Bei «Pulverfass Obholz» eskaliert es: Ein Frauenfelder No-Budget-Film aus den Achtzigerjahren kommt jetzt ins Kino

Lange war er verschollen. Nun ist der Rohschnitt eines actionreichen Frauenfelder Spielfilms von 1985 aufgetaucht. Einer der damaligen Schauspieler, Urban Kaiser, will das Projekt zum Abschluss bringen.

Mathias Frei
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Szene aus dem Film: als Schauspieler Christa Klein, Urban Kaiser und Dominik Raymann.

Szene aus dem Film: als Schauspieler Christa Klein, Urban Kaiser und Dominik Raymann.

(Bild: PD)
Das heutige Projektteam: Christa Klein, Urban Kaiser und Jonas Greuter.

Das heutige Projektteam: Christa Klein, Urban Kaiser und Jonas Greuter.

(Bild: PD)

Halbstarke prügeln sich mit der Dorfjugend. Autos brennen, Schüsse fallen, die Polizei muss eingreifen. All das ist in einem Spielfilm zu sehen, der den Projekttitel «Pulverfass Obholz» trägt. Eine faszinierende Zeitreise ins Frauenfeld der Achtzigerjahre – und mit dabei ist Urban Kaiser. Der Frauenfelder war 1985 ein zwölf Jahre alter Bub und spielte als Figur Paddy in diesem Film mit, der damals nicht fertiggestellt wurde und verschwand.

«Meine Eltern waren nicht begeistert, dass ich im Film mitspielen sollte.»

Das erzählt Urban Kaiser, heute 47 Jahre alt. Er war damals mit Ausnahme einer Szene das einzige Kind vor der Kamera. Alle anderen Beteiligten vor und hinter der Kamera waren zwischen 18 und 25. Kaisers älterer Bruder, der jemanden aus dieser filmverrückten Clique kannte, konnte die Eltern schliesslich überreden.

Ohne Budget ein Jahr lang jedes Wochenende dran

Eine Filmszene im Restaurant Obholz.

Eine Filmszene im Restaurant Obholz.

(Bild: PD)

Rund 40 junge Erwachsene waren vor 35 Jahren an diesem No-Budget-Film beteiligt. Fast ein Jahr lang wurde Wochenende für Wochenende daran gearbeitet. 120 Minuten sollte die Geschichte dauern. Sie erzählt von Hauptfigur Danni und seiner Clique, die es sich mit den Frauenfelder Rockern verscherzen. Wieso das Projekt damals versandete, kann Kaiser heute nicht mehr nachvollziehen.

Vor kurzem traf Kaiser zufällig Christa Klein. Sie spielte damals die Freundin von Danni. «Sie erzählte mir von den verstaubten Filmrollen und dem Original-Drehbuch, das sie im Estrich gefunden hatte.» Da habe es ihn wieder gepackt.

«Ich habe immer noch intensive Erinnerungen an die damalige Zeit.»
Während den Dreharbeiten.

Während den Dreharbeiten.

(Bild: PD)

Kaiser beschloss, das Filmprojekt zu einem Abschluss zu bringen. Er holte Christa Klein und den jungen Videoproduzenten Jonas Greuter von Greenlightvision.ch mit ins Boot. «Ziel ist es, kommenden Oktober eine Filmvorführung zu veranstalten für alle, die damals in irgendeiner Weise mitgewirkt haben.» Danach soll es öffentliche Vorführungen geben, zum Beispiel im Cinema Luna. Und es werden DVDs des Films gebrannt. Der damalige Regisseur Bruno Keller lebt mittlerweile in Südamerika. Beteiligt waren auch Jürg Möckli vom ehemaligen Musikladen Jukebox oder die beiden Theiler-Brüder René junior und André. Und die Familie von Hauptdarsteller Dominik Raymann («Danni») betrieb früher ein Gartenbauunternehmen in Frauenfeld.

Während den Dreharbeiten.

Während den Dreharbeiten.

(Bild: PD)
Während den Dreharbeiten.

Während den Dreharbeiten.

(Bild: PD)

Dazu ermuntert, dieses Vorhaben umzusetzen, hat ihn Christof Stillhard. «Der ausgewiesene Frauenfelder Filmexperte sprach von einer filmischen Perle», freut sich Kaiser. Der mittlerweile digitalisierte Super-8-Rohschnitt ist in Sachen Bildqualität nicht mit heutigen Produktionen vergleichbar. An einzelnen Stellen fehlt die Tonspur. Kaiser und Greuter werden Bild und Ton optimieren. Es braucht Filmmusik der damaligen Zeit. Zudem soll der Film auf 80 Minuten verdichtet werden, mit einem Schluss, der noch nicht feststeht.

Szene aus dem Film. Urban Kaiser als Paddy (2.v.l.).

Szene aus dem Film. Urban Kaiser als Paddy (2.v.l.).

(Bild: PD)

Was bleibt, sind die Schauplätze in und um Frauenfeld herum, vom Dreh im Kantonsspital über die nächtliche Verfolgungsjagd durch die Stadt und die Töff- und BMX-Fahrten bis zum Schusswechsel in einer Weininger Kiesgrube. Ein zeithistorisches Dokument. Die Statisten, die als Halbstarke auftraten, waren echt und verkehrten im «Anker». Und wegen der Dreharbeiten mit einem falschen Polizisten rückte sogar die richtige Polizei aus. Im Restaurant Obholz wurde gedreht, weil jemand aus der Filmcrew den Wirt kannte. «Nebst viel Action ist es auch eine Geschichte über die Bruderliebe zwischen Danni und Paddy, ein Film mit Tiefgang», sagt Kaiser. Er freut sich wie ein Kind, dass der Film dann endlich fertig ist.

Bei den Dreharbeiten wurde ein Auto demoliert.

Bei den Dreharbeiten wurde ein Auto demoliert.

(Bild: PD)
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