Bevölkerungsinformation
Wagenhausen darf nur noch wenig wachsen: Grosses Interesse an der Vernehmlassung zur Ortsplanungsrevision der Untersee-/Rhein-Gemeinde

Viel Volk fand sich am Donnerstagabend für eine Infoveranstaltung der politischen Gemeinde ein. Grundlage der aktuellen Revision bildet der Umstand, dass das bestehende Baugebiet für die kommenden 15 Jahre als ausreichende dimensioniert gilt. Deshalb braucht es eine massvolle Siedlungsentwicklung nach innen.

Margrith Pfister-Kübler
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Wagenhausen liegt direkt am Rhein etwas oberhalb der grossen Kiesbank Laui.

Wagenhausen liegt direkt am Rhein etwas oberhalb der grossen Kiesbank Laui.

Bild: Ernst Hunkeler

«Vor drei Jahren startete die Planungsgruppe mit den Arbeiten», sagte Gemeindepräsident Roland Tuchschmid und freute sich am Donnerstagabend über das grosse Interesse an der Infoveranstaltung zur Kommunalplanungsrevision Wagenhausen in der Turnhalle Kaltenbach.

«Jeder kann nun schauen, was genau geplant ist, und seine Meinung dazu abgeben.»

Das betonte Raumplaner Matthias Ott, von Winzeler + Bühl, Raumplanung und Regionalentwicklung, Schaffhausen. Mit Thomas Holenstein, Holenstein Ingenieure AG, Diessenhofen/Steckborn, erläuterte er die revidierten Planungsinstrumente im Detail.

Roland Tuchschmid, Gemeindepräsident Wagenhausen.

Roland Tuchschmid, Gemeindepräsident Wagenhausen.

Bild: PD

Bis Ende 2021 werden die revidierten Planungsinstrumente durch den Kanton vorgeprüft. Die öffentliche Auflage findet – nach deren Bereinigung – voraussichtlich Mitte 2022 statt. Weil Wagenhausen gemäss Kantonalem Richtplan dem Gemeindetyp «Kulturlandschaft» zugeteilt ist, gilt das bestehende Baugebiet für die nächsten 15 Jahre als ausreichend dimensioniert. Neueinzonungen von Wohn-, Misch- und Zentrumszonen sind im Umfang von maximal 1,1 Hektaren voraussichtlich bei der nächsten Zonenplanrevision möglich. Zum Eingriff in die Gemeindeautonomie sagte Ott:

«Ihr dürft also nur wenig wachsen.»
Matthias Ott, Raumplaner.

Matthias Ott, Raumplaner.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Die Siedlungsentwicklung sei deshalb stärker nach innen zu richten, «aber nicht auf Teufel komm raus eine Verdichtung hinbringen», sagte Ott. Der Gemeinderat will den ländlichen Siedlungscharakter erhalten, weshalb man auf flächendeckende Aufzonungen verzichte. Die Innenentwicklung soll durch entsprechende baureglementarische Rahmenbedingungen ermöglicht, jedoch nicht forciert werden.

Zusammenwachsen stoppen und Dorfladen erhalten

Als weitere, wichtige Entwicklungsziele werden genannt, dass das Zusammenwachsen von Wagenhausen, Kaltenbach und Stein am Rhein (Degerfeld) gestoppt wird, dass Überregulierungen im Bereich des Landschaftsschutzes abgebaut werden, dass das kommunale Gesamtverkehrskonzept realisiert wird und dass ein lokales Bildungs- und Betreuungsangebot sowie der Dorfladen erhalten werden können.

Ott erläuterte sodann die wesentlichsten Zonenplanänderungen, die einerseits aufgrund der Entwicklungsziele des Gemeinderates, andererseits aufgrund von Gesuchen aus der Bevölkerung vorgenommen wurden. Auch wurde die Zonierung teilweise der tatsächlichen Nutzung angepasst, so beispielsweise im Bereich des Umspannwerks Etzwilen. Ott sagte:

«Es macht keinen Sinn, dass das SBB-Umspannwerk der Gewerbezone zugewiesen ist, wo doch diese Fläche für das Gewerbe gar nicht zur Verfügung steht.»

Reduzierte Abstände zu Gewässern

Thomas Holenstein informierte über die neuen Gewässerraumpläne. «Beim Rhein gilt neu ein Abstand von 20 Metern ab Uferlinie, bei Bächen im Minimum 5,5 Metern ab Gewässerachse», sagte Holenstein. Die aktuell geltenden Gewässerabstände nach Planungs- und Baugesetz werden mit der Festlegung der Gewässerräume teils deutlich reduziert. Jedoch seien im Gewässerraum künftig keine privaten Bauten und Anlagen mehr zulässig. «Für bestehende Bauten und Anlagen im Gewässerraum gilt die Besitzstandsgarantie», sagte Holenstein.

Thomas Holenstein, Raumplaner.

Thomas Holenstein, Raumplaner.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Die Besucher nutzten den Austausch mit den Fachleuten intensiv und stellen diverse Fragen, die grösstenteils direkt geklärt werden können. «Nehmen Sie Einfluss, aber bitte schriftlich», so der Aufruf der Referenten. «Damit ist garantiert, dass Sie auch eine schriftliche Antwort erhalten werden.» Danach gab es für die Orientierung dickes Lob und Applaus.

Bis 10. Juli sind Rückmeldungen zu den revidierten Planungsinstrumenten schriftlich an den Gemeinderat Wagenhausen zu richten.