BILDUNG THURGAU
Die Maskenpflicht in der Thurgauer Sekundarschule könnte noch diese Woche fallen

Bis Ende Woche soll entschieden werden, ob die Maskenpflicht an der Sekundarschulstufe 1 aufgehoben wird. Im Coronajahr haben Klagen über zu hohe Belastungen von Lehrkräften zugenommen.

Christof Lampart
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Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1 müssen im Thurgau vielleicht schon bald keine Maske mehr tragen.

Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1 müssen im Thurgau vielleicht schon bald keine Maske mehr tragen.

Bild: Pius Amrein

Corona setzte den Thurgauer Schulen in den letzten 15 Monaten schwer zu, und verlangte den Lehrkräften in Sachen Einsatz und Flexibilität viel ab. Daraus machte auch Bildung Thurgau-Verbandspräsidentin Anne Varenne am Mittwoch an der erstmals online durchgeführten Delegiertenversammlung vor über 100 Delegierten und Gästen keinen Hehl. 2020 hätten die Klagen vieler Lehrerinnen und Lehrer bezüglich «zu grosser Belastung» enorm zugenommen.

Anne Varenne

Anne Varenne

Bild: Donato Caspari

Corona sei zwar nicht der Auslöser, sicher aber ein die Lage verschärfender Faktor gewesen, so Varenne, die das aktuell vorherrschende Stimmungsbild unter den Lehrkräften so zusammenfasste:

«Viele Lehrerinnen und Lehrer haben heute das Gefühl, so viele Dinge gleichzeitig erledigen müssen, sodass zu wenig Zeit für eine gute Vor- und Nachbereitung des Unterrichts bleibt.»

Überbelastung gezielt entgegensteuern

Es liege Bildung Thurgau zwar fern, in Zeiten, in denen viele Menschen gesundheitlich und beruflich um ihre Existenz kämpften, zu jammern, doch es müsse das Ziel der Berufsorganisation der Lehrkräfte des Kantons Thurgau sein, dass «auch Lehrpersonen ihren Beruf bis zur Pensionierung gesund ausüben können», erklärte Varenne.

Eine Mitgliederbefragung zum Thema Belastung solle Klarheit darüber schaffen, wo die Probleme genau liegen und wie sie am besten angegangen werden könnten, so Varenne. Schliesslich sei die Lehrerausbildung zu zeit- und kostenintensiv, als dass man es sich leisten könnte, die «überproportional eintretenden Meldungen über Überlastung nicht ernst zu nehmen», betonte Varenne. Sie selbst, so Varenne, sei auf die Dringlichkeit des Themas so richtig aufmerksam geworden, als an der letztjährigen DV von Bildung Thurgau die Abschaffung der jährlichen DV diskutiert wurde – weil viele Lehrkräfte darin ein Mittel sahen, der Überlastung ein wenig entgegenzusteuern.

Regierungsrätin Monika Knill

Regierungsrätin Monika Knill

Bild: Donato Caspari

Der Thurgauer Regierungspräsidentin und Bildungschefin, Monika Knill, blieb es vorbehalten, den Lehrkräften ein wenig Hoffnung zu machen – zumindest was die Coronapandemie betrifft. Die epidemiologische Lage präsentiere sich aktuell sehr gut, denn trotz weiterer Lockerungen «gehen die Zahlen nicht hoch». Weitere zeitnahe Lockerungen seien deshalb sehr wahrscheinlich. Knill sagt:

«Wir haben heute eine entspannte epidemiologische Lage, weshalb wir prüfen, ob wir die Maskenpflicht im Unterricht für die Sekundarschulstufe 1 aufheben können.»

Wahrscheinlich könne man darüber «noch diese Woche kommunizieren», sagte Knill. Auch Lockerungen für die Sekundarschulstufe 2 seien angedacht, so die Bildungschefin, ohne diese jedoch genauer zu präzisieren.

«Gräben in Lehrerzimmern zuschütten»

Varenne nahm diese Ankündigung erleichtert auf. Denn die Maskenfrage habe viel Unfrieden im Verband gesät: «Wir haben einige Mitglieder verloren, weil wir uns in der Geschäftsleitung nicht öffentlich gegen die Maskenpflicht wehrten, da wir der Meinung waren, dass es das oberste Ziel sein müsse, den Präsenzunterricht zu erhalten», so Varenne. «Wir freuen uns aber, wenn die Maskenpflicht wieder aufgehoben werden kann.» Es sei jetzt «dringend an der Zeit, dass die grossen Gräben in den Lehrerzimmern wieder zugeschüttet werden. Geht aufeinander zu und sucht das Gespräch», gab Varenne den Delegierten mit.