Begeisterung fürs Tüfteln wecken - IHK Thurgau und PHTG kooperieren

Die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG) lanciert mit der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK) ein Projekt für Schulen. Dieses will mit Projektwochen für Kinder von der dritten bis zur sechsten Klasse für Naturwissenschaft, Technik, Medien und Informatik begeistern.

Judith Schuck
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Im Microcontroller Calliope stecken viele Möglichkeiten, sich dem Programmieren anzunähern. (Bild: PD)

Im Microcontroller Calliope stecken viele Möglichkeiten, sich dem Programmieren anzunähern. (Bild: PD)

Die Digitalisierung und der Fachkräftemangel stellen die Schulen vor neue Herausforderungen. Mit dem Pilotprojekt «NaTech digital» möchte die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG) schon bei Primarschülern die Begeisterung fürs Tüfteln wecken. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK) haben Lehrpersonen der Bereiche Natur und Technik (NaTech) und des Medien- und Didaktikzentrums (MDZ) dieses Projekt entwickelt.

Die IHK bietet hier nicht nur ihr technisches Know-how an, sondern unterstützt «NaTech digital», das Anfang 2020 in seine erste Runde geht, mit 100 000 Franken. Anlass für die Kooperation ist das 150-Jahr-Jubiläum, das die IHK im nächsten Jahr begeht. Mit verschiedenen Aktivitäten möchte sie der Bevölkerung zeigen, was sie macht. «So kam auch die Idee mit der PH-Projektwoche», erklärt Jérôme Müggler, Direktor der IHK Thurgau, am Mittwoch an einem Mediengespräch. Technologische Themen gewinnen immer mehr an Brisanz in Schule und Wirtschaft. «Darum ist die Projektwoche wichtig», sagt er. «Wir wollen schon früh einen Samen setzen, um die Kinder für diese Themen zu begeistern.»

Microcontroller mit vielen Möglichkeiten

Im Mittelpunkt des Projekts steht der Einplatinencomputer Calliope, benannt nach der griechischen Schutzgöttin der Wissenschaft, den die Projektteilnehmer programmieren lernen. Lehrpersonen können so die Dritt- bis Sechstklässler der Primarstufe an die Themen Strom und Programmieren heranführen. Die Thurgauer Primarlehrer können zwischen drei Themen für ihren Unterricht wählen. Nicole Schwery aus dem Fachbereich NaTech sowie Mitarbeiterin des MDZ stellte diese beim Schnupperabend am Mittwoch vor: Für die 3. und 4. Klasse ist zunächst das Spieleentwickeln vorgesehen.

Das kann das Programmieren eines Flipperkastens sein, der den aktuellen Spielstand anzeigt oder ein selbst gebautes kleines Keyboard. Die Fünft- und Sechstklässler können sich zusätzlich mit Techniken auseinandersetzen, die Zuhause helfen, Energie zu sparen.

Beispielsweise eine Lichtanlage, die nur leuchtet, wenn sich jemand im Raum befindet. «Oder sie erlernen, wie man Alltagsgeräte baut», erklärt Schwery. Das könne ein Ventilator sein, der sich automatisch bei einer Temperatur von 22 Grad Celsius einschaltet. Diese drei Themenpakete liefert die PH in Form von Kisten mit dem gesamten Material an die teilnehmenden Schulen. Die IHK subventioniert diese Pakete, sodass die Schulen nur noch einen Betrag zwischen 200 und 650 Franken für 25 Schüler leisten müssen.

Wenn Lehrpersonen dies wünschen, organisiert die IHK den Besuch in einem regionalen Unternehmen, das den Schülern konkrete Produktbeispiele aus dem Bereich «NaTech digital» vorstellt. «Wir verbinden damit viele Kompetenzen von PH, Wirtschaft und verschiedenen Fächern», sagt Andrej Jakovac, Vorstand der IHK und Leiter der Kompetenzgruppe für Bildung. Durch diese «holistische Herangehensweise» erfahren die Kinder, was interdisziplinäres Arbeiten bedeute.

Neue Kompetenzen für die Arbeitswelt gefragt

Mit diesem Angebot bekommen die Lehrpersonen zudem bei der im Lehrplan enthaltenen «angewandten Informatik» Unterstützung. Seit zwei Jahren werden die MMINT-Fächer (Medien, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) an der PHTG konsequent ausgebaut. «Diese Fächer haben einen grossen Stellenwert», sagt Thomas Hermann, Leiter des MDZ. Denn für die Arbeitswelt seien neue Kompetenzen gefragt. Die Idee hinter den Kisten sei auch, allen Schülerinnen und Schülern ein positives Erlebnis beim Finden von Lösungen zu ermöglichen, unterstreicht Schwery.

IHK Thurgau bekämpft den Informatiker-Mangel

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Thurgau plädiert für einen «Digital Campus». Petra Gössi, Präsidentin der FDP Schweiz setzt an der Generalversammlung politische Akzente.
Martin Sinzig