Bei den Thurgauer Milchproduzenten herrscht dicke Luft in der Ammoniakfrage

Der kantonale Massnahmenplan Lufthygiene und Ammoniak kommt die Thurgauer Bauern teuer zu stehen.

Christof Lampart
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Martin Zeltner, Leiter Abteilung Luftreinhaltung.

Martin Zeltner, Leiter Abteilung Luftreinhaltung.

Christof Lampart

Die Bedeutung des Anlasses ging schon daraus hervor, dass ihn der Milchproduzentenverband – bedingt durch die Beschränkung auf 50 Teilnehmer – zweimal am selben Tag durchführte. Verbandspräsident Daniel Vetterli erhoffte sich auch eine Diskussion, die bei einer virtuellen oder schriftlichen Information weniger möglich wäre. Diese fand dann allerdings kaum statt.

Anlass hätte es gegeben. Zwar sei bei der Umsetzung der Massnahmenpläne Lufthygiene und Ammoniak vieles offen, sagte Vetterli. Doch es sei absehbar, dass auf die Thurgauer Bauern happige Verhaltensänderungen und Investitionen zukommen.

Belastung im Thurgau ist mehr als doppelt so hoch

Dies machte auch der Leiter Luftreinhaltung beim Amt für Umwelt, Martin Zeltner, deutlich. Er werde bei der Umsetzung auf eine «transparente und ehrliche Kommunikation» achten, zugleich aber alles daransetzen, dass dieser Massnahmenplan «kein Papiertiger» werde.

Bezüglich Ammoniakreduktion liegen heute unmissverständliche Forderungen von Bund und Kanton auf dem Tisch. Während der Bund verlangt, dass bis ins Jahr 2030 der Ammoniakaustrag um 38 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2015 reduziert wird, strebt der Thurgau im gleichen Zeitraum «mindestens 18 Prozent» an.

«Ich denke, dass die 38 Prozent utopisch sind, selbst unser Ziel ist schon anspruchsvoll», erklärte der Leiter Luftreinhaltung. Zeltner erläuterte, warum der Ammoniakgehalt reduziert werden muss. «Durch den erhöhten Stickstoffeintrag kommt der Stickstoffkreislauf aus dem Gleichgewicht. Denn Ammoniak ist ein Gas – und da haben wir eigentlich auch das Hauptproblem, nämlich die Tatsache, dass der Ort der Ausbringung nicht der Ort der Einwirkung ist.»

Was die Übersättigung des Bodens mit Stickstoff mit sich bringt, ist heute schon klar: Die Artenvielfalt sinkt. Tatsächlich ist die Luftschadstoffbelastung im Thurgau sehr hoch. 90 Prozent des emittierten Ammoniaks stammt aus der Landwirtschaft. Die kantonale Statistik weist für den Thurgau jährlich eine Ammoniak-N-Deposition von 50,9 Kilo/Hektare aus; der schweizerische Durchschnitt beträgt 37,2 Kilo/Hektare.

Der kritische Belastungswert ist aber bereits bei einer Menge von 10–20 Kilo je Jahr und Hektare erreicht. Erreicht werden soll eine möglichst hohe Reduktion mit gut einem Dutzend Massnahmen, wobei für die Milchproduzenten die Bereiche Stallumbauten und eine emissionsarme Gülle-Ausbringungstechnik am erfolgversprechendsten sind. Was Letzteres bedeutet, sagte Zeltner auch:

«Die Emissionsminderung muss mindestens jene des Schleppschlauchverteilers erreichen.»

Und was ist, wenn die Landwirte sich nicht um den Massnahmenplan scheren? Dann würden die Daumenschrauben massiv angezogen, käme doch dann Artikel 5 der Luftreinhalteverordnung zur Anwendung, welcher Verschärfungen vorsieht, wenn Belastungsgrenzen trotz Einhaltung der Vorsorgegrenzen überschritten werden. Konkret hiesse das, dass alle Betriebe im Thurgau einzeln überprüft würden.

Fehlbare Bauern müssten dann für die Schäden nicht nur finanziell geradestehen, sondern ihnen würden auch die Fördergelder ganz (Kanton) oder zumindest teilweise (Bund) gestrichen. «Vermutlich wären dann rund 90 Prozent aller Betriebe von den Massnahmen betroffen», sagte Zeltner. Allerdings werde man bei der Umsetzung auf lange Umstellungsfristen achten, sodass keine Landwirte finanziell oder zeitlich zu Hauruckübungen gezwungen würden.