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Kirche verkauft Nussbaumer Pfarrhaus - langjährige Bewohner ziehen den Kürzeren

Die evangelische Kirchgemeinde verkauft das Pfarrhaus an eine Familie mit vier Kindern. Die langjährigen Mieter als Interessenten fanden an der Versammlung kein Gehör.
Manuela Olgiati
Das Nussbaumer Pfarrhaus hat schon bald einen neuen Besitzer. Die Kirchgemeindeversammlung sagte Ja zum Verkauf. (Bild: Andrea Stalder)

Das Nussbaumer Pfarrhaus hat schon bald einen neuen Besitzer. Die Kirchgemeindeversammlung sagte Ja zum Verkauf. (Bild: Andrea Stalder)

Es geht um Generationen, auch um Interpretation von Sieg und Niederlage. «Nach 23 Jahren im Pfarrhaus sollen wir nun wie Alteisen entsorgt werden», sagt der derzeitige Mieter des Pfarrhauses in der Kirche Nussbaumen. Er und seine Frau sind enttäuscht über das Vorgehen der Kirchenbehörde, die Ende vergangener Woche an einer ausserordentlichen Versammlung von Evangelisch Nussbaumen-Uerschhausen über den Verkauf des Pfarrhaus abstimmen liess.

Die Familie fühlt sich sehr integriert. Ihre drei Kinder sind in diesem Haus aufgewachsen, jetzt sind sie erwachsen. Eine weitere glückliche Familienzukunft hätte mit Enkelkindern entstehen können, sagt der Mieter an der Versammlung. Das grosse Haus eigne sich für eine Alterswohnung und eine grössere Familienwohnung. Er wünsche sich, dass auch seine Enkelkinder im Pfarrhaus glücklich aufwachsen könnten.

Die Mieterfamilie spricht von einer engen Bindung zum Dorf, wo nachbarschaftliche Kontakte und ein grosser Freundeskreis gepflegt werden. Der Mieter sagt:

«Die Kirchenvorsteherschaft hält es nicht einmal für notwendig, uns zum möglichen Erwerb der Liegenschaft einzubeziehen.»

Nach all den schönen Jahren in Nussbaumen stimme das ihn und seine Familie traurig. Während dieser Zeit habe er Mietzinsen von rund 440'000 Franken und Kirchensteuern bezahlt. Die drei Kinder seien alle in Nussbaumen konfirmiert worden.

Die Finanzierung des Kaufs ist gesichert

An der Kirchgemeindeversammlung hat nun eine Familie aus Ellikon an der Thur mit vier Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren den Zuschlag erhalten. Die Finanzierung des Kaufs ist überprüft. Die Familie will das Pfarrhaus für 690'000 Franken erwerben. Bei der Mieterfamilie hätten solche Abklärungen nie im Raum gestanden. Gemäss Mieter wurde sein Kaufinteresse bereits früher von der Kirchenbehörde abgelehnt.

Kirchenpfleger Paul Maag spricht von 25 Bewerbungen und einigen Besichtigungen. In die engere Auswahl kamen dann noch vier Interessierte. Laut Maag habe das Argument «Familie mit schulpflichtigen Kindern» den Ausschlag gegeben.

Der Mieter wollte an der Versammlung das Blatt noch wenden und stellte einen Gegenantrag zu Gunsten seiner Familie und beantragte, ihm den Zuschlag für den Erwerb des Pfarrhauses zu geben. Doch laut Kirchenpräsidentin Irene Kämpf hätten dann rechtliche und finanzielle Abklärungen den Verkauf des Pfarrhauses verzögert. Das wolle die Kirchenbehörde vermeiden. Am Versammlungsabend gehe es lediglich darum, den Verkauf des Pfarrhauses an die Familie zu genehmigen, sagte Kempf. Die Zustimmung der Bank liege vor.

Deutliche Mehrheit für den Antrag der Behörde

Das Gros der Versammlung zeigte kein Verständnis für das Votum des langjährigen Mieters. Zur Sache meldete sich niemand zu Wort, doch die Versammlung beschloss, über den Gegenantrag geheim abzustimmen. 32 Stimmen sind gegen den Antrag des Mieters. Für ihn kommen sechs Stimmen zusammen. Den Verkauf des Pfarrhauses an die Familie hiessen (im offenen Verfahren) dann 30 Stimmbürger gut. Fünf enthielten sich der Stimme, vier stimmten Nein.

Wie geht es nun weiter? Gemäss Maag betrage die Kündigungsfrist des Mietvertrages im Pfarrhaus lediglich einen Monat. Der Mieter kann diese Frist auf der Mieterschlichtungsstelle erstrecken. Die Käuferfamilie plane eine Aussenrenovation des denkmalgeschützten Pfarrhauses mit 6 1/2-Zimmern, hiess es weiter. Dieses stammt aus dem 18. Jahrhundert, historische Bausubstanz mit einem beachtlichen Kapitel an Geschichte.

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