Bewohner des Matzinger Ortsteils Dingenhart bleiben mehrere Monate von ihrem Dorf abgeschnitten

Bis im Herbst dürfen Bewohner von Dingenhart nur noch über Umwege nach Matzingen fahren. Andernfalls droht ihnen eine Busse. Spezialregeln sind dem Gemeinderat zu aufwendig.

Samuel Koch
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Die derzeitigen Fahrverbotssignale im Frauenfelder Quartier Huben für den Schleichweg über die Alte Landstrasse sind noch nicht rechtskräftig.

Die derzeitigen Fahrverbotssignale im Frauenfelder Quartier Huben für den Schleichweg über die Alte Landstrasse sind noch nicht rechtskräftig.

(Bild: Andrea Stalder)

Idyllische, ruhige Lage mit Sicht auf Frauenfeld, ins Tuenbach- und ins Murgtal. Der Matzinger Ortsteil Dingenhart zwischen Frauenfeld und Thundorf hat mehr zu bieten als nur den Aussichtsturm im Stählibuck und das gleichnamige Restaurant.

Rund 50 Personen nennen Dingenhart ihr Daheim, das über eine Postautolinie unverändert halbstündlich vom öffentlichen Verkehr bedient wird. Für den Individualverkehr hingegen stehen für die nächsten Wochen und Monate Änderungen bevor, die nicht einmal hausgemacht sind.

Temporäre Verbote für den Durchgangsverkehr

Wegen der Frauenfelder Grossbaustelle auf der St.Gallerstrasse werden die Dingenharter – sie gehören zur Gemeinde Matzingen, zahlen dort Steuern und schicken ihre Kinder in Thundorf oder Halingen zur Schule – voraussichtlich noch bis im Herbst quasi von ihrem Dorf abgeschnitten sein.

Um nämlich die örtlichen Schleichwege über die Försterhausstrasse, die Alte Landstrasse, die Leistrasse oder durchs dunkle Tüüfelsgässli zu verhindern, richten die Gemeinden für den Durchgangsverkehr temporäre Verbote ein.

Die Verkehrsanordnung für die Abkürzungen auf Matzinger Gebiet (Leistrasse und Tüüfelsgässli) ist seit Freitag im Amtsblatt öffentlich publiziert, weil das für provisorische Verkehrsanordnungen über eine Dauer von 60 Tagen so vorgeschrieben ist. Denn erst, wenn die temporären Verbote in Rechtskraft erwachsen sind, dürfen Polizisten fehlbare Autofahrer büssen.

Hoffnungen ruhen auf gesundem Verstand

Muss also, wer in Dingenhart wohnt und mit dem Auto nach Matzingen will, entweder durchs Nadelöhr Frauenfeld oder über Thundorf fahren? – «Ja», sagt Walter Lanz. Sonst riskieren die Dingenharter eine Busse. Einzig Zubringer, also Bewohner der Höfe dazwischen, hätten weiterhin die Möglichkeit, Lei- und Altholzstrasse zu nutzen, betont der für Tiefbau und Verkehr zuständige Gemeinderat.

Walter Lanz, Gemeinderat Matzingen, Tiefbau und Verkehr.

Walter Lanz, Gemeinderat Matzingen, Tiefbau und Verkehr.

Bild: Samuel Koch

Auch nicht vom Verbot betroffen seien etwa Landwirte, die im temporären Sperrgebiet Zugang zu ihren Feldern suchen. Alle anderen müssten halt einen Umweg in Kauf nehmen und rundherum fahren, was Lanz als zumutbar bezeichnet. Gleiches gelte für alle Matzin­ger, die an der Altholzstrasse wohnen und beispielsweise nach Frauenfeld zum Einkaufen fahren. Lanz sagt:

«Wir wollen nicht einen noch grösseren Durchgangsverkehr, der unsere Strassen kaputtmacht.»

Spezialregeln wie extra gefertigte Ausweise für alle Betroffenen sind derzeit gemäss Gemeinderat Lanz keine vorgesehen. «So müssten wir die Frauenfelder Baustelle mit riesigem Aufwand ausbaden», sagt er. Bisher habe er aus Dingenhart erst eine kritische Stimme gehört wegen der bald gültigen, temporären Verbote.

Lanz hofft, dass Polizisten bei der Durchsetzung der Fahrverbote gesunden Menschenverstand walten lassen. Die Beschwerdefrist gegen die temporären Fahrverbote läuft noch bis am 5. Februar.