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Wegen Einsprachen: Frauenfeld-Wil-Bahn kann Haltestelle in Münchwilen noch nicht behindertengerecht umbauen

Eigentlich wollte die Frauenfeld-Wil-Bahn die Haltestelle Münchwilen im Sommer 2020 umbauen. Einsprachen führen nun zu einer Verzögerung von mindestens einem Jahr.
Olaf Kühne
Münchwilen Zentrum ist nebst Jakobstal Wängi die letzte Hinterthurgauer Haltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn, die noch nicht barrierefrei ist. (Bild: Olaf Kühne)

Münchwilen Zentrum ist nebst Jakobstal Wängi die letzte Hinterthurgauer Haltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn, die noch nicht barrierefrei ist. (Bild: Olaf Kühne)

Das Behindertengleichstellungsgesetz hält derzeit Gemeinden und Verkehrsbetriebe auf Trab. Vor nunmehr 15 Jahren räumte der Gesetzgeber den Unternehmen eine 20-jährige Frist ein, in ihren Fahrzeugen und an ihren Haltestellen die sogenannte Barrierefreiheit herzustellen. Diese Frist läuft Ende 2023 ab, weshalb allerorten mit Hochdruck an den erforderlichen baulichen Massnahmen gearbeitet wird.

Oder gearbeitet werden sollte. So blockieren derzeit in Münchwilen zwei Einsprachen das entsprechende Vorhaben der Frauenfeld-Wil-Bahn. Relativ früh, bereits 2012, hat der Bahnbetreiber seine Haltestelle «Pflegezentrum» im Hinterthurgauer Bezirkshauptort behindertengerecht umgebaut. Dies vor dem Hintergrund, dass Barrierefreiheit nebst Rollstuhlfahrern auch betagten Menschen zugutekommt.

Gegen das Baugesuch betreffend die Haltestelle im Dorfzentrum sind nun aber Einsprachen zweier Anwohner eingegangen. Thomas Baumgartner, Direktor der Frauenfeld-Wil­-Bahn AG, präzisiert auf Anfrage unserer Zeitung:

«Die Einsprachen richten sich nicht direkt gegen die Perronerhöhung, sondern gegen die Fussgängerführung über die Hauptstrasse.»

Stein des Anstosses sei die Verlegung der Zebrastreifen über die Wilerstrasse.

Verzögerung bis Sommer 2021

Die Barrierefreiheit der Frauenfeld-Wil-Bahn wird nun nicht, wie andernorts bei Einsprachen üblich, um einige Monate verzögert, sondern aufgrund der Komplexität eines Bahnbetriebes um mindestens ein Jahr. Wollte doch das Unternehmen die Bauarbeiten im Sommer kommenden Jahres ausführen – gleichzeitig mit dem Bau einer Kreuzungsstelle in Frauenfeld Lüdem für einen Viertelstundentakt. Hierfür wollte die Frauenfeld-Wil-Bahn mehrerer Wochen den Bahnbetrieb aussetzen und ihre Passagiere mit Bussen befördern.

Doch auch gegen das Projekt «Lüdem» sind Einsprachen hängig, weshalb die Frauenfeld-­Wil-Bahn bereits entschieden hat, beide Projekte frühestens im Sommer 2021 zu realisieren. Nebst Münchwilen Zentrum ist im Hinterthurgau einzig die Haltestelle Jakobstal noch nicht barrierefrei.

Laut Bahndirektor Baumgartner ist hier die Planung auf gutem Weg. «Die Anpassungen an dieser Haltestelle werden nicht öffentlich aufgelegt, da dort nur wenige Anwohner betroffen sind», sagt er. «Diese habe ihr Einverständnis zum Projekt gegeben, sodass wir dort ein schlankes Verfahren erwarten.»

Interessen sind abzuwägen

Verhalten zuversichtlich ist Baumgartner für Münchwilen:

«Falls die Einsprachen nicht gütlich ausgeräumt werden können, wovon wir aber nicht ausgehen, muss als erste Instanz das Bundesamt für Verkehr einen Entscheid fällen.»

Dabei sei «eine Abwägung zwischen Privatinteressen und jenen von mobilitätseingeschränkten Personen vorzunehmen».

Erfahrungsgemäss sei von einer sehr hohen Gewichtung des Behindertengleichstellungsgesetzes auszugehen. Der Entscheid könne vor Bundesverwaltungsgericht angefochten werden. «Ein Baubeginn ohne Bewilligung ist hingegen trotz der durch das Behindertengleichstellungsgesetz gesetzten Frist bis Ende 2023 nicht möglich.»

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