Wegen Ortsplanung: Mammern ist bereit, mit dem Kanton zu streiten

Die Abstimmung über den Zonenplan und das Baureglement ist auf den 29. Mai festgelegt. Am Informationsanlass kritisierten die Stimmbürger den Zeitplan als zu kurzfristig.

Margrith Pfister-Kübler
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Besucher der Orientierungsversammlung sehen sich in der Mehrzweckhalle aufgehängte Pläne an. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Besucher der Orientierungsversammlung sehen sich in der Mehrzweckhalle aufgehängte Pläne an. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Zu einer Orientierungsversammlung über die Revision Ortsplanung Mammern lud die Politische Gemeinde Mammern am Freitagabend in die Mehrzweckhalle. Gemeindepräsident Hansjörg Lang und Markus Nägeli vom Planungsbüro Nägeli, Frauenfeld, freuten sich über den Grossaufmarsch; auch zahlreiche Auswärtige zeigten ihr Interesse.

Es wurde nochmals über die diversen Massnahmen, kantonales Vorprüfungsverfahren mit anschliessenden Einspracheverhandlungen, informiert. Mammern muss die Bauzonen um 3,4 Hektaren und das Richtplangebiet um 3,5 Hektaren reduzieren.

Auszonungen als Lösung

Der Gemeinderat hat mehrfach Verhandlungen mit dem Departement Bau und Umwelt, auch mit Regierungsrätin Carmen Haag, geführt, mit dem Ergebnis: Die Seeuferwohnzonen wurden in der Raumnutzungsberechnung nicht mehr angerechnet. Dadurch reduzierte sich der Auszonungsbedarf an Misch- und Zentrumszonen (WMZ) von 3,4 auf neu 2,7 Hektaren. Als WMZ gelten Wohnzonen, Wohn- und Gewerbezonen und Dorfzonen.

Das von Mammern gewählte Vorgehen sieht so aus: Umzonung WMZ in Nicht-WMZ, also Wohnzonen und Dorfzonen in Zonen öffentliche Bauten und Anlagen und Wohnzonen und Dorfzonen in Spitalzonen. Ausserdem: Umzonung WMZ in Landwirtschaftszonen – sogenannte Auszonungen. Bei der Umzonung von WMZ in Landwirtschaftszonen wird eine «Opfersymmetrie» angestrebt. Planer Markus Nägeli sagte:

«Opfersymmetrie ist für niemanden erfreulich, aber wir müssen es halt durchziehen.»

Eigentlich hätten Baureglement, Zonenplan, und Richtplan der Gemeinde bis Ende 2018 abgeschlossen sein müssen. Doch Nägeli tröstete: «Ich kenne keine Thurgauer Gemeinde, welche die Frist eingehalten hat. Mammern ist also nicht allein.»

Umwandlung von Zweit- in Erstwohnsitze

Zur Umzonung Dorf- und Wohn- und Gewerbezonen in öffentliche Zonen, soweit diese auch zu öffentlichen Zwecken genutzt werden, gehören Parzellen mit dem Kulturpavillon, Werkhof, Feuerwehr, Bootslagerplatz, Entsorgungsplatz, Liegewiese Badi, Badi. Total sind das 0,86 Hektaren. «Öffentliche Zone für die Parzelle Kulturpavillon, Bootslagerplatz und Entsorgungsplatz, daran hat der Kanton keine Freude gehabt», sagte Gemeindepräsident Hansjörg Lang.

Lösungen für Teilstück-Auszonungen in der Seeufer-Wohnzone wurden präsentiert. Gemeindepräsident Lang sagt:

«Die Forderungen des Kantons können nicht vollumfänglich eingehalten werden. Wir hoffen, dass dies vom Kanton akzeptiert wird, sonst müssen wir mit ihm streiten.»

Der Gemeindepräsident ist bereit, bis vors Verwaltungsgericht zu gehen. Wichtig ist Lang auch, dass Zweitwohnungssitze in Erstwohnungssitze umgewandelt werden. Rege genutzt wurde die anschliessende Diskussion. Mehrfach kritisiert wurde die Auflage-Zeitspanne bis zum 20. Januar: «Viel zu kurz», «so können wir nichts sauber abklären und wir werden zu Einsprachen gezwungen», «viel zu wenig Zeit für eine solch komplexe Sache.»

Auch der frühere Gemeindepräsident Emil Meier sagte: «Das ist alles wahnsinnig kurzfristig. Als Ausweg schlage ich die Bildung einer Kommission vor, die später mit dem neuen Gemeinderat zusammenarbeitet.» Lang zeigte Verständnis für den Unmut, begründete jedoch den engen Zeitplan mit dem Ziel, der neuen Behörde alles «erledigt» zu übergeben. «Der Zeitplan bleibt», sagte Lang.

MAMMERN: «Das belastet den Gemeinderat»

Im Rahmen des neuen kantonalen Richtplans muss die Gemeinde 2,7 Hektaren Bauland auszonen. Der Gemeinderat hat über das geplante Vorgehen orientiert. Er will die Sache schnell hinter sich bringen.
Rahel Haag

RAUMPLANUNG: Wachsen ohne neues Bauland

Der Kanton überweist den überarbeiteten Richtplan an den Grossen Rat. Kritik aus den Gemeinden wurde aufgenommen. Zur Windenergie wird ein separates politisches Geschäft vorbereitet.
Silvan Meile

Eigner von Bauland werden bluten

Mammern hat zu viel Bauland. Nun muss die Gemeinde zurückbuchstabieren. Wie das abläuft, sagt Marco Sacchetti, Generalsekretär im Thurgauer Departement für Bau und Umwelt. Manche Landbesitzer könnte es hart treffen.
Gudrun Enders