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Betrunkenen überfahren: Thurgauer Obergericht spricht Autofahrerin frei

Eine Autofahrerin hat im Dunkeln auf einer Landstrasse im Thurgau einen auf der Strasse liegenden Betrunkenen überfahren. Der junge Mann starb auf der Unfallstelle. Nun ist die 47-jährige Frau frei gesprochen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Dinah Hauser
Die Gedenkstätte an der Hauptstrasse beim Weiler Trüfelbach. (Bild: Reto Martin)

Die Gedenkstätte an der Hauptstrasse beim Weiler Trüfelbach. (Bild: Reto Martin)

Und plötzlich rumpelt es: Eine heute 47-jährige Frau hatte im September 2015 einen auf der Fahrbahn liegenden Mann überrollt. Der stark alkoholisierte 25-Jährige verstarb noch auf der Unfallstelle. Das Bezirksgericht Frauenfeld urteilte 2017: Die Frau hätte den dunkel bekleideten Mann in der Dämmerung nicht rechtzeitig sehen können und sprach sie frei. Nun liegt das Urteil des Obergerichts vor. Dieses bestätigt den Entscheid der Vorinstanz. Die Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Angehörigen des Verstorbenen hatten den ersten Freispruch weitergezogen.

Am Obergericht kritisierten beide den vom Bezirksgericht Frauenfeld nachgestellten Unfall. Mit dem Lieferwagen der Angeklagten fuhren die Gerichtsmitglieder im Schritttempo auf der Strasse von Unterstammheim nach Dietingen. Zwischendurch wurde angehalten; die damalige Bezirksrichterin erkannte erst zwischen 50 und 25 Meter vor der Unfallstelle den «prominent glänzenden» Kopf der Puppe – den Körper jedoch nicht.

Keine Berichtigung verlangt

Der Anwalt der Opferfamilie sagte vor Obergericht, er habe den Kopf früher gesehen: «Mindestens 50 Meter» vor der Unfallstelle. Diese Aussage ist aber im Augenscheinprotokoll nicht vermerkt. Das Obergericht sagt, er hätte einen entsprechenden Vermerk verlangen können und müssen. Zudem sei keine Protokollberichtigung verlangt worden.

Des Weiteren kritisierten die Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Angehörigen die Nicht-Verwendung der Fotos, welche die Kantonspolizei bei der Rekonstruktion des Unfalls gemacht hatte. Hierzu sagt das Obergericht, dass die Verfahrensleitung nie eine solche in Auftrag gegeben hätte; die Fotos also aus eigenem Antrieb gemacht wurden. Der Anwalt der Opferfamilie verlangte zudem nie, dass diese Aufnahmen mit einbezogen werden sollen. Die Staatsanwaltschaft hätte die Aufnahmen beziehen können, «was sie indessen – aus welchen Gründen auch immer – unterliess».

Das Obergericht zog bei der Urteilsfindung einen Flyer der Kantonspolizei Thurgau bei. Dieser besage, dass Personen mit dunkler Kleidung nur 25 Meter weit sichtbar sind. Dies decke sich mit der Rekonstruktion des Unfalls. Die Angeklagte habe somit die liegende Person nicht frühzeitig erkennen können.

Übermüdung nicht in den Akten bestätigt

Der Opferanwalt mutmasste gemäss begründetem Urteil, dass die Unfallverursacherin übermüdet oder restalkoholisiert gewesen sei. Gemäss Obergericht sei dies aber durch die Akten nicht bestätigt. Zudem musste die Autofahrerin nicht mit einer auf der Strasse liegenden, schlecht erkennbaren Person rechnen, auch wenn in der Nähe ein Fest mit angeblich viel Alkohol gefeiert werde. «Es ist unüblich, dass sich eine stark betrunkene Person von einer solchen Party allein auf den Weg macht und auf einer Strasse quer zum Liegen kommt», heisst es im Urteil.

Die Angehörigen des Verstorbenen forderten Schadensersatz und Genugtuung im Wert von mehr als 100'000 Franken. Das Obergericht verweist die Privatkläger auf den Zivilweg. Weiter soll die Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft für das erstinstanzliche Verfahren mit 7'000 Franken entschädigt werden und für das Berufungsverfahren mit 2'500 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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