Bedingte Haft für Roggwiler Messerstecher

Im Oktober 2014 eskalierte vor einem Roggwiler Club ein Streit. Vier Personen wurden verletzt. Das Bezirksgericht Arbon verurteilt einen 43-jährigen Kosovaren aus Arbon wegen schwerer Körperverletzung.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Mit einem Messer attackierte ein Kosovare aus Arbon vier Personen vor einem Club. (Bild: Jolanta Kopczak)

Mit einem Messer attackierte ein Kosovare aus Arbon vier Personen vor einem Club. (Bild: Jolanta Kopczak)

Der Beklagte gab an, dass er an diesem Abend – er selbst ist ein professioneller Arm-Wrestler -, zu später Stunde noch den Sieg eines Kollegen, den dieser am gleichen Tag in Montreux errungen hatte, mit Vereinskollegen begiessen wollte. Doch kurz nachdem sie den Klub betreten hatten, brach er einen Streit mit einem anderen Gast vom Zaun, der in Handgreiflichkeiten mündete und mit dem Rauswurf des Kosovaren endete.

Doch dieser sei nicht sofort nach Hause gegangen, sondern habe Messer und Spray hervorgeholt und auf die Gruppe des Kontrahenten gewartet. Er habe die Waffen nur gezogen, weil er sich von der Gruppe verfolgt gefühlt und um sein Leben gefürchtet habe, erklärte er. Denn, obwohl er durchtrainiert sei, habe er doch gegen eine Gruppe im Ernstfall keine Chance. Er versicherte, dass er mit den Waffen nie angreifen, sondern nur die Gegner habe einschüchtern wollen.

Die Kameras, so die Richterin, hätten jedoch ein anderes Bild gezeigt. Nicht er sei vor der Gruppe zurückgewichen, sondern die Gruppe vor ihm. Er habe mehrere Ausfälle mit der Waffe gemacht, womit vieles gegen seine These, er habe fliehen wollen, spreche. Und die Verletzungen der Gegner zeigten, dass er nicht Opfer, sondern Täter gewesen sei.

«Dann wandern Sie hinter Gitter»

Der Richterin war anzusehen, dass sie die gefällte Strafe als ein absolutes Minimum erachtete. «Es ist gerade noch so bedingt. Wenn jetzt noch einmal etwas ist, dann wandern Sie hinter Gitter», erklärte sie dem Verurteilten am Dienstagnachmittag. Sie hoffe sehr, dass er einsehe, dass man nicht mit Messer und Pfefferspray in der Hosentasche herumlaufe: «Wir leben hier in einem zivilisierten Land», gab sie dem Mann mit auf dem Weg, den sie soeben zu zwölf Monaten Haft bedingt samt dreijähriger Bewährungsfrist verurteilt hatte. Er habe noch «sehr grosses Glück» gehabt, dass seine Messerattacken nicht zu schwereren Verletzungen geführt hätten.

Einige Beweise nicht verwertbar

Bei der Auseinandersetzung wurden drei Männer und eine Frau verletzt. Wobei die kleinste Wunde ein einfacher kleiner Schnitt am Handrücken der Frau, die grösste eine «säbelhiebartige» 15 Zentimeter grosse Wunde an der Schulter eines Mannes gewesen sei. Die Richterin erklärte:

«Wenn ein lebenswichtiges Organ getroffen worden wäre, dann würden wir jetzt über ein ganz anderes Strafmass befinden.»

Ebenso wurde er in drei weiteren Fällen wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung verurteilt, hingegen vom Vorwurf der versuchten Nötigung freigesprochen. Seine Waffensammlung (Schlagstöcke, Schlagringe, Elektroschockgerät) wird vernichtet. Dennoch fiel das Urteil relativ milde aus. Weil einige Aussagen und Beweise vor Gericht nicht verwertbar gewesen seien, sei man unter dem von der Anklage geforderten Strafmass von 18 Monaten bedingt geblieben, so die Richterin.

Zu schlechter Letzt muss der Verurteilte eine Geldstrafe von 800 Franken, eine Busse von 3280 Franken (oder eine 82-tägige Haftstrafe bei Nichtbezahlen), Genugtuungs- und Schadensersatzgelder an die vier Verletzten von total 3700 Franken plus Zinsen, rund 13'200 Franken an Untersuchungs- und Verfahrenskosten, sowie über 17'480 Franken an Aufwendungen für die amtlichen Verteidiger bezahlen – also total über 38'460 Franken.