Beim Podium der Sirnacher Interpartei: Trotz kritischer Worte erhält Wil West viel Zuspruch

Ein Podium der Sirnacher Interpartei befasste sich mit den Auswirkungen von Wil West auf die Region und die Gemeinden. Während der Grossteil der Teilnehmer die Vorzüge des Grossprojekts erläuterte, äusserte einer kritische Ansichten.

Roman Scherrer
Drucken
Teilen
Der neu gewählte Grünen-Nationalrat Kurt Egger lieferte einen kritischen Blick auf das Grossprojekt Wil West. (Bilder: Roman Scherrer)

Der neu gewählte Grünen-Nationalrat Kurt Egger lieferte einen kritischen Blick auf das Grossprojekt Wil West. (Bilder: Roman Scherrer)

Kaum einmal zuvor gab es eine Veranstaltung, welche Wil West vor so grossem Publikum thematisierte. Mit der Podiumsdiskussion über den Entwicklungsschwerpunkt sorgte die Sirnacher Interpartei am Donnerstagabend für einen gutgefüllten Dreitannensaal. Wohl auch, weil es ihr gelungen ist, eine illustre Teilnehmerrunde zu organisieren.

So referierten Regio-Wil-Präsident Guido Grütter, Sirnachs Gemeindepräsident Kurt Baumann, der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer, der Generalsekretär des Departements für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau Marco Sacchetti sowie der Grünen- Kantonsrat und neu gewählte Nationalrat Kurt Egger.

Bund hat 37 Millionen Franken zugesagt

Guido Grütter erläuterte unter anderem den Projektstand. «Bis 2021 wird geplant», sagte er. Nach dem Bewilligungsverfahren gehe es dann 2023 an die Realisierung der ersten Massnahmen, wie der Verlegung des Wilerbähnlis. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms der dritten Generation unterstützt der Bund das Gesamtvorhaben mit 37 Millionen Franken.

Guido GrütterPräsident Regio Wil

Guido Grütter
Präsident Regio Wil

Kurt BaumannGemeindepräsident Sirnach

Kurt Baumann
Gemeindepräsident Sirnach

Kurt Baumann zeigte auf, welche Vorteile Wil West der Gemeinde Sirnach bringen soll. Nebst neuen «Arbeitsplätzen vor der Haustür» nannte er die neuen Gewerbeansiedlungen in Gloten, welche in der Gemeinde nur noch beschränkt möglich sind, wie der Zonenplan zeigt. Und:

«Die Dörfer Sirnach und Münchwilen erhalten durch den neuen Autobahnanschluss eine Verkehrsentlastung.»

Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer sieht in Wil West die Chance, den Slogan der Thurgauer Kampagne «Leben statt Pendeln» umzusetzen. «Wir wollen unsere Studierenden wieder zurückerhalten», sagt er und setzt deshalb auf «hochwertige, attraktive Arbeitsplätze».

Walter SchönholzerRegierungsrat

Walter Schönholzer
Regierungsrat

Thurgau hat bei der Planung die Fäden in der Hand

Marco Sacchetti zeigte auf, dass es bis zur Realisierung von Wil West einige verfahrenstechnische und politische Hürden zu nehmen gilt. In der Planung hat der Kanton Thurgau die Fäden in der Hand, da sich das künftige Gewerbegebiet in einer sogenannten kantonalen Nutzugszone befindet. «Das ist eine Mischung zwischen Zonen- und Gestaltungsplan», erklärte Sacchetti.

Marco SacchettiGeneralsekretär DBU Kanton Thurgau

Marco Sacchetti
Generalsekretär DBU
Kanton Thurgau

Kurt Egger lieferte einen kritischen Blick auf das Grossprojekt, obwohl er sich «grundsätzlich dafür» ausspricht. Die Gruppe «Kritisches Wil West», der auch Egger angehört, sei der Meinung, das Projekt sei eine Nummer zu gross. Zudem bekundete der Grünen-Kantons- und Nationalrat ökologische Bedenken. So sagte er:

«Vom geäusserten Ziel, als Ausgleich für Wil West im Gebiet der Regio Wil weniger Gewerbe-Einzonungen vorzunehmen, spüre ich nichts.»

In der offenen Diskussion war aus dem Publikum nur vereinzelt Kritik zu hören. Vielmehr ernteten die Wil-West-Befürworter nach ihren Schlussworten viel Zuspruch in Form von Applaus. «Dieses Projekt verschafft der Region einen klaren Standortvorteil», sagte Walter Schönholzer. Guido Grütter appellierte:

«Es geht hier um etwas, das diese tolle Region verdient hat. Haben sie den Mut, mitzugehen und kritisch zu sein.»

Kurt Egger fasste sich kurz: «Wenn meine Anliegen Gehör finden, habe ich mein Ziel erreicht.»