Bester Startplatz für «Best Agers»

Die Lernende Kauffrau auf der Thurgauer Kantonsverwaltung hat am Mittwoch per Los die Reihenfolge der Nationalratslisten bestimmt. Von der tiefen Listennummer profitiert die BDP.

Silvan Meile
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Nadine Kaiser, Lernende im ersten Lehrjahr, zieht die eingegangenen Listen aus dem Topf und bestimmt so die einzelnen Listennummern. (Bild: Donato Caspari)

Nadine Kaiser, Lernende im ersten Lehrjahr, zieht die eingegangenen Listen aus dem Topf und bestimmt so die einzelnen Listennummern. (Bild: Donato Caspari)

Nadine Kaiser wühlt im Topf mit den billardgrossen Kugeln. Die Lernende im ersten Lehrjahr auf der kantonalen Verwaltung in Frauenfeld ist heute Glücksfee. Ihre Hand umklammert eine der Kugeln und übergibt sie an Marius Kobi.

Wie bei der Gruppenauslosung einer Fussball-Weltmeisterschaft hält dieser den kleinen Zettel, der sich in der Kugel verbarg, dem Publikum entgegen. «SP und Gewerkschaften.» Der Leiter des Rechtsdiensts der Thurgauer Staatskanzlei spricht laut aus, was auf dem Papier steht.

Für die SP hat sich das Blatt gewendet

Rund zwanzig Zuschauer sind am Mittwochvormittag nach Frauenfeld zur Vergabe der Listennummern für die bevorstehenden Nationalratswahlen gereist. Es sind hauptsächlich Vertreter von Parteien auszumachen. SVP-Präsident Ruedi Zbinden, Jost Rüegg, Kantonsrat der Grünen, SP-Parteisekretär Julian Fitze oder EVP-Präsident Wolfgang Ackerknecht lassen sich dieses Spektakel, das wie die Olympischen Spiele nur alle vier Jahre ausgetragen wird, nicht entgehen.

Auch die parteilose Politkünstlerin und Ständeratskandidatin Gaby Coray ist im Publikum. Sie schaut Glücksfee Nadine Kaiser bei der Ziehung über die Schultern und vergewissert sich, dass hier alles mit rechten Dingen zu und her geht. Dafür besorgt ist auch Ricarda Zurbuchen. Die Stellvertreterin des Staatsschreibers begleitet die Veranstaltung und überwacht auch die Buchhaltung von Rechtsdienstmitarbeiter Patrick Odermatt, der die gezogenen Kandidatenlisten auf die vorbereitete Flipchart schreibt.

Keine Kugel für die Grünliberalen

Am Montag sind für die Nationalratswahlen im Herbst 17 verschiedene Parteilisten beim Kanton eingegangen. Das war der erste Tag überhaupt, an dem offiziell Kandidaturen eingereicht werden konnten. Nun muss das Los beziehungsweise Glücksfee Nadine Kaiser darüber entscheiden, in welcher Reihenfolge die Listen den Stimmbürgern verschickt werden. So will es Paragraf 17 der Verordnung zum kantonalen Gesetz über das Stimm- und Wahlrecht, klärt Rechtsdienstleiter Kobi auf.

Der Anlass ist öffentlich und deshalb stehen fürs Publikum sechs Sitzreihen Stühle mit idealer Sicht auf die Ziehung bereit. Keine Kugeln gibt es für die Grünliberalen. Weil sie ihre Kandidaturen erst am Dienstag einreichten, gehen sie definitiv erst ab Listennummer 18 ins Rennen um die sechs Thurgauer Nationalratssitze. Werden von Parteien oder Gruppierungen noch weitere Listen eingereicht, was bis 19. August möglich ist, reihen diese sich sortiert nach Eingang hinter die GLP ein.

Freude bei den Best Agers

Die SP hat diesmal Pech. Weil sie als erste Partei aus dem Topf gezogen werden, belegen die Sozialdemokraten den Listenplatz 17. Erst die Partei in der zuletzt gezogenen Kugel darf sich auf dem Listenplatz 1 sonnen. Genau dort befanden sich die Sozialdemokraten noch vor vier Jahren.

Für die Wahlen in diesem Herbst stehen die «BDP Best Agers» mit Listenplatz 1 auf dem besten Startplatz, was sowohl bei Roland A. Huber wie auch bei Jürg Schumacher im Publikum für gute Laune sorgt. Sie sind nicht nur BDP-Mitglieder, beide sind offenbar auch in ihren besten Jahren und somit auf dieser «Best-Ager-Liste» als Kandidaten aufgeführt. Listenplatz 2 geht an die Junge SVP vor der EDU (3), FDP (4) und der SVP (5). Nach einer Viertelstunde ist die Ziehung für Nadine Kaiser vorbei und somit die Aufgabe als Glücksfee erledigt.

Die Ersten sind die Letzten

In der Kantonsverwaltung wird viel Kaugummi gekaut. Mindestens 1120 mussten es bisher gewesen sein. Denn so viele Kaugummis beinhalteten die 16 runden Stimorol-Kaugummi-Behälter einst, bevor sie gestern bei der Ziehung der Listennummer für die Nationalratswahlen als Loskugeln dienten.
Michèle Vaterlaus