Im Thurgau ist Kreuzlingen der Bezirk der Bisherigen

Wahlen nach Zahlen: Im Wahlkreis Kreuzlingen wollen 23 amtierende Kantonsräte die 23 Sitze verteidigen. Im Bezirk Münchwilen ist die SVP beständig - und doch kommt es zwangsläufig zu Änderungen.

Sebastian Keller
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Im Sommer tagt der Grosse Rat in Frauenfeld (hier), im Winter in Weinfelden.

Im Sommer tagt der Grosse Rat in Frauenfeld (hier), im Winter in Weinfelden. 

Donato Caspari

Das Kantonsparlament setzt auf Beständigkeit: 118 der 988 Kandidierenden betreiben Wahlkampf mit dem Prädikat «bisher». Damit wollen 91 Prozent in der 130-köpfigen Legislative sitzen bleiben. Aber nicht alle Bisherigen haben einen bis oben gefüllten Rucksack mit Parlamentserfahrung.

Ein Vergleich der Mitglieder nach den Wahlen 2016 mit der aktuellsten Liste von Mitte Januar 2020 zeigt: Nur 99 der 130 amtierenden Kantonsräte wurde bei der Gesamterneuerungswahl vor bald vier Jahren gewählt. Das heisst: Fast ein Viertel des Parlaments wurde im Laufe der Legislatur ausgewechselt. Rücktritte während der Amtsperiode werden vielfach mit der Wahl in ein anderes Amt begründet.

Diana Gutjahr verabschiedete sich aus dem Grossen Rat, nachdem sie in den Nationalrat nachgerückt war.

Diana Gutjahr verabschiedete sich aus dem Grossen Rat, nachdem sie in den Nationalrat nachgerückt war. 

(Bild. Benjamin Manser)

So etwa Diana Gutjahr (SVP), die für Hansjörg Walter gegen Ende 2017 in den Nationalrat nachrückte. Oder Marianne Bommer (CVP), die als Oberrichterin gewählt wurde. Oder Hanspeter Gantenbein (SVP), der sich im März 2019 nach 15 Jahren aus dem Rat verabschiedete. Er wolle «einem motivierten und engagierten Nachfolger Platz machen». Es wurde mit Isabelle Altwegg eine Nachfolgerin.

SP verlor einen Sitz während der Legislatur

Peter Dransfeld wechelte während der Legislatur von der SP zu den Grünen.

Peter Dransfeld wechelte während der Legislatur von der SP zu den Grünen. 

(Bild: Reto Martin)

Nimmt man die Zahlen genauer unter die Lupe, zeigt sich: Im Bezirk Kreuzlingen treten 23 Bisherige an – bei 23 Sitzen, die diesem Wahlkreis zustehen. Doch eines fällt auf: Die Grünen holten bei den Wahlen 2016 nur zwei Sitze, treten aber mit drei Bisherigen an. Anders die SP: satt vier Bisherigen kandidieren nur drei. Dieses Phänomen hat einen Namen: Peter Dransfeld. Der Kantonsrat aus Ermatingen wechselte in der Legislatur die Parteifarben: Von Rot auf Grün.

Es gab noch einen weiteren Überläufer während der Legislatur: Alban Imeri (Romanshorn) wechselte von der BDP zu den Sozialdemokraten. Dennoch tritt die SP in diesem Wahlkreis nicht mit mehr Bisherigen an. Das liegt daran, dass Kantonsrätin Inge Abegglen (Arbon) nicht mehr kandidiert. Sie beendet die laufende Legislatur ordentlich und verabschiedet sich per Ende Mai aus der Kantonspolitik. Für die BDP ist dies nur ein schwacher Trost: Die Kleinpartei mischt in diesem Wahlkreis nicht mehr mit. Wohl auch wegen des parteipolitischen Umzugs ihres einzigen Kantonsrates im Oberthurgau.

Die beständige SVP

In Münchwilen treten 21 mit dem Bisherigen-Bonus an. Der Bezirk verfügt über 22 Sitze. Besonderes beständig präsentiert sich die wählerstärkste Partei: Die SVP tritt mit acht Bisherigen an. Die acht Männer wurden schon vor vier Jahren gewählt.

Auch wenn die SVP die Sitze halten kann und allen die Wiederwahl glückt, wird dieser Achter nicht am Ruder bleiben. So wurde Kantonsrat Cornel Inauen vor zwei Wochen zum Oberrichter gewählt. Damit hat seine Zeit im Parlament ein Ablaufdatum erhalten. Die Kantonsverfassung schreibt unter Paragraf 29, Unvereinbarkeit, vor, Mitglieder des Obergerichtes dürfen nicht dem Grossen Rat angehören. Die Erbgemeinschaft Inauens ist gross: 14 Personen warten darauf, für ihn nachzurücken.