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Bauer, sportlich, sucht Geld: Schnellster Landwirt aus dem Thurgau will an die Olympischen Spiele

Der Nussbaumer Landwirt und Marathonläufer Patrik Wägeli träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo. Um dieses Ziel zu erreichen, sucht er Entlastung auf seinem Hof, mit einem nicht alltäglichen Video.
Samuel Koch
Eine seiner Kühe ist auf ironische Weise das schnelle Fortbewegungsmittel von Patrik Wägeli. (Bild: Printscreen)

Eine seiner Kühe ist auf ironische Weise das schnelle Fortbewegungsmittel von Patrik Wägeli. (Bild: Printscreen)

The fastest farmer – der schnellste Landwirt. Hinter dieser selbstbewussten Bezeichnung steht der Nussbaumer Patrik Wägeli. «Vor zwei Jahren habe ich das als Hashtag in den sozialen Medien gepostet und darauf viel positive Resonanz erhalten», meint der 27-Jährige. Er sei halt der schnellste Läufer der Schweiz, der gleichzeitig als Bauer tätig ist. Und deshalb nutzt er diesen Spruch weiterhin als sein Markenzeichen.

Patrik Wägeli. (Bild: Andrea Stalder)

Patrik Wägeli. (Bild: Andrea Stalder)

So etwa auch bei einem Internetauftritt, der zurzeit viral geht. In einem Video wirbt Wägeli für sein Crowdfunding-Projekt, mit welchem er 15000 Franken sammeln will. Sein Ziel: die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo. «Das Geld wäre für eine Aushilfe gedacht», meint Wägeli, der mit seinem Vater in Nussbaumen einen Bauernhof in einer Generationengemeinschaft führt. Vom angepeilten Betrag sind von Gönnern mittlerweile drei Viertel zugesichert, und es verbleiben noch drei Wochen. «Ich bin zuversichtlich, dass das Projekt erfolgreich enden wird», meint er.

Bis zu 220 Kilometer wöchentlich

Aktuell ist Wägelis Alltag geteilt in landwirtschaftliche Büez und intensive Trainingseinheiten. Stehen nicht gerade Wettkämpfe an, schnürt er täglich seine Laufschuhe und rennt teilweise bis zu 220 Kilometer pro Woche. «Die ein bis drei Trainings plane ich in meinen Arbeitsalltag auf dem Hof ein», meint er. Am liebsten jedoch habe er Feldarbeit, wenn er mit seinem Traktor etwa die Saat ausbringt. Gefahr einer körperlichen Überbelastung sieht Wägeli keine.

«Obwohl beides körperlich anstrengend ist, kann ich jeweils gut vom jeweils anderen abschalten.»

Das Bauernleben ist in Wägelis Leben schon früh omnipräsent. «Ich liebe die Arbeit in der Landwirtschaft und möchte sie auf keinen Fall aufgeben», sagt er. Kulturen wachsen zu sehen und die ständig verändernden Voraussetzungen in der Natur würden ihn am Beruf besonders faszinieren. «Ich habe grossen Plausch daran», sagt er, auch weil er momentan nicht von den sportlichen Meriten alleine leben könnte. Auf die Frage, ob er in seinem Leben überhaupt Platz für eine Frau habe, lacht er und meint: «Klar, aber ich muss mich um meine Freundin manchmal schon bemühen.» Dasselbe gelte für seinen Freundeskreis, für den er manchmal nur schweren Herzens sein Training sausen lässt.

Zu kurz hingegen kommt die Erholung. «Ich muss das in Zukunft als Teil des Trainings sehen.» Das ist auch der Hauptgrund, weshalb er nun Gönner für seinen Olympia-Traum sucht. Auf die Idee mit dem nicht alltäglichen Video seien gute Freunde aus der Filmbranche gekommen.

«Wir wollten keinen 08/15-Film, und als meine Freunde mit das Drehbuch zeigten, habe ich die Aktionen noch witzig gefunden»

sagt Patrik Wägeli. So trainiert er etwa auf seinem Laufband, mal in Gummistiefeln beim Heuen im Stall, mal in legerer Kleidung an der Thur mit Freunden. «Vielmals fehlt mir die Zeit fürs Training», spricht er in die Kamera. Dann rennt er in Stiefeln über einen Feldweg und fängt eine ausgebüxte Kuh ein. «Um meine vielen Reisen zu bewältigen, habe ich zum Glück ein schnelles Fortbewegungsmittel gefunden», sagt er und reitet eine seiner Kühe. «Glücklicherweise hat bei dieser Aufnahme alles gut geklappt», meint Wägeli und schmunzelt.

Süssmost, ein Fanshirt oder gemeinsames Training

Zum Dank und als Gegenleistung erhalten seine spendablen Gönner je nach Betrag ein Goodie. So gibt es etwa für 200 Franken fünf Liter Süssmost vom eigenen Hof oder für 800 Franken ein #fastestfarmer-Fanshirt. Wer noch mehr sponsert, kann gar mit Wägeli ein gemeinsames Training absolvieren. Dafür müsse man nicht sehr sportlich sein, wie auch im Video beim Training mit seiner Freundin als Sparringpartnerin rüberkommt. «Nicht so schnell bitte», fleht sie Wägeli an, der sie ruckzuck Huckepack nimmt und weiterrennt. «Selbstverständlich passe ich dann mein Lauftempo an», meint er, sollte jemand 1500 Franken zusichern.

Seine persönliche Bestleistung hat Wägeli vor gut einem Jahr beim Marathon in Frankfurt mit einer Zeit von 2:17:02 erlaufen. Obwohl er zuletzt im August bei den polysportiven Europameisterschaften in Berlin etwas Zeit einbüsste, ist er guten Mutes, die Limite für Tokyo zu schaffen, die von Swiss Olympic erst noch bekannt gegeben wird. Für die Olympischen Spiele in Rio lag die Limite bei 2:14:00.

«Ich bin zuversichtlich, dass ich diese Zeit schaffen werde»

meint Wägeli und ist sich gleichzeitig bewusst, dass ihm noch ein langer und harter Weg bevorsteht. Nun bedarf es aber zuerst etwas mehr Zeit für Training und Regeneration.

Das Crowdfunding von Patrik Wägeli läuft noch bis 10. Oktober. Weitere Infos dazu unter: www.lokalhelden.ch/fastestfarmer.ch

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