichen sei. Epper stellt fest: «Es bestehen weder zwingende Auflagen betreffend ‹Obstgarten› noch gibt es eine erteilte Umbaubewilligung.» Der zuständige Stadtrat Urs Müller mache es sich gar einfach, zu sagen, man hätte schon längst mit Bauen beginnen können. Vielmehr habe es die Stadt versäumt, vom Voreigentümer klare Auflagen einzufordern und diese auch durchzusetzen.

Für Geiger war von Anfang an klar, dass es um der Wirtschaftlichkeit willen im Obergeschoss Mietwohnungen braucht, damit die Pacht für die geplante Quartierbeiz nicht zu hoch ausfällt. Im Herbst 2017 reichte er ein erstes und bislang einziges Baugesuch ein, das die Stadt aber als «nicht bewilligungsfähig» beurteilte, wie Epper sagt. Es befremdet Geiger, dass die Stadt erst jetzt respektive nach einem runden Tisch diesen Juli von ihrem Standpunkt abgekommen ist, nur eine Wirtewohnung im Obergeschoss zu bewilligen.

Der tragische Unfall machte alles noch schlimmer

Kurz nachdem Geiger vergangenen Herbst das Baugesuch eingereicht hatte, sollte sich die Situation um den «Obstgarten» noch verschärfen. Bei Arbeiten, mit denen Geiger nichts zu tun hatte, ereignete sich am 9. Oktober 2017 ein Unfall, bei dem eine Person ums Leben kam. Der «Obstgarten»-Anbau war teilweise eingestürzt. Eine Strafuntersuchung läuft nach wie vor. Geiger weiss immer noch nicht, wer für den Einsturz verantwortlich ist und für den Schaden aufkommen muss. Der Bauunternehmer will zuerst die Verantwortlichkeiten geregelt wissen, derweil die Stadt der Meinung ist, Geiger solle die Wiederinstandstellung aus dem eigenen Sack vorfinanzieren.

«Wenn ich nun sehe, dass die ‹Libelle› im Ergaten einfach so abgerissen wird, verstehe ich die Welt nicht mehr.»
(Paul Geiger, Eigentümer)

Ein weiteres Problem ist das Wasser im Keller der Liegenschaft. Die neue Tiefgarage der Überbauung lenkt das Wasser Richtung «Obstgarten». Dafür bräuchte es ein Entwässerungskonzept. Zugleich müsste auch der Schutt vom Hauseinsturz weg, damit die Wegfahrt für den Volg-Laden in der Überbauung gebaut werden könnte. Geiger ist der Meinung, dass all diese Arbeiten koordiniert anzugehen sind, sobald die Umbaubewilligung erteilt ist. Ein Knackpunkt ist für ihn auch die Umgebungsgestaltung. Er kann es zwar nicht nachvollziehen, dass die Stadt fordert, den zukünftigen Aussensitzplatz Richtung Kreisel zu realisieren, wo bislang der Parkplatz war. Gleichwohl sei er aber bereit, diese Auflage zu erfüllen. Autos würden dann auf der anderen Seite des Gebäudes parkieren.

Zweifelhafte Kriterien für Unterschutzstellungen

«Wenn ich nun sehe, dass die ‹Libelle› im Ergaten einfach so abgerissen wird, verstehe ich die Welt nicht mehr», sagt Geiger. Derweil erhalte er für den Umbau des ehemaligen Restaurants Obstgarten Auflagen, die seiner Meinung nach kaum oder keinen Sinn machten. So hätte er ursprünglich eine unscheinbare Decke im nun aber eingestürzten Anbau teuer restaurieren müssen, während der Stuck aus dem Hotel Libelle im Bauschutt lande. Geiger zweifelt am Beispiel dieser zwei Bauten die Kriterien der kantonalen Denkmalpflege für Unterschutzstellungen an. Denn der «Obstgarten» ist seit 2016 geschützt, die «Libelle» gilt zwar als «bemerkenswert», aber ein Schutzstatus fehlt.

Seit 2016 unter Schutz

Die Wirtschaft zum Obstgarten wurde 1858 eröffnet. Teile des Gebäudes sind schon über 200 Jahre alt. Zuletzt führte Maria Soltermann das Lokal 35 Jahre lang. Nach ihrem Tod 2009 stand die Liegenschaft mehrheitlich leer – bis ein Walliseller Generalunternehmen die Immobilie übernahm. Diese Firma war auch Bauherrin der nahen Bsetzi-Überbauung. Im Frühling 2017 erfolgte der Verkauf an die TSS Bau GmbH, deren Inhaber der Thundorfer Bauunternehmer Paul Geiger ist. Das ehemalige Restaurant ist von der kantonalen Denkmalpflege als «wertvoll» eingestuft worden. Seit 2016, also noch im Eigentum des Walliseller Generalunternehmens, steht das Gebäude unter Schutz. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei der Einfluss auf das Ortsbild. Denn der «Obstgarten» ist die letzte Baute des Ortes Vorderhuben und damit letzter Zeuge der Baugeschichte im Quartier. (ma)

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