Bei der Telekomunternehmung Schlatter-Leucom aus Frauenfeld übernimmt die dritte Generation das Steuer

Im 55. Jahr seit der Gründung der Frauenfelder Firma Schlatter-Leucom übergibt Markus Schlatter deren Leitung an seine beiden Söhne Patrik und Roland.

Stefan Hilzinger
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Seniorchef Markus Schlatter mit den Söhnen Patrik (links) und Roland im Treppenhaus des neuen Firmensitzes an der Galgenholzstrasse.

Seniorchef Markus Schlatter mit den Söhnen Patrik (links) und Roland im Treppenhaus des neuen Firmensitzes an der Galgenholzstrasse.

(Bild: Andrea Stalder)

Noch hängen am neuen Firmensitz an der Galgenholzstrasse lose Drähte von der Decke, die Wände sind kahl, im Treppenhaus bewahren provisorische Geländer die Handwerker vor Stürzen. Hier wird Patrik Schlatter als neuer Chief Technology Officer (CTO) seine Feuertaufe erleben als technischer Leiter und neues Mitglied der Geschäftsleitung bei Schlatter.

Im März zügeln die ersten Mitarbeiter der Firma von der Zürcherstrasse in den Neubau bei der Kleinen Allmend. Bis dahin muss die Technik laufen. Computer müssen installiert sein, und vor allem die Server mit Zigtausenden Gigabyte an Speicherkapazität müssen störungsfrei surren.

Der 32-jährige Patrik Schlatter ist einer der beiden Söhne, an die Markus Schlatter per Anfang Jahr die Leitung der Frauenfelder Telekomfirma weitergab. Der andere ist Roland (29), der als Chief Executive Officer (CEO) die Geschäftsleitung übernimmt.

Am vergangene Donnerstag und Freitag feierten Schlatter und Söhne nicht nur die Übergabe an die dritte Generation, sondern auch den 55. Geburtstag der Firma, die einst mit einem Radio- und TV-Geschäft ihren Anfang nahm. Prominenz aus Politik und Wirtschaft feierten in der künftigen Mensa am neuen Hauptsitz, unterhalten von Pepe Lienhard mit Band.

Als Mittelständler UPC und Swisscom trotzen

Ein Schicksalsjahr der jüngeren Geschichte der Firma ist das Jahr 2005. Damals konnte Schlatter im Zug des Verkaufs des Huber-Verlags an Tamedia alle Aktien der Frauenfelder Kabelnetzanbieterin Stafag übernehmen. Seither hat sich die Firma unter der Marke Leucom zu einem mittelständischen Player im umkämpften Geschäft mit Internet, Telefonie und Kabel-TV gemacht.

Schlatter trotzt im Thurgau und der näheren Nachbarschaft der Konkurrenz von Swisscom und UPC-Cablecom.

«Wir glauben an die Zukunft der Glasfaser»

sagt Markus Schlatter, der als Finanzchef und Präsident des Verwaltungsrates der Firma erhalten bleibt. Ein Pluspunkt sei auch, dass man nicht nur TV-Signale liefere, sondern im TV-Fachgeschäft auch Hardware anbiete. «Alles aus einer Hand», sagt Markus Schlatter.

Statt einer allein, entscheidet nun ein Trio

Seit rund einem Jahr sind die beiden Söhne nun an Bord. Sie bringen einen technischen und betriebswirtschaftlichen Rucksack mit für die neuen Aufgaben in der Geschäftsleitung.

«Die vielen Puzzleteile der Unternehmung, die ich inzwischen kennen gelernt habe, wachsen nun zu einem Ganzen zusammen»

sagt CEO Roland Schlatter. Obwohl man ja mit der Firma gross geworden sei, gebe es schon noch dieses und jenes dazuzulernen. Auch Seniorchef Markus Schlatter steht vor einem Lernprozess. «Die letzten 25 Jahre habe ich selbst entschieden», sagt er. Jetzt ist es ein von Junior Roland angeführtes Trio. Die drei sind grundsätzlich guter Dinge, dass Arbeitsteilung und Zusammenarbeit klappen.

Von den 100 Angestellten zügeln ab März deren 40 in den Neubau. Dort hat es noch Platz für mehr. Und dafür haben Schlatters auch erste Pläne. «Wir planen Raum für Innovation und Kreativität», sagt CEO Roland Schlatter.

Vom Radio-TV-Geschäft zum Multimediahaus

Fernsehtechniker Hans Schlatter gründet 1964 mit Ehefrau Luzia an der Zürcherstrasse in Frauenfeld ein Radio- und TV-Geschäft. 1972 kaufen Schlatters die Liegenschaft und bauen das Geschäft aus. 1973 übernimmt Schlatter Radio Hügin an der Rheinstrasse und führt den dortigen Schallplattenladen zwölf Jahre weiter.

1974 erhält die Firma den Auftrag für eine erste Gemeinschaftsantennenanlage. 1982 ist Schlatter Mitgründer der Stadtantenne Frauenfeld AG (Stafag). Weitere Gründungsaktionäre sind etwa die Huber AG oder die Firma Habersaat. Ab 1983 firmiert Schlatter als Aktiengesellschaft im Familienbesitz.

Sohn Markus Schlatter tritt 1986 in die Firma ein. Er wird 1996 Verwaltungsratspräsident. Ab Mitte der 1990er-Jahr erfolgt mit der Gründung der Schlatter Communications AG der Bau und Betrieb weiterer Gemeinschaftsantennenanlagen. Nach Übernahme aller Aktien der Stafag 2005 und dank Telefonlizenz wird Schlatter ein Triple-Play-Anbieter mit TV-, Telefon- und Internetsignal. 2008 beliefert die Firmengruppe 16000 Haushalte und beschäftigt 30 Personen.

2014 startet Schlatter-Leucom gemeinsam mit Swisscom den Ausbau des Glasfasernetzes in Frauenfeld für 15 Millionen Franken. Die Firma ist in weiteren Thurgauer Gemeinden beim Auf- und Ausbau der neuen Technologie dabei, etwa Pfyn, Gachnang oder Stettfurt.

Im Herbst 2018 eröffnet Schlatter eine Filiale in Amriswil. Bis Ende 2019 hat die Firma 500 Kilometer Glasfaser verlegt. Ein Fünftel der Thurgauer Haushalte beziehen die Glasfasergrundversorgung von Schlatter-Leucom. Die Firma beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeitende. (hil)