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Eine wertvolle Stereolupe vergössert an der Kanti Frauenfeld Begeisterung um das 480-Fache

Der 2015 verstorbene Kantilehrer Max Schneider hat «seiner» Bio- und Chemiefachschaft wertvolle Laborgeräte hinterlassen. Damit die Schüler nun damit arbeiten können, war eine 2600-Kilometer-Autofahrt nötig.
Mathias Frei
Johannes Kottonau, Lehrer für Biologie und Chemie an der Kanti Frauenfeld, nimmt die Stereolupe aus Max Schneiders Nachlass unter die Lupe. (Bild: Mathias Frei)

Johannes Kottonau, Lehrer für Biologie und Chemie an der Kanti Frauenfeld, nimmt die Stereolupe aus Max Schneiders Nachlass unter die Lupe. (Bild: Mathias Frei)

Während seines Biologiestudiums kam Johannes Kottonau kein einziges Mal an eine so gute Stereolupe. Und jetzt können Schüler der Kanti Frauenfeld mit solchen Laborgeräten arbeiten. Eine kleine Sensation – ermöglicht durch den letzten Willen des langjährigen Kantilehrers Max Schneider. Nur fünf Minuten Praxisarbeit an einer solchen Stereolupe könne bei den Schülern grosse Begeisterung für das Fach Biologie schaffen. Kottonau sagt:

«Dieser Blick auf die Dinge bleibt einem lange in Erinnerung.»

Er unterrichtet Biologie und Chemie an der Kanti.

Die Fachschaft sei bisher schon gut ausgerüstet gewesen, erklärt Kottonau. Aber dank Max Schneiders Nachlasses sei das Arbeiten nun geradezu luxuriös. Die Gerätschaften, die nun seit einem halben Jahr Verwendung finden im Unterricht, haben laut Kottonau einen Wert von gegen 17000 Franken.

«Alles ist Leica-Qualität, eine derartige Qualitätsklasse kann sich eine Schule in der Regel nicht leisten.»

Allein für die gebrauchte Stereolupe mit der aufsetzbaren Digitalkamera müsste man geschätzt 5750 Franken auf den Tisch legen.

Zweitwohnsitz auf einer französischen Atlantikinsel

Dass sich die ganze Fachschaft über die Geräte freue und dass man damit Schüler begeistern könne, wäre im Sinne Max Schneiders gewesen, sagt Martina Brunke. Sie hat als Biologieassistentin lange mit Schneider zusammengearbeitet und ihn in dieser Zeit schätzen gelernt. Während 24 Jahren hatte Schneider an der Kanti Bio und Chemie unterrichtet. 2005 liess er sich 55-jährig frühpensionieren und kaufte mit seiner Ehefrau ein Haus auf der Ile d’Yeu, einer winzigen Insel vor der französischen Atlantikküste, 100 Kilometer von Nantes entfernt. In Frauenfeld und auf der Ile d’Yeu wollten Schneiders ihre Pension geniessen. Max Schneiders Frau hatte auf der Atlantikinsel einen grossen Garten angelegt. Derweil richtete sich der pensionierte Gymnasiumlehrer ein kleines, aber hoch professionelles Labor ein. «Dort arbeitete Max Schneider an einem Bestimmungsschlüssel für atlantische Meeresalgen – ein praktisch unerforschtes Gebiet», sagt Kottonau. Wie weit Schneider in seiner Forschung gekommen sei, wisse er aber leider nicht. Denn nur vier Jahre nach der Pensionierung wurde bei Max Schneider eine schwere Krankheit diagnostiziert, an der er 2015 verstarb.

Ein Augenfleck auf dem Flügel eines Schwalbenschwanz-Schmetterlings, aufgenommen mit der neuen Stereolupe. 20 Schuppen nebeneinander ergeben gerade einmal einen Millimeter. (Bild: PD)

Ein Augenfleck auf dem Flügel eines Schwalbenschwanz-Schmetterlings, aufgenommen mit der neuen Stereolupe. 20 Schuppen nebeneinander ergeben gerade einmal einen Millimeter. (Bild: PD)

Schneiders letztem Willen entsprechend sollten die Gerätschaften aus dem Labor an die Kanti übergehen. So machte sich Martina Brunke mit einem grossen Auto auf den Weg an die französische Atlantikküste. Je 1300 Kilometer hin und wieder zurück. «Die Fähre auf die Insel fuhr nur einmal am Tag. Platz hatte es für ein paar wenige Autos», erinnert sich Brunke an den abenteuerlichen Trip von vergangenem Herbst zurück. Max Schneider sei es wichtig gewesen, dass sich seine Ehefrau nicht um den Transport der Gerätschaften zu kümmern hatte, sagt Brunke. Die gesamten Reiseauslagen inklusive einer Übernachtung auf dem Rückweg seien denn auch bezahlt gewesen.

Phänomenale Schärfe und Vergrösserung

Nebst der Stereolupe brachte Martina Brunke auch ein Mikrotom (für hauchdünne Gewebeschnitte), einen Wärmeschrank, einen Magnetrührer, eine Wärmeplatte sowie Kleinmaterial und Chemikalien nach Frauenfeld. Im Gegensatz zu einem Mikroskop, bei dem das Licht von unten kommt, braucht es bei einer Stereolupe mit Auflicht keine lichtdurchlässigen Gewebeschnitte, sondern es kann jedes Objekt betrachtet werden. Die Schärfe und die bis 480-fache Vergrösserung der Stereolupe seien phänomenal, urteilt Kottonau.

«Mit etwas Erfahrung werden uns mit der aufsetzbaren Digitalkamera spektakuläre Bilder gelingen, wie wir sie bisher nur neidvoll auf spezialisierten Bildportalen betrachten konnten.»

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