Kommentar
Beim Fachkräftemangel in der Pflege ist es schon fünf nach zwölf

Die Thurgauer Regierung will Pflegeheime verpflichten, Fachpersonen auszubilden. Die FDP-Fraktion im Grossen Rat ist geschlossen dagegen. Doch ihr Streichungsantrag in der ersten Lesung wurde abgelehnt.

Larissa Flammer
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Larissa Flammer, Redaktorin Thurgauer Zeitung, Ressort Kanton. (Bild: Reto Martin)

Larissa Flammer, Redaktorin Thurgauer Zeitung, Ressort Kanton. (Bild: Reto Martin)

Der Personalmangel in Pflegeheimen ist bereits heute prekär, und er wird sich weiter verschärfen. Fünf nach zwölf sei es, sagten an der Grossratssitzung am Mittwoch auch mehrere Kantonsräte.

Berichte aus Pflegeheimen bringen im Einzelfall Haarsträubendes zu Tage: Psychisch angeschlagene Chefs und Angestellte, auffällig viele Krankmeldungen, dem Stress geschuldete lieblose und nachlässige Pflege.

Mit einer Ausbildungspflicht für Pflegeheime ist das Problem noch nicht gelöst, denn der Fachpersonenmangel besteht nicht nur wegen fehlender Ausbildungsplätze. Der Pflegeberuf ist kein Zuckerschlecken, nach durchschnittlich zwölf Jahren gibt eine Pflegefachperson diese Arbeit auf.

Mehr Ausbildungsplätze wären aber ein erster wichtiger Schritt. Curaviva, der Dachverband der Thurgauer Heime, hat die Ausbildungsverpflichtung selber angeregt. Die Spitäler im Kanton kennen sie bereits.

Am Mittwoch hat der Bundesrat die Pflegeinitiative, die vor einem Jahr eingereicht wurde, ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Mit dieser wollen Pflegefachleute erreichen, dass ihr Beruf gestärkt wird. Umso wichtiger ist es, dass wenigstens die Thurgauer Kantonsräte nun ihren Teil zu diesem Anliegen beitragen.

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