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Thurgauer Spionin mit dem Handbeil enthauptet: Die traurige Geschichte von Benita von Falkenhayn

Sie stammt aus einem Thurgauer Adelsgeschlecht und ihr Leben drehte sich um Liebe, Verrat und Adolf Hitler: Benita von Falkenhayn.
Michael van Orsouw
Drei Spione an einem Tisch: Benita von Falckenhayn, Günther Rudloff und der «polnische James Bond» Jerzy Sosnowski. (Bild: Getty)

Drei Spione an einem Tisch: Benita von Falckenhayn, Günther Rudloff und der «polnische James Bond» Jerzy Sosnowski. (Bild: Getty)

Benita von Zollikofer-Altenklingen entstammt dem Thurgauer Adelsgeschlecht vom heute noch bestehenden Schloss Altenklingen in Wigoltingen. Sie, die eigentlich Benita Ursula Wilhelmine Kathi Florin heisst, gehört zum deutschen Seitenast der Schweizer Adeligen und wächst in Berlin auf.

Während des Ersten Weltkriegs arbeitet sie als Rotkreuz-Helferin. Doch die junge Adelige ist von der Liebe geradezu besessen. Um dem Zugriff ihrer Mutter zu entkommen, die eine standesgemässe Heirat für ihre Tochter wünscht, heiratet Benita schon im Alter von 20 Jahren einen deutschen Oberstleutnant ausser Dienst – doch die Ehe hält gerade mal zwei Jahre.

Der Nächste, den sie ehelicht, ist von der Herkunft her besser, nämlich ein Adeliger, Richard von Falkenhayn.

Benita war ein richtiges Berliner Partygirl

Diese Ehe hält sieben Jahre. 1932 heiratet sie nochmals, jetzt den blaublütigen Flugzeugingenieur Josef Baron von Berg, der bei Siemens arbeitet und russischer Kriegsflieger gewesen war, bevor er nach Deutschland kam und sich einbürgern liess.

Die lebenslustige Benita von Berg ist Ende der 20er-Jahre ein richtiges Berliner Partygirl. Sie verliebt sich in den äusserst charmanten und grosszügigen Georg von Sosnowski, den Ritter von Nalecz. Zunächst weiss sie nicht, dass ihr Geliebter ein polnischer Nachrichtenoffizier ist, der in Berlin deutsche Geheiminformationen beschaffen soll.

In Wahrheit heisst er Jerzy Sosnowski. Er sieht so attraktiv aus, mit seinen hellen Augen unter den dunklen Haaren, er charmiert, flirtet, dass er auch bei anderen adeligen Frauen sehr gut ankommt.

Polnischer Bond zahlt mit Geld und Liebe

Später wird er als polnischer James Bond bezeichnet. Er treibt sich in Edelcafés, Tanzlokalen, Spielcasinos und auf Pferderennbahnen herum. Auch die ahnungslose Benita lässt sich von ihm verehren, beschenken und umgarnen, sodass sie mit ihren adeligen Freundinnen Irene von Jena (Tochter eines Generals) und Renate von Natzmer (verwandt mit Reichspräsident Hindenburg) aufschlussreiche Dokumente aus dem Reichsministerium, wo sie arbeiten, über deutsche Aufmarschpläne beschafft und die Kopien gegen gutes Geld Jerzy übergibt. Der polnische Bond zahlt mit (viel) Geld und (wenig) Liebe.

Doch die deutsche Abwehr schläft nicht. Die drei Spioninnen und ihr polnischer Verbindungsmann fliegen auf – weil eine weitere Gespielin des Polen eifersüchtig ist, als Doppelagentin wirkt und ihn verpetzt.

Erfolgloses Gnadengesuch

Die Spioninnen werden 1934 verhaftet und des Hochverrats angeklagt. Benita von Berg und Renate von Natzmer werden zum Tode verurteilt. Benitas dritter Ehemann lässt daraufhin die Ehe für nichtig erklären, um seine Haut zu retten. Im Thurgau laufen die Drähte heiss: Der Familienrat der von Zollikofer versucht es in Berlin mit einem Gnadengesuch – ohne Erfolg. Hitler lehnt alle Gesuche des Adels ab.

Am 18. Februar 1935 muss Benita, die sich nach annullierter Ehe wieder von Falkenhayn nennt, im Gefängnis Berlin-Plötzensee ein langes, graues Kleid anziehen und wird in den Innenhof geführt; der Scharfrichter Carl Gröpler kommt und schlägt ihr mit dem Handbeil den Kopf ab. Nach der Exekution verfügt Hitler, alle zukünftigen Exekutionen mit der Guillotine zu vollstrecken. Auf allen Plakatsäulen Berlins ist von der Vollstreckung der Todesurteile zu lesen.

Der tiefe Fall der Aristokratin mit Schweizer Wurzeln wird im Roman «Rittmeister Sosnowski» detailreich ausgebreitet und später in Polen verfilmt – in der Schweiz ist die Geschichte wenig bekannt. Dabei ist das Leben der Benita von Falkenhayn, geborene von Zollikofer-Altenklingen, schauriger und trauriger als jeder Film.

Hinweis
Dieser Text des Historikers und Autors Michael van Orsouw
erschien zuerst bei TA-Media.

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