Bestnoten
Geschlechterhierarchie, Schoggi und Geräteturnen: Darüber haben drei junge Frauen von der Kanti Frauenfeld herausragende Maturaarbeiten verfasst

Drei Absolventinnen der Kantonsschule Frauenfeld können sich über eine Auszeichnung und ein Preisgeld von je 500 Franken freuen. Sie konnten die Jury mit ihren Maturaarbeiten überzeugen.

Manuela Olgiati
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Mit Maske und genügend Abstand verfolgen die Besucher in der Aula im Neubau die Prämierungsfeier.

Mit Maske und genügend Abstand verfolgen die Besucher in der Aula im Neubau die Prämierungsfeier.

Bild: Manuela Olgiati

Ein festlicher Rahmen trotz Corona. Darauf fokussierten die Organisatoren der Prämierungsfeier der herausragenden Maturaarbeiten vom Dienstagabend. Kantonsschülerin Melissa Hörnlimann stimmte am Klavier musikalisch ein. Pandemiebedingt aussergewöhnlich zeigte sich die Bestuhlung in der Aula des Neubaus, die Maskenpflicht und die maximale Besucherzahl von 50 Personen.

Festlich gestimmt traten die drei jungen Damen Naroa Schweizer, Sara Meister und Anja Friederich nacheinander ans Mikrofon. Letztere sagte in ihrer Rede:

«Es wäre utopisch zu glauben, dass es heute keine Geschlechterhierarchie mehr gibt.»
Naroa Schweizer, Maturandin.

Naroa Schweizer, Maturandin.

Bild: Manuela Olgiati

Frauen liessen sich noch immer unterdrücken und blieben oft passiv. Am bekanntesten zeige das Simone de Beauvoirs Studie über die Rolle der Frau in «Das andere Geschlecht» auf, erschienen 1951. Schweizer verglich die Aussagen der Feministin mit ihren Grossmüttern. Die anpassungsfähige Frau war dem gut angesehenen Mann untergeordnet. Die Frau, die nebst Mann, Kindern und Haushalt heimlich ihrem Beruf nachging und sich später scheiden liess, hatte mit stärkeren Konflikten zu kämpfen.

Maturaarbeit in Französisch

Ihre Maturaarbeit hatte Schweizer in Französisch erarbeitet. Die Prämierung ist zweisprachig, auch wegen der Zusammenarbeit mit der Partnerschule, dem Gymnase d’Yverdon.

Yverdonniers zu Gast in Frauenfeld

Die Maturaarbeit in Französisch, die Maturité bilingue, steht dieses Jahr mit der Arbeit von Naroa Schweizer in Französisch und Deutsch im Fokus. Die Zusammenarbeit mit der Partnerschule, dem Gymnase d’Yverdon, sei sehr gut, sagte Prorektor Oliver Szokody. Dass Verantwortliche vom Westschweizer Gymnasium an der Feier in Frauenfeld teilnehmen, sei mit ein Grund, weshalb Yverdon keine Prämierungsfeier durchführe. (mao)

Ein Team zu koordinieren bedeute, motiviert die weitere Entwicklung des Start-ups zu planen. Das sagte Sara Meister, CEO bei der Mü-Company. Die durch Kantischülerinnen und -schüler gegründete Firma verkauft erfolgreich klimakompensierte Schokolade. Meister sagte:

«Ich bin durch meine Maturaarbeit ‹Ein Jahr Mü-Company, wie weiter?› auf wichtige Erkenntnisse in der Geschäftsführung gestossen.»
Sara Meister, Maturandin.

Sara Meister, Maturandin.

Bild: Manuela Olgiati

In ihrer Arbeit setzte sich Meister mit den betriebswirtschaftlichen Erfahrungen auseinander. Korrekturen seien notwendig. Positionierung bedeute, die Rechtsform einer GmbH. Die Mü-Chefin bezeichnete Führung des Managements und Lohnstruktur für mehr Wertschätzung als wichtig.

«Es brauchte Mut, sensible Daten aus dem Sport zusammenzutragen», sagte Anja Friederich zu ihrer Maturarbeit. Ihre Erkenntnisse:

«Unterschiedliche Bewertungen gebe es wegen unterschiedlicher Interpretationen des Reglements durch die Wertenden.»
Anja Friederich, Maturandin.

Anja Friederich, Maturandin.

Bild: Manuela Olgiati

Sie zeigte in ihrer Arbeit Schwachstellen im Bewertungssystem des Einzelgeräteturnens auf, indem sie zum Schluss kam, dass bekannte gute Turnerinnen besser bewertet werden. Erstturnende hingegen erhielten an einem Wettkampf eine strengere Bewertung. Bekannt sei auch, dass erfahrene Wertende strenger bewerten als weniger erfahrene Wertende.

Selbstkritische Überprüfung der inneren Haltung

Mit überfachlichen Kompetenzen entstehen Einsichten, mehr über den Umgang mit Feedback zu erfahren und die innere Haltung selbstkritisch zu überprüfen. Das hielt Chantal Roth in ihrer Rede über das Entwicklungspotenzial der jungen Schülerinnen und Schüler fest. Die Rektorin der Kantonsschule Frauenfeld sagte:

«Wir freuen uns, drei tolle Arbeiten zu prämieren.»
Chantal Roth, Rektorin Kantonsschule Frauenfeld.

Chantal Roth, Rektorin Kantonsschule Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Die Matura sei eine Vorbereitung auf ein weiterführendes Studium auf Tertiärstufe, ein Weg, um gesellschaftliche Themen voranzubringen. Und Prorektor Oliver Szokody sagte: «Insgesamt 14 Maturaarbeiten hat die Jury beurteilt und bewertet.» Schliesslich wählte die Jury die Arbeiten von Naroa Schweizer, Sara Meister und Anja Friedrich aus, die allesamt die Bestnote 6 holten. In kleinem, aber feinem Rahmen überreichte Martin Witzig von der Stiftung Jugendförderung Thurgau die Auszeichnungen sowie die Preise von je 500 Franken.

Von den ausgezeichneten Maturaarbeiten sprach auch Jurymitglied Bettina Hedinger in ihrer Laudatio. Sie erwähnte den nahen Praxisbezug der einzelnen Arbeiten, welche die drei Maturandinnen präsentieren.

Anja Friederich, Sara Meister und Naroa Schweizer.

Anja Friederich, Sara Meister und Naroa Schweizer.

Bild: Manuela Olgiati