«Bei mir muss es blutig zu und her gehen»: Thurgauer Persönlichkeiten erzählen von ihren Lesegewohnheiten und Lieblingsbüchern

Ferienzeit ist bekanntlich für viele Menschen Lesezeit. Doch wie sieht dies in den Zeiten des kollektiven Homeoffice aus? Die «Thurgauer Zeitung» wollte es von einigen prominenten Thurgauerinnen und Thurgauern genauer wissen und befragte sie nach ihren Lesegewohnheiten.

Christof Lampart
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Ein gutes Buch ist für viele Thurgauer während der Ostertage ein Muss.

Ein gutes Buch ist für viele Thurgauer während der Ostertage ein Muss.

Bild: Walter Schwager

Hansjörg Brunner, Gewerbeverband, Unternehmer

Hansjörg Brunner, Wallenwil.

Hansjörg Brunner, Wallenwil.

Bild: Reto Martin

«Das Bücherlesen gehört bei mir zum festen Alltag. Ich lese sehr gerne nordische Krimis – und dann oft in einem durch. Oft lese ich abends im Bett, aber auch sonst gehört der Griff zu einem spannenden Buch zu meinen bevorzugten Freizeitbeschäftigungen. Ein Buch, das mein Leben oder zumindest meine Einstellung geprägt hat, gibt es eigentlich nicht, aber ich weiss noch, dass ich als Primarschüler alle Globi-Bücher verschlungen und als Jugendlicher gerne ‹Die drei ???›-Bücher gelesen habe. Ich lese alles, was meine Frau mir so aus der Bibliothek mitbringt.

«In den Ferien können das dann schon einmal vier, fünf Bücher in zehn Tagen sein.»

Was momentan auf meinem Nachttisch liegt, weiss ich ehrlich gesagt nicht einmal, da ich mir die Titel meistens nicht gross merke, aber spannend ist der Krimi schon.»

Edith Graf-Litscher, SP-Nationalrätin

Edith Graf-Litscher, Frauenfeld.

Edith Graf-Litscher, Frauenfeld. 

Bild: Reto Martin

«Also als Parlamentarierin komme ich nicht ums Lesen herum (lacht). Da erledige ich das meiste am PC. Was private Bücher betrifft, so lade ich mir sie alle auf meinen E-Reader herunter. So kann ich dann auch in die Ferien viele Bücher unproblematisch und praktisch ohne Gewicht mit mir herumschleppen. Aktuell lese ich die Biografie von Michelle Obama. Oder besser gesagt: Ich lese immer mal ein bisschen zwischendurch. Ein Buch, dass mich als Jugendliche sehr stark berührte, war ‹Die Kinder vom Bahnhof Zoo›, das ja momentan auch wieder durch den Film ‹Platzspitzbaby› hierzulande eine gewisse Aktualität erhalten hat. Später als junge Erwachsene hat mir ‹Sorge dich nicht, lebe!› von Dale Carnegie viel gegeben, zeigte es mir doch Wege auf, wie man auch in schwierigen Zeiten seinen Optimismus bewahren kann.

«Dieses Buch zu lesen, wäre vielleicht für viele in der jetzigen Coronakrise gar nicht mal das Schlechteste.»

Urs Leuzinger, Konservator Archäologiemuseum

Urs Leuzinger, Winterthur.

Urs Leuzinger, Winterthur. 

Bild: Reto Martin

«Ich mache jetzt Homeoffice, aber langweilig wird es mir dabei nicht, da ich in Ruhe und ohne Ablenkung viel Archäologie machen kann. In meiner Freizeit lese ich viel und gerne; sicher über 1000 Seiten wöchentlich.

«Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen und habe die Bibliotheken schon als kleiner Junge viel genutzt.»

Bei mir liegen viele Krimis herum. Gerade lese ich den Psychothriller ‹Puppentod› von Erik Axl Sund. Bei mir muss es blutig zu und her gehen, damit ein Buch für mich sexy ist; je trashiger, desto besser. Die Krimis lese ich dann im Bett und höre mir dabei ‹Don Pasquale› von Gaetano Donizetti an. Gehobene Literatur ist hingegen nicht so mein Ding. ‹Madame Bovary› oder ‹Die Leiden des jungen Werther› habe ich zuletzt gelesen, als ich sie lesen musste: während meiner Matura-Zeit. Beim Lesematerial bin ich jedoch altmodisch: Ich brauche ein physisches Buch, in das ich Eselsohren machen kann. Ich bin definitiv ein ‹Blätterer› und kein ‹Wischer›.»

Thomas Götz, Schauspieler und Kabarettist

Thomas Götz, Weinfelden.

Thomas Götz, Weinfelden. 

Bild: Andrea Stalder

«Ich lese als Kabarettist natürlich immer, um informiert zu sein, was so in der Welt läuft. Die ‹Thurgauer Zeitung› und der ‹Tages-Anzeiger› gehören dabei zu meiner täglichen Lektüre – auch wenn sie wegen des Coronavirus gegenwärtig seiten- und themenmässig dünner ausfallen als auch schon. Daneben recherchiere ich viele Themen, die mich interessieren, im Internet. Als Buch habe ich zuletzt in einem Kurs, in dem es um das Drehbuchschreiben ging, das Drehbuch zum Film ‹Sophie Scholl› gelesen, was mich sehr beeindruckt hat. Ein richtiges Buch habe ich aber eigentlich schon länger nicht mehr gelesen. Als Dan Browns Roman ‹Illuminati› herauskam, habe ich das Buch in zwei, drei Tagen gelesen; da hatte mich das Lesefieber richtig gepackt. Sowieso muss ein Buch für mich spannend sein.

«Jetzt, in den Zeiten von Corona, wäre aber sicherlich wieder einmal eine gute Gelegenheit, um zu einem guten Buch zu greifen.»

Es darf bloss nicht zu dick sein, da ich für lange Bücher nicht die Geduld habe.»

Andrea Gerster, Schriftstellerin

Andrea Gerster, Freidorf.

Andrea Gerster, Freidorf. 

Bild: Andrea Stalder

«Also momentan schreibe ich an einem Roman. Und wenn ich schreibe, dann lese ich eigentlich wenig. Aber in der aktuellen Coronakrise stimmt das für einmal nicht mehr so. Denn ich schreibe tatsächlich an einem Roman und habe trotzdem angefangen, ein Buch zu lesen. Nämlich ‹Die Hochhausspringerin› von Julia von Lucadou. An diesem Buch finde ich es sehr originell, wie die Autorin alles vorwegnimmt. Gelesen habe ich seit dem Zeitpunkt, als ich lesen gelernt hatte – und habe mich dabei nicht lange mit der klassischen Kinderliteratur aufgehalten, sondern bin schon früh zu Erwachsenenbüchern übergegangen. Mit zehn Jahren las ich nicht nur die Agatha-Christie-Romane, sondern auch ‹Eine glückliche Zeit› von Louisa May Alcott, in der eine der Figuren, eine junge Frau namens Jo, Schriftstellerin werden möchte.

«Dieses Buch hat mich für mein weiteres Leben geprägt, habe ich mich doch damals selbst in Jo gesehen.»

Gregor Wegmüller, Chef Messen Weinfelden

Gregor Wegmüller, Weinfelden.

Gregor Wegmüller, Weinfelden. 

Bild: Mario Testa

«Ja, ich bin ein Leser. Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen. Ich bin ja ein Drilling.

«Und wenn meine beiden Brüder sich gestritten haben, bin ich auf meinem Bett gelegen und habe in Seelenruhe ein Buch gelesen.»

Auch heute bin ich noch ein begeisterter Leser, aber ich brauche dafür ganz bewusst die Zeit für Musse, welche mir normalerweise im Berufsalltag fehlt. Am liebsten lese ich nordische Krimis – und das tue ich dann meistens in den Ferien am Meer oder an einem See oder zu Hause in meinem Whirlpool auf meinem E-Reader. Mein absoluter Lieblingsautor ist der Norweger Jo Nesbø und seine ‹Harry Hole›-Romane. Die habe ich alle durch und warte bereits sehnsüchtig auf den neuesten Fall, weshalb ich gerade auf andere skandinavische Krimiautoren ausgewichen bin und soeben ‹Irrfahrt› von Øistein Borge fertig gelesen habe.»