Bildende Kunst
Aus der Galerie Rutishauser wird der Kunst-Raum Frauenfeld und startet mit einer Italienreise im Kopf

Was lange währt, wird nun endlich: Fünfmal verschoben, aber nun kann Stefan Rutishauser endlich seinen neuen Kunst- und Kulturort in Frauenfeld eröffnen. Die erste Schau bestreitet er auf Wunsch des Fördervereins der neuen Institution gleich selber.

Dieter Langhart
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Kunst-Raum Frauenfeld: Galerist und Künstler Stefan Rutishauser in seiner Ausstellung «Die Italienreise Teil III».

Kunst-Raum Frauenfeld: Galerist und Künstler Stefan Rutishauser in seiner Ausstellung «Die Italienreise Teil III».

Bild: Dieter Langhart

War da nicht eine Galerie an der Marktstrasse 6? Die Galerie Stefan Rutishauser ist Geschichte seit November 2019 – oder doch nicht? Der Eingang hinter dem Haus ist derselbe, der grosse Raum ist derselbe, die Bar ist noch da, nur das Bücherregal voller Kunstbände ist neu. Und Stefan Rutishauser ist noch da. Seine Verschmitztheit und Ernsthaftigkeit und seine Kunst sind ihm nicht abhandengekommen, seit er seine Galerie schloss.

Vergangenen Herbst sollte sie wieder öffnen, mit Ausstellungen und anderer Kultur. Doch das Virus sagte nein. Fünfmal sagte es nein, doch diesen Freitag geht sie auf – und segelt unter neuem Namen: Kunst-Raum Frauenfeld. Und wenn das Wetter schön ist, soll die Eröffnung draussen sein, sagt Stefan Rutishauser. Oberrichter und Gemeinderat Peter Hausammann wird alle begrüssen, Humbert Entress, früherer Beauftragter der Thurgauer Kulturstiftung, wird in die erste Ausstellung einführen.

Der Freitag ist der «jour fixe»

Im März 2020: Stefan Rutishauser stellt in der St.Galler Galerie vor der Klostermauer aus.

Im März 2020: Stefan Rutishauser stellt in der St.Galler Galerie vor der Klostermauer aus.

Bild: Michel Canonica

Die Stadt ist froh, dass Rutishauser den Raum wieder öffnet, denn sie ist nicht mehr so reich an Kunsträumen nebst der Stadtgalerie Baliere und dem Kunstverein Frauenfeld: Hauptpostgalerie zu, Tower zu, Kunsthalle zu; und an die Galerie bei Hugelshofer Transport mag sich kaum mehr jemand erinnern. Stefan Rutishauser lächelt:

«Sie sagten mir: Du machst das gut – mach weiter.»
Im Jahr 2017: Stefan Rutishauser stellt im Park der Villa Suter in Münchwilen aus.

Im Jahr 2017: Stefan Rutishauser stellt im Park der Villa Suter in Münchwilen aus.

Bild: Reto Martin

Was hat er also vor? Drei kuratierte Ausstellungen pro Jahr sind geplant, hinzu kommt eine thematische Gruppenausstellung; heuer als Teil der dritten Frauenfelder Kulturtage. Der «jour fixe» werde der Freitag sein, sagt Rutishauser. Vernissage am ersten, Kunstbar am zweiten, Künstlergespräch bei Brot und Wein am dritten. «Im Kunst-Raum Frauenfeld soll es gesellig zugehen; er soll Gespräche ermöglichen statt ein anonymes ‹Reinkommen, umsehen, rausgehen›.» Vernetzung also, auch mit Ausflügen zu Musik oder Literatur.

Im Jahr 2016: Stefan Rutishauser stellt in der Stadtgalerie Baliere aus.

Im Jahr 2016: Stefan Rutishauser stellt in der Stadtgalerie Baliere aus.

Bild: Andrea Stalder

Auf Wunsch von Hausammann und Entress bestreitet Stefan Rutishauser die erste Ausstellung mit eigenen Werken. «Das ist die Reise, die dann wirklich nur im Kopf stattfand», schreibt er dazu auf der Einladungskarte zu Teil 3 seiner Italien-Reise. Der erste Teil, seine Kopfreise, war in der Baliere; der zweite Teil im März 2020 in der Galerie vor der Klostermauer St.Gallen wurde zwei Tage vor dem Lockdown ausgebremst, niemand hat sie gesehen.

Da er nicht reisen konnte, suchte Rutishauser anderswo nach seinem Italien, suchte es bei uns. Elf Geschichten sind entstanden, elf Bilder. Dazu gibt es zwölf Karten mit ironischen Texten in einer Box, die auch einen neckischen Beutel mit Kaffeebohnen enthält. Und zwei mit Faden geheftete Künstlerbücher auf einem Sockel fallen auf: Unikate mit Notizen und dazwischen gestreuten Bildern.

Im Jahr 2013: Stefan Rutishauser bereitet in seiner Galerie eine neue Ausstellung vor.

Im Jahr 2013: Stefan Rutishauser bereitet in seiner Galerie eine neue Ausstellung vor.

Bild: Nana Do Carmo

Stefan Rutishausers bezeichnet seine Ausstellung «Die Italien-Reise Teil III» als ein Intermezzo. Zwei riesige Formate («wer hat schon Platz daheim für solches?») wechseln sich ab mit kleinen, die er «in einer Wellenbewegung, nicht aus einem Guss» gemalt habe. Sehr häufig sind seine abstrakten Bilder zweigeteilt: vertikal statt der früheren Horizonte. Stefan Rutishausers teils gedämpfte Farben machen sich nicht zuletzt gut über dem Fussboden, den er neu dunkelgrau gestrichen hat.

Eröffnung: Fr, 28.5., 19 Uhr. Öffnungszeiten: Sa/So 14 bis 17 Uhr. Finissage: So, 13.6. Kurzlesungen: Fr, 4./11.6., Tür 19 Uhr, Lesung 20 Uhr.
Marktstrasse 6.
www.kunstraum-frauenfeld.ch