BAUPROJEKT
Vom gefallenen Hotel zu neuem Glanz: Für den Erchingerhof in der Frauenfelder Vorstadt gibt es grosse Pläne

Die Eigentümerschaft will am Erchingerhof das schwebende Geschäftshaus, das einst Hotelrestaurant war, aber schon seit 2015 leer steht, abreissen und gleichenorts höher bauen. Noch bis Ende März kann sich jedermann im öffentlichen Mitwirkungsverfahren zum entsprechenden Gestaltungsplan äussern.

Mathias Frei
Merken
Drucken
Teilen
So sieht der Erchingerhof heute beim Eindunkeln aus. Der schwebende Aufbau und der Anbau rechts sollen abgerissen werden. Der Wohnblock hinten bleibt erhalten.

So sieht der Erchingerhof heute beim Eindunkeln aus. Der schwebende Aufbau und der Anbau rechts sollen abgerissen werden. Der Wohnblock hinten bleibt erhalten.

Bild: Mathias Frei

Den Erchingerhof kennt man als Frauenfelderin oder Frauenfelder einfach, steht er doch dominant eingangs der Vorstadt. Seit Mitte der 1960er-Jahre steht der Wohnblock mit sieben Voll- und einem Attikageschoss an der Zürcherstrasse 238. Davor der auffallende Bau, der über einer Durchfahrt schwebt. Und genau um dieses Gebäude, das einst das Restaurant des Hotels Erchingerhof beherbergte, geht es im Gestaltungsplan, für den noch bis 29. März ein öffentliches Mitwirkungsverfahren läuft.

Die Eigentümerin des Erchingerhofs, die Stadtzürcher Immobilienfirma Fawo AG, will den schwebenden Bau abreissen und an gleicher Stelle neu bauen. Der Erchingerhof-Wohnblock, in dem es aktuell 36 Mietwohnungen gibt, bleibt unangetastet.

«Das Gebäude ist baulich im schlechten Zustand und seit 2015 nicht mehr vermietet.»

So heisst es zum schwebenden, eingeschossigen Bau im Gestaltungsplan-Planungsbericht. Das Ensemble sei von der Denkmalpflege als zeittypisches Wohn- und Geschäftshaus der 1960er-Jahre bezeichnet, jedoch nicht als potenzielles Schutzobjekt deklariert worden. Ein Teilabbruch sei gemäss Absprache mit der Fachkommission Hochbau der Stadt Frauenfeld und der kantonalen Denkmalpflege möglich.

Hotelbetrieb im Sommer 1973 stillgelegt

An der Zürcherstrasse 238 konnte man jahrelang im Restaurant Frohsinn einkehren. Wie Angelus Hux in seiner Publikation «Frauenfelder Gaststätten damals. Eine historische Beizentour» schreibt, wurde das ungenügend unterhaltene Gebäude aber 1964 abgerissen. Daraufhin richtete eine Firma namens Plurima gleichenorts mit der grossen Kelle an und zog ein damals urban wirkendes Hotelprojekt hoch: Mietwohnungen, Hoteltrakt mit 14 Betten, Restaurant, Kegelbahn, verschiedene Säle, Verkaufsläden und eine eigene Tankstelle. Eröffnung war im Oktober 1965. Der Betrieb lief nicht schlecht an, aber der nötige Umsatz blieb aus. Die Plurima, eine Immobiliengesellschaft, legte den Gastro- und Hotelbetrieb im Sommer 1973 still und nutzte die Räumlichkeiten fortan als Büros. (ma)

Viergeschossiger Neubau mit Gewerbe- und Wohnnutzung angedacht

Der Erchingerhof liegt in der städtebaulich sensiblen Stadtkernzone. Für Projekte von diesem Ausmass gilt eine Gestaltungsplanpflicht. In einer ersten Projektierungsphase im Jahr 2012 sah die Eigentümerschaft einen zweigeschossigen Anbau vor. Stadt und Kanton sahen aber Überarbeitungsbedarf. Drei Jahre später stellte sich die Frage, ob der Ersatzneubau völlig losgelöst vom Wohnblock stehen sollte. Wieder wurden die Pläne überarbeitet. Über den nun vorliegenden Gestaltungsplan herrscht nun ein grundsätzlicher Konsens. Natürlich muss er nach der Mitwirkungsphase aber noch in die öffentliche Auflage, dann braucht es noch das Okay des Stadtrats und letztlich die Genehmigung durch das kantonale Departement für Bau und Umwelt (DBU).

«Diese könnte im Optimalfall diesen Spätsommer vorliegen.»

Das sagt Adrian Sauter, Projektleiter Stadtplanung beim Frauenfelder Amt für Hochbau und Stadtplanung. Der vorliegende Gestaltungsplan sieht nun einen viergeschossigen Bau vor, der freisteht, getrennt durch einen Erschliessungsweg vom Wohnblock. Der Neubau hat eine maximale Fassadenhöhe von 12,6 Metern. Das entspricht der Unterkante der Dachtraufe beim gegenüberliegenden Consumhof. Der Wohnblock hat demgegenüber eine Fassadenhöhe von 17,5 Metern.

Im Neubau ist eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss angedacht. Im ersten Obergeschoss soll es kleinere Wohnungen geben, in Etagen 2 und 3 sind grossflächigere Maisonettewohnungen geplant. Der Neubau reicht bis ganz an die Zürcherstrasse respektive an die Busbucht.

Die Erchingerhof-Beschriftung.

Die Erchingerhof-Beschriftung.

Bild: Mathias Frei

Mitwirkung beim Gestaltungsplan BZT-Turnhalle funktionierte

Im Kanton Thurgau ist bei Gestaltungsplänen eine bedarfsgerechte Mitwirkung gesetzlich verankert. Wie Stadtplaner Sauter sagt, habe der in Frauenfeld neuerdings praktizierte öffentliche Mitwirkungsprozess beim Gestaltungsplan für das Turnhallenprojekt des Bildungszentrums für Technik funktioniert. Sauter sagt:

«Das ist ein guter Weg.»

Er geht davon aus, dass vor allem Eingaben aus der näheren Umgebung des Projekts eingehen. Bei der BZT-Turnhalle habe es aber auch Stellungnahmen von Parteien gegeben. Bei der öffentlichen Mitwirkung stehe im Vordergrund, die Bevölkerung abzuholen, bevor alles beschlossene Sache sei.

Die Dokumente zum Gestaltungsplan Erchingerhof sind auf der Website www.frauenfeld.ch/erchingerhof einzusehen. Stellungnahmen zum Gestaltungsplan sind bis 29. März schriftlich mit dem Betreff «Mitwirkung Gestaltungsplan Erchingerhof» an mitwirkung@stadtfrauenfeld.ch oder das Amt für Hochbau und Stadtplanung, Schlossmühlestrasse 7, 8501 Frauenfeld, einzureichen.