Bichelsee-Balterswil
«Ein voller Erfolg»: «Wohnen im Alter Hinterthurgau» ist ein halbes Jahr nach seiner Einweihung ausgebucht

Siebzehn altersgerechte Wohnungen sind an der Hauptstrasse zwischen Bichelsee und Balterswil entstanden. Nun sind alle vermietet. Das Bistro im Parterre des Hauses hat nach den Lockerungen der Coronamassnahmen auch endlich Fahrt aufnehmen können.

Olaf Kühne
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Das Haus Wohnen im Alter Hinterthurgau kurz vor seiner Eröffnung.

Das Haus Wohnen im Alter Hinterthurgau kurz vor seiner Eröffnung.

Bild: Olaf Kühne, 9. November 2020

Paul Widmer ist zufrieden. Zwar hat er jüngst die Wahl in den Bichelseer Gemeinderat nicht geschafft. Dafür läuft sein «Steckenpferd» wie geschmiert: das Haus Wohnen im Alter Hinterthurgau. Jüngst hat ihn die schriftlich abgehaltene Generalversammlung erneut für weitere vier Jahre zum Genossenschaftspräsidenten gewählt – wie auch die ganze Verwaltung.

Paul Widmer Präsident Genossenschaft Wohnen im Alter Hinterthurgau

Paul Widmer
Präsident Genossenschaft Wohnen im Alter Hinterthurgau

Bild: PD

Vor allem aber kann Paul Widmer knapp neun Jahre, nachdem er mit seiner Projektgruppe das erste Modell des Baus präsentieren konnte, und ein halbes Jahr nach dessen Einweihung vermelden:

«Alle Wohnungen sind vermietet.»

Einen diesbezüglichen Corona-Effekt verneint Paul Widmer indes ausdrücklich – auch wenn man derzeit oft hört, dass sich ältere Menschen gegen einen Umzug ins Altersheim sträuben. Vielmehr sagt Widmer: «Ein Grossteil unserer 17 Wohnungen wurde schon vor anderthalb Jahren reserviert, also noch vor Corona.»

Grosseltern zu Enkeln gezogen

Auch habe er in Gesprächen mit späteren Mietern die unterschiedlichsten Gründe für einen Umzug in das seniorengerechte Haus gehört, keiner davon habe mit der Pandemie zu tun gehabt. So habe beispielsweise ein auswärtiges Paar, dessen Kinder und Enkel bereits in der Gemeinde leben, eine passende Wohnung gesucht, um in deren Nähe ziehen zu können. In einem anderen Fall habe einfach ein Mann angerufen, der für seinen noch in Frankreich lebenden Vater etwas suchte und auf das Angebot im Internet gestossen war. Beide hätten zuvor keinen Bezug zum Hinterthurgau gehabt.

Über die Hälfte der Wohnungen konnte aber an Einheimische vermietet werden. Eine reine «Alterssiedlung» ist dadurch allerdings nicht entstanden. «Wir haben auch einen 30-jährigen Mann und ein Paar, das noch berufstätig ist», sagt Paul Widmer. «Gemäss unseren Statuten haben über Sechzigjährige Priorität. Nun haben wir aber eine gute Mischung in unserem Haus, was ich auch immer wieder in Gesprächen mit unseren Mieterinnen und Mietern höre.» So habe sich auch bereits eine eigentliche Nachbarschaftshilfe entwickelt, die von ganz alleine funktioniere.

Bistro konnte coronabedingt erst vor kurzem öffnen

Spürbar zufrieden berichtet Paul Widmer im Gespräch mit unserer Zeitung von einer weiteren Erfolgsgeschichte: Das Haus beherbergt im Parterre ein Bistro, das von Hildi Suter, der vormaligen Chef de Service des Wallenwiler «Mettlenhof», geführt wird. «Ich muss gestehen: Ich war ursprünglich skeptisch gegenüber der Idee, hier einen Gastrobetrieb einzuplanen», sagt Widmer.

«Wir haben bereits gute Restaurants in unserer Gemeinde. Und ich befürchtete, dass noch ein Angebot zu viel des Guten wäre.»

Nun sei er aber sehr erfreut darüber, dass sich seine Befürchtungen nicht bewahrheitet hätten. «Hildi Suter durfte ja coronabedingt erst vor kurzem starten, und nun läuft ihr Bistro schon sehr gut.» Das Lokal werde nicht nur von Mietern geschätzt, sondern auch von der Dorfbevölkerung und den Vereinen.

So lautet denn Paul Widmers Fazit nach jahrelanger Arbeit am Projekt: «Es ist ein voller Erfolg!» Besonders geschätzt habe er auch, dass sich von den derzeit 150 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern 105 an der schriftlichen GV beteiligten. «Das hat uns gezeigt, dass wir breit abgestützt sind», sagt Widmer und kündigt zugleich an, dass er nicht mehr die ganzen vier Jahre als Genossenschaftspräsident absolvieren werde. «Ich will das ganze Projekt sauber abrechnen und danach mein Amt übergeben. Das wird wohl in zwei Jahren der Fall sein.»

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