Bea Petri: «Ich habe das grosse Glück, in Steckborn direkt am See leben zu dürfen»

Visagistin Bea Petri hat die Schminkbar gegründet. Die Unternehmerin des Jahres 2012 engagiert sich auch in Burkina Faso.

Interview: Florian Beer
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Schminkbar-Gründerin Bea Petri in ihrer Stube in Steckborn.

Schminkbar-Gründerin Bea Petri in ihrer Stube in Steckborn.

(Bild: Andrea Stalder)

Was hat Sie letzte Woche besonders beschäftigt?

Der Tod meines liebsten Freundes. Er hat sich Ende November das Leben genommen. Wir kannten uns seit 30 Jahren. Ich habe im letzten Monat sehr viel gearbeitet und verdrängt, deshalb kam ich erst nach Weihnachten dazu, die Trauer zu verarbeiten, und ich bin immer noch dabei. Das wird dauern.

Was gibt Ihnen im Leben Kraft?

Sehr vieles. Vor allem aber positives Feedback und Wertschätzung. Das erfahre ich häufig nach Vorträgen, was mich bestärkt und mir guttut. Wertschätzung zu erhalten, ist nicht selbstverständlich, schliesslich probiert doch jeder seinen Job so gut wie möglich zu machen.

Haben Sie ein Morgenritual?

Seit ich mit meinem Mann zusammenlebe, bringt er mir jeden Morgen eine Tasse Kaffee ans Bett. Egal bei welchem Wetter oder zu welcher Jahreszeit zündet er eine Kerze an und kommt zurück ins Bett. Dann geniessen wir gemeinsam unseren Kaffee, hören dabei Musik und die Nachrichten.

Was war Ihr erster Traumjob?

Ich stamme aus einer Apothekerfamilie, also bin ich auch Apothekenhelferin geworden. Den Beruf mochte ich sehr, aber nach meiner ersten Scheidung brauchte ich etwas Neues. Ich bewarb mich mit einem gefälschten Arbeitszeugnis beim Fernsehstudio im Bundeshaus als «Schminkerin» und bekam den Job. Dort bin ich richtig aufgeblüht, denn ich durfte mit vielen verschiedenen und faszinierenden Menschen zusammenarbeiten.

Aber Sie sind nicht bei dieser Tätigkeit geblieben.

Richtig – anschliessend hat es mich zum Film gezogen. Nach einem Filmprojekt in Zürich wurde ich nach Berlin eingeladen und wurde dort schliesslich Chefmaskenbildnerin bei verschiedenen Filmproduktionen. Nebenbei habe ich in Zürich eine Schule und Agentur aufgebaut und Kurse für angehende Maskenbildner angeboten. 2003 eröffnete ich die erste Schminkbar in Zürich. Zudem arbeitete ich weiterhin an verschiedenen Filmsets und für Fernsehproduktionen.

Zur Person

Bea Petri
Andrea Stalder
Bea Petri
Bea Petri wurde am 23. Juli 1955 in Bern geboren. Sie wuchs in der Hauptstadt auf und lebte viele Jahre lang in Zürich. Nachdem sie im Bundeshaus und in der Film- und Fernsehproduktion als Maskenbildnerin gearbeitet hatte, gründete Petri 2003 in Zürich die erste Schminkbar mit ihren beiden Töchtern. Heute gibt es in der Schweiz sieben Schminkbars mit über 120 Mitarbeitenden, die von ihren beiden Töchtern und ihrem Schwiegersohn geleitet werden. Neben ihrer Arbeit als Maskenbildnerin engagiert sich Petri für die Schule Nas Mode in Burkina Faso, hält Vorträge, schreibt für Magazine und wurde 2012 zur «Unternehmerin des Jahres» gewählt. Petri ist zum vierten Mal verheiratet und lebt mit ihrem Mann Thomas Feurer und Hund Godeli in Steckborn.

Wie kam es zur Schminkbar?

Als ich in den USA bei einer Filmproduktion engagiert war, gönnte ich mir eines Tages einen Besuch in einem Nagelstudio für eine Massage. Dort sah ich eine Kundin, die sich die Nägel machen liess und dabei Kaffee aus einem hässlichen Kartonbecher trank. Das inspirierte mich dazu, einen Kosmetiktermin kulinarisch zu begleiten. Die Idee war von Anfang an klar: Essen, Trinken, genug Platz, Musik und keine Mitarbeiter in klinischen Klamotten. Das Konzept der Schminkbar habe ich damals nirgendwo auf der Welt gesehen und fand damit eine Nische. Ich war überzeugt davon und bin es heute noch immer. Der Höhepunkt war, als ich 2012 zur Unternehmerin des Jahres gewählt wurde. Diese Wertschätzung hat mir sehr viel bedeutet.

Was bedeutet Schönheit für Sie?

Ein Mensch ist für mich schön, wenn er oder sie eine positive Ausstrahlung hat. Wenn die Person offen und aufmerksam durchs Leben geht, an anderen Menschen interessiert ist und zuhört.

Was fasziniert Sie an der Kosmetik?

Dass man mit sehr wenig Produkten und einfachen Handgriffen ein frischeres Aussehen bekommt. Ich bin keine Freundin von viel Make-up. Man muss auch mal müde aussehen dürfen. Es gibt viele Frauen, denen es an Selbstbewusstsein fehlt und die sich nicht gerne im Spiegel anschauen. Wenn ich diesen Frauen helfen kann, sich besser zu fühlen, ist das toll. Oft habe ich auch Beratungen für Krebspatientinnen gegeben. Auch Kriegs- und Vergewaltigungsopfer behandelten wir in der Schminkbar – mit sanften Massagen, damit sie sich wieder wohl in ihrer Haut fühlten und neues Vertrauen bekamen.

An welche besonderen Begegnungen erinnern Sie sich gerne?

Mit dem deutschen Schauspieler Harald Juhnke hatte ich eine besondere Freundschaft. Als ich in Berlin beim Film gearbeitet habe, war ich am Set auch seine Bodyguardin. Die Berlinerinnen sind auf ihn losgestürzt und wollten ihn küssen. Ich habe ihn vor diesen Knutschattacken beschützt. Als Schauspieler Christoph Waltz letztes Jahr am Zürich Filmfestival war, hat sich meine Tochter hinter den Kulissen zu ihm vorgedrängelt und ihm einen Brief von mir gegeben. Ich kannte ihn auch aus meiner Zeit in Berlin, bevor er seinen grossen Durchbruch in Hollywood hatte. Er konnte sich noch gut an unsere Zeit erinnern und schwärmte über die Zusammenarbeit.

Sie haben eine Schule in Burkina Faso gegründet, die Frauen eine Ausbildung und den Schritt aus der Armut ins Berufsleben ermöglicht. Wie kam es dazu?

2008 wurde ich von einer Schweizer Hilfsorganisation angefragt, ob ich in einer Schneiderschule eine professionelle Ausbildung in den Fächern Kosmetik und Maskenbild geben möchte. Schönheit hat in Afrika eine lange Tradition – ein gepflegter Körper, aufwendige Frisuren und schöne Kleidung. Die Menschen laufen oft barfuss umher, da schmerzen die Füsse auch. Daher ist ihnen die Fusspflege sehr wichtig. Ich engagiere mich seit 12 Jahren für diese Schule in Ouagadougou. Dank ihrer Ausbildung können heute über 600 Frauen bei Nas Mode in ihren gelernten Berufen arbeiten und ihre Familien unterstützen. Das macht mich sehr glücklich. Für mein Tun durfte ich viele Preise in Form von Unterstützungsbeiträgen entgegennehmen und mir wurde 2018 vom Bundeskanzler im Namen des Präsidenten von Burkina Faso feierlich ein Ritterorden überreicht.

Unternehmerin Bea Petri.

Unternehmerin Bea Petri.

(Bild: Andrea Stalder)

Sie sind eine sehr beschäftigte Frau. Haben Sie Zeit für Hobbys?

Ehrlich gesagt habe ich keine Hobbys. Zeit meines Lebens war Arbeiten mein Hobby. Was ich aber gerne in meiner Freizeit mache, ist einrichten. Ich richte alle Schminkbars selber ein und suche dafür die passenden Möbel. Gemeinsam mit einem befreundeten Schreiner aus Bali suche ich kaputte und alte Möbel und lasse diese von ihm renovieren.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich bewundere viele kleine Dinge an vielen verschiedenen Menschen. Jeder Mensch hat doch eine Eigenschaft, die ihn besonders auszeichnet. Mutige Menschen mag ich. Persönlichkeiten wie Schauspielerin Meryl Streep, Anita Roddick, Gründerin der Handelskette The Body Shop sowie die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg finde ich aussergewöhnlich.

Wie sieht ein perfektes Wochenende für Sie aus?

Ich liebe verregnete Wochenenden, an denen ich Büroarbeiten erledigen kann, für die ich unter der Woche keine Zeit hatte. Ich lade aber auch gerne Freunde ein und verbringe Zeit mit ihnen.

Wohin reisen Sie am liebsten?

Nach Bali und nach Marokko. Nach meiner zweiten Scheidung hat mir eine Psychologin gewissermassen verschrieben, möglichst weit wegzugehen. Also reiste ich nach Bali. Ich verbrachte dort eine sehr intensive Zeit. Auch Marokko ist ein wunderschönes Land mit tollen Menschen. Das Wichtigste ist, dass man sich als Gast den Kulturen anpasst.

Was mögen Sie am liebsten am Thurgau?

Die wunderschöne Natur und die tollen zwischenmenschlichen Begegnungen. Ich habe das grosse Glück, direkt am See leben zu dürfen. Mit meinem Mann und Hund spaziere ich gerne zum Arenenberg. Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich heute im Thurgau leben werde, hätte ich das niemals geglaubt.

Stellen Sie sich vor, Ihr Leben wird verfilmt. Wie lautet der Filmtitel und wer spielt Sie?

Der Film heisst «Ungeschminkt» wie mein Buch. Meinen Part übernimmt Meryl Streep.

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