Berufswahl ist coronaresistent - 96,1 Prozent aller Thurgauer Schulabgänger haben eine Anschlusslösung

Das Brückenangebot verzeichnet rekordhohe Anmeldezahlen. Aber mittlerweile haben sich auch wieder 40 Jugendliche wieder abgemeldet, weile sie beispielsweise eine Lehrstelle gefunden haben.

Sebastian Keller
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Im Foyer der Berufs- und Studienberatung in Frauenfeld: Annette Schwarz, Leiterin Schulische Bildung, Stefan Curiger, Leiter Betriebliche Bildung und Berufsinspektor, und Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung.

Im Foyer der Berufs- und Studienberatung in Frauenfeld: Annette Schwarz, Leiterin Schulische Bildung, Stefan Curiger, Leiter Betriebliche Bildung und Berufsinspektor, und Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung.

Bild: Reto Martin

Bringt das Coronavirus auch den Berufswahlprozess zum Erliegen? Blickt man auf aktuelle Zahlen, lautet die Antwort: Marginal. 2462 Thurgauer Schulabgänger haben eine Anschlusslösung in der Tasche. Das entspricht einer Quote von 96,1 Prozent. «Wir haben seit Jahren eine stabile Situation, selbst in diesem Jahr trotz Corona», sagt Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung (ABB), an einer Pressekonferenz.

Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung.

Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung.

Bild: Reto Martin

Doch ganz verschont Corona den Berufswahlprozess nicht. So war es während einer gewissen Zeit – der Hochphase des Lockdown – weder in der Gastronomie noch bei Coiffeuren möglich, zu schnuppern. Auch darauf führen die ABB-Verantwortlichen den Anstieg bei den Anmeldungen für das Brückenangebot zurück: 320 Schulabgänger meldeten sich für dieses Zwischenjahr an. Das entspricht einem Anstieg um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

«Um sicher eine Anschlusslösung zu haben, meldeten sich Jugendliche für das Brückenangebot an», erklärt Annette Schwarz, Leiterin Schulische Bildung. «Doch wir haben auch schon wieder über 40 Abmeldungen.» Diese Zahl dürfte weiter zunehmen. Und doch: Am Standort Romanshorn wird eine zusätzliche Klasse geführt.

Bewerbungen sind weiterhin möglich

Marcel Volkart appelliert an die Jugendlichen, sich weiterhin für Lehrstellen zu bewerben. «Man kann noch bis zu den Herbstferien in eine Lehre eintreten.» Offene Lehrstellen sind alles andere als Mangelware: Am Freitag waren zwischen Bodensee und Hörnli noch über 570 Lehrstellen nicht besetzt – für diesen Sommer. Vor einem Jahr waren es 470.

Stefan Curiger, Leiter Berufliche Bildung, nennt Berufe, in denen es noch um die 60 offenen Stellen gibt: Detailhandel und Landwirtschaft. «Gesundheit und Soziales hat es leider keine offenen Stellen mehr», sagt er. Der Beruf Fachfrau Gesundheit hat sich zum am zweitmeisten gewählten Beruf entwickelt.

Allein für diesen Sommer wurden 193 Lehrverträge unterzeichnet. «Es sind auch viele mit verkürzter Ausbildungszeit», sagt Curiger. In Genuss dieses Modells kommt, wer bereits eine Lehre absolviert hat. Der beliebteste Beruf ist nach wie vor das KV, 237 Schulabgänger entschieden sich für den Bürostuhl.

Logistiker auf dem Vormarsch

Auf dem Vormarsch ist auch der Logistiker mit 65 Lehrverträgen. «Wohl auch wegen des boomenden Onlineshoppings», sagt Curiger. Wer im Thurgau diesen Beruf erlernt, besucht in Rorschach die Berufsschule. Noch. Der Kanton hat angekündigt, angehende Logistiker künftig in Arbon zu beschulen. Insgesamt beginnen 1803 Jugendliche nach den letzten langen Sommerferien eine Lehre. Das entspricht 70,4 Prozent der Schulabgänger.

Nach wie vor tief sind die Anmeldezahlen für das niederschwellige Ausbildungsangebot. Drei sind es bis jetzt. Annette Schwarz rechnet mit zwei weiteren. Das kantonale Bildungsprogramm richtet sich an schulschwache Jugendliche. Einen Tag besuchen sie die Berufsschule in Kreuzlingen, vier Tage arbeiten sie im Betrieb – zum Beispiel als Maler.

Das vor zwei Jahre eingeführte Programm – im Auftrag des Grossen Rates – kann Erfolge vorweisen. Heuer schliessen die ersten Lernenden die Ausbildung ab. Zwei starten danach eine Ausbildung mit Attest; weitere zwei haben schon früher eine Lehre (EFZ) in Angriff genommen. «Für jeden, der beruflich Tritt fasst, hat es sich gelohnt», sagt ABB-Chef Marcel Volkart.

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