Neuer Chef beim Thurgauer Veterinäramt geht bereits wieder – Mitarbeiter reichten beim Regierungsrat eine Beschwerde wegen des schlechten Arbeitsklimas ein

Das Thurgauer Veterinäramt kommt nicht zur Ruhe. Der neue Amtsleiter Thomas Fuchs räumt seinen Posten, nachdem er ihn erst im Herbst angetreten hatte. Zuvor kündigten vier Mitarbeiter aufgrund des schlechten Arbeitsklimas. Auch von extern gibt es Kritik.

Silvan Meile
Merken
Drucken
Teilen
Seit dem Tierschutzfall Hefenhofen steht das Veterinäramt Thurgau in einem besonderen Fokus.

Seit dem Tierschutzfall Hefenhofen steht das Veterinäramt Thurgau in einem besonderen Fokus.

Bild: Manuel Nagel

Im Thurgauer Veterinäramt ist der Wurm drin. Der neue Kantonstierarzt hätte eine Reorganisation in die Wege leiten sollen. Das seit dem Fall Hefenhofen angeschlagene Amt soll dafür auch personell aufgestockt werden. Doch das Gegenteil traf ein. Die Personaldecke wurde nicht dicker, sondern immer dünner. Von den 13 Mitarbeitern im Amt haben bereits vier die Kündigung eingereicht. Dem Vernehmen nach soll der neue Kantonstierarzt der Hauptgrund für die Abgänge gewesen sein. Der Umgangston sei ruppig geworden, das Arbeitsklima schlecht.

Kantonstierarzt Thomas Fuchs.

Kantonstierarzt Thomas Fuchs.

Bild: PH

Nun tritt auch der Amtschef ab. «Angesichts dieser sehr belastenden Situation hat sich Thomas Fuchs entschieden, das Veterinäramt per 30. Juni 2020 wieder zu verlassen», schreibt der Kanton am Mittwoch in einer Medienmitteilung. Am 1. November des vergangenen Jahres übernahm er die Amtsleitung. Der Innerschweizer Thomas Fuchs löste damals Paul Witzig als Amtschef ab. Zwar war vorgesehen, dass Witzig Fuchs noch unterstützt. Schon nach wenigen Wochen hatte es für ihn aber keinen Platz mehr.

Einen externen Berater zur Seite gestellt

Gemäss gut unterrichteter Quellen hat die grosse Mehrheit aller Mitarbeiter im Amt bereits vor Wochen Hilferufe ausgesendet. Zuerst forderten sie eine Aussprache mit ihrem Amtschef und dem Personalamt. Später beschwerten sie sich mit einem Brief beim zuständigen Regierungsrat Walter Schönholzer (FDP) über den Führungsstil des neuen Chefs. Schönholzer sagt:

«Das Arbeitsklima aber auch die Verunsicherung rund um die anstehende Amtsreorganisation wurden dabei thematisiert.»

«Daraufhin habe ich eine Delegation der Mitarbeiter persönlich empfangen und ihre Anliegen angehört.» Auch deshalb habe er schliesslich das Veterinäramt und insbesondere den Reorganisationsprozess durch einen externen Berater begleiten lassen.
Aus dem Umfeld des Veterinäramts ist zu hören, dass dies zu spät kam. Schönholzer habe zu lange gezögert und den neuen Amtschef unterstützt. Schönholzer sagt:

FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer

FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer

Bild: Reto Martin
«Rückblickend muss ich einräumen, dass ich den Veränderungsprozess wohl früher und enger hätte begleiten müssen.»

«Eines Amtes nicht würdig»

Dass im Thurgauer Veterinäramt neuerdings andere Saiten aufgezogen wurden, hallte auch schon über die kantonale Verwaltung hinaus. Der Kreuzlinger Anwalt Urban Friedrich war irritiert vom «ruppigen und überheblichen Umgangston und den polemischen Ausführungen des neuen Amtstierarztes», als er als Rechtsvertreter eines Hundehalters in einem Verfahren einen Schriftwechsel mit ihm führte.

Die Vorgehensweisen seien unverhältnismässig und die Stellungnahmen des neuen Amtschefs «herabwürdigend, persönlich verletzend und eines Amtes nicht würdig». Seit 33 Jahren arbeite er nun im Thurgau als selbstständiger Anwalt, sagt Friedrich.

«Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.»

Auf politischer Ebene ging bereits Mitte Februar ein Vorstoss mit Fragen zur Führung und der Kommunikation im Veterinäramt ein. Kantonsrat Peter Dransfeld (Grüne, Ermatingen) suggerierte darin bereits eine Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern. Unter anderem fragt er: «Hat es im Arbeitsklima des Amtes seit November 2019 Entwicklungen gegeben, die aufhorchen lassen müssen?» Die Beantwortung aus dem Regierungsgebäude steht noch immer aus. Dransfeld sagt heute, dass er die Passivität des Regierungsrates beschämend finde.

Peter Dransfeld, Kantonsrat der Grünen.

Peter Dransfeld, Kantonsrat der Grünen.

Bild: Reto Martin
«Er stützte offenbar lieber eine gänzlich ungeeignete Amtsleitung, als die Anliegen der Steuerzahler und der Tierhalter, der Mitarbeiter und ihrer Familien ernst zu nehmen.»

Dies umso mehr, als es von Mitarbeiter und aus der Politik deutliche Warnsignale gegeben habe.

Das Amt für Veterinäramt sollte derzeit personell aufgestockt werden, wie es in der Aufarbeitung des Falls Hefenhofen angemerkt wurde. In der Botschaft des Budgets 2020 forderte die Thurgauer Regierung deshalb auch mehr Leute fürs Amt. Dort heisst es: «Das gewichtigste Problem besteht in der notorisch personellen Unterbesetzung des Veterinäramts.» Das sah auch eine deutliche Mehrheit des Grossen Rates so und bewilligte dem Amt mit dem Staatsbudget 420 zusätzliche Stellenprozente. Mehr sollen in den nächsten Jahren folgen.

Nun gilt es aber wohl vorerst, die Abgänge zu kompensieren. «Wir werden nun rasch eine Übergangslösung für die Amtsleitung erarbeiten», sagt Regierungsrat Schönholzer. «Ich sehe diese herausfordernde Situation auch als Chance, um die Neuorganisation im Veterinäramt konsequent umzusetzen, Abläufe und Prozesse zu optimieren und das Amt in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.»

Kantonstierarzt Thomas Fuchs war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.