Beim Münchwiler Pfarrei-Jassturnier zählt der Match 157 Punkte

Die Organisatoren des traditionellen Münchwiler Pfarrei-Jassturniers können auf treue Teilnehmer zählen. Eine Teilnehmerin hat gar keine der 43 Ausgaben verpasst.

Christoph Heer
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Turnierleiter Johann Fritsche (stehend) sieht zu, dass alles mir fairen Dingen abläuft. Statt gemogelt, wird aber eher gelacht.

Turnierleiter Johann Fritsche (stehend) sieht zu, dass alles mir fairen Dingen abläuft. Statt gemogelt, wird aber eher gelacht.

(Bilder: Christoph Heer)

Jassen, ein nach wie vor äusserst kostbares Kulturgut. Zwar gehört der Volkssport Nummer eins bei den Jugendlichen nicht mehr zu den wichtigsten und beliebtesten Hobbys. Nichtsdestotrotz, das feine Kartenspiel hat absolut nichts von seinem Charme verloren. Das beweisen immer wieder die Jassturniere in der Region, eines davon ist das beliebte Turnier im katholischen Pfarreisaal Münchwilen.

Zwar sind es an dieser 43. Ausgabe nicht mehr ganz so viele Teilnehmer wie auch schon. Aber diejenigen, welche am Sonntag mit dabei sind, machen das mit hundertprozentiger Hingabe und einer grossen Portion Freude. Wiederum schafft es das Pfarreiteam, mit seinen Helferinnen und Helfern, ein seriös vorbereitetes Turnier durchzuführen. Und wenn es auch ab und an mal etwas (zu) laut wird im Saal, genügt ein kurzer Hinweis via Mikrofon und dem Spielspass steht nichts mehr im Weg.

Im Notfall hilft schieben

Teilnehmer aus Eschlikon, Münchwilen, Sirnach oder Fischingen sind mit dabei, als die ersten Karten verteilt werden. Meist stirbt die Hoffnung auf ein gutes Blatt erst, als alle neun Karten aufgenommen wurden. Im Notfall kann jedoch geschoben werden, mit der Zuversicht, dass der Partner mit einem besseren Blatt einen geeigneten Trumpf ansagen kann. «Obenabe» heisst es an Tisch vier, «Schilten» ertönt es gleich nebenan. Es wird – wie immer – ein Einfach-Schieber mit Trumpf, mit «Obenabe» und «Undenufe» gespielt. Ein Teilnehmer erklärt:

«Das ist so Tradition. Auch, dass der Match nur 157 Punkte zählt, ist normal.»
Die 93-jährige Münchwilerin Hedi Huser hat an allen 43 Pfarrei-Jassturnieren teilgenommen.

Die 93-jährige Münchwilerin Hedi Huser hat an allen 43 Pfarrei-Jassturnieren teilgenommen.

Und an Tisch eins sitzt sie, die Hinterthurgauer Jass-Ikone schlechthin. Die 93-Jährige wohnt seit über 60 Jahren in Münchwilen und ist topmotiviert, auch dieses Jahr wieder gut abzuschneiden. Hedi Huser jasst, lacht und geniesst. Auch wenn ihr Blatt nicht immer zufriedenstellend daherkommt, der Spass an der Teilnahme hat von Beginn an klar Überhand. «Ich habe noch kein einziges Pfarrei-Jassturnier verpasst», sagt die sympathische Jasserin, ehe sie ihr Schellen-Ass ausspielt und damit weiter kräftig Punkte einheimst.

Aber auch zahlreiche weitere Jasser sind anwesend, die ebenfalls schon seit zwei, drei Jahrzehnten mit dabei sind. Es zeugt davon, dass die Organisatoren stets alles richtig machen. Von der Verpflegung bis zum Gabentempel, vom Denksport bis zu persönlichen Gesprächen, hier wird Solidarität gelebt. Das Lob geht daher selbstredend an den Pfarreirat und das Helferteam.