1.August
Bernold und die Frauenfelderinnen: Thema des Frauenrütli in der Rüegerholzhalle ist «50 Jahre Frauenstimmrecht»

Bundesfeier einmal anders: Gemeinderatspräsident Claudio Bernold führte am Vorabend des Nationalfeiertags an der offiziellen Feier der Stadt Frauenfeld durch ein kurzweiliges Gespräch mit drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen.

Mathias Frei
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Gemeinderatspräsident Claudio Bernold mit Vizestadtpräsidentin Elsbeth Aepli Stettler und den Teilnehmerinnen des Frauenrütli, Brigitte Bohner, Vidhuscha Sounderajan und Nathalie Kolb Beck.

Gemeinderatspräsident Claudio Bernold mit Vizestadtpräsidentin Elsbeth Aepli Stettler und den Teilnehmerinnen des Frauenrütli, Brigitte Bohner, Vidhuscha Sounderajan und Nathalie Kolb Beck.

Bild: Reto Martin

Traditionen sind da, um sie zu brechen. Für einmal gibt es keine Festrede des Frauenfelder Gemeinderatspräsidiums. Vielmehr teilt der aktuelle höchste Frauenfelder Claudio Bernold die Bühne an der städtischen Bundesfeier mit drei Frauenfelderinnen aus unterschiedlichen Generationen. Anlass dafür ist das Jubiläum zu 50 Jahren Schweizer Frauenstimmrecht. FDP-Gemeinderat Bernold meint halbernst:

«Als Mann bin ich nicht prädestiniert, über das Frauenstimmrecht zu sprechen.»

Deshalb hat er für eine Gesprächsrunde die Kantischülerin Vidhuscha Sounderajan, die heuer 17 Jahre alt wird, ehemalige Co-Präsidentin des Frauenfelder Kinderrats ist und heute im Jugendrat, die Historikerin Nathalie Kolb Beck (48), die das Thurgauer Frauenarchiv leitet, sowie Brigitte Bohner, 66, pensionierte Ärztin und alt CH-Gemeinderätin, eingeladen.

In der Festhalle Rüegerholz.

In der Festhalle Rüegerholz.

Bild: Reto Martin

Rund 200 Erwachsene und Kinder haben am Vorabend des Nationalfeiertags den Weg in die Rüegerholzhalle gefunden. Hinter der Festorganisation steht das städtische Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung sowie der EHC Frauenfeld. Bei den Grilladen stehen die Leute Schlange, auf der Bühne sorgt ein Duo für Stimmung. Der Funken auf der Wiese steht bereit – unweit davon entfernt Feuerwehrleute.

1291 mit Frauen? Dann wäre es ein Matriarchat gewesen

Was wäre wenn? Wenn 1291 drei Frau auf dem Rütli geschwört hätten, fragt Bernold. «Dann wäre es ein Matriarchat gewesen und vieles anders», meint Kolb Beck. Bohner indes ist sich nicht sicher, ob es anders gewesen wäre. «Wären einfach Frauen an der Macht gewesen.» Die heutige Gesellschaft sei vielfältiger denn je. Bohners Hoffnung ist, «dass wir alle Verständnis zeigen für unsere Mitmenschen», unabhängig von biologischem oder sozialem Geschlecht.

Kinder auf der Wiese vor der Festhalle Rüegerholz.

Kinder auf der Wiese vor der Festhalle Rüegerholz.

Bild: Reto Martin

Für Kantischülerin Sounderajan ist es eine Selbstverständlichkeit, kommendes Jahr, wenn sie volljährig ist, mitzubestimmen, abzustimmen und zu wählen. Trotzdem: «Es gibt noch viel zu tun.» Kolb Beck sagt, ihr hätten in ihrer Jugend die weiblichen Vorbilder gefehlt.

«In der Sek hatten wir eine Lehrerin. Das war in den Achtzigerjahren. Anfangs wurde sie noch mit Fräulein betitelt.»

Eine Generation früher bei Medizinerin Bohner war es nicht besser. Als sie mit einem jungen Assistenzarzt, den sie ausbildete, auf Visite war, liess ein Patient sie links liegen und begrüsste den jungen Mann: «Grüezi, Herr Tokter.» Oder es habe geheissen, im Ausgang dürfe man kein Röckli tragen, das kürzer als kniehoch sei. Stichwort Ausgang bei der 16-jährigen Sounderajan? «Meine Eltern vertrauen mir, es gibt für mich nicht andere Regeln als für meine Brüder.» Als Frau sei man aber aufmerksamer.

Heute müssen Frauen stets Instagram-tauglich sein

Auf Bernolds Frage, ob die jungen Frauen von heute selbstbewusster seien, bejaht Sounderajan und verweist auf die Sozialen Medien, die allgegenwärtig seien. Man poste regelmässig eigene Bilde in sozialen Netzwerken.

«Heute ist es ganz selbstverständlich, sich etwas zu getrauen.»
Rund 200 Besucherinnen und Besucher an der Bundesfeier.

Rund 200 Besucherinnen und Besucher an der Bundesfeier.

Bild: Reto Martin

Das sagt Historikerin Kolb Beck. Diese Selbstdarstellung sei aber auch einer Herausforderung. «Man muss immer Instagram-tauglich sein. Da waren wir früher noch unbedarfter.» Zum traditionellen Rollenverständnis sagt Bohner, dass dafür das eigene Rollenbild im Kopf verantwortlich sei. Männer seien weiterhin nicht mehrheitlich daheim für Haushalt und Familie zuständig. «Da gibt es nach wie vor viele Knöpfe.» Trotzdem sind die Frauen auf der Bühne gerne Frau. Für Kolb Beck etwa ist die Mutterschaft ein Privileg. Sounderajan wäre nur in einem Punkt gerne mal Mann:

«Weil Frauen mehr machen müssen, damit ihnen derselbe Respekt gezollt wird wie einem Mann.»

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