Bauen an neuen Auen: An der Thur bei Pfyn entstehen zwei grosse Mulden, dahinter steckt der Kanton

Ein Ort für die Flatter-Ulme oder die Uferschwalbe: Das Forstamt Thurgau lässt in Wyden bei Pfyn zwei neue Weiher anlegen und hofft auf zunehmende Artenvielfalt.

Christine Luley
Drucken
Teilen
Der Bagger hebt einen Weiher aus, in dem sich bereits Wasser sammelt. (Bild: Christine Luley)

Der Bagger hebt einen Weiher aus, in dem sich bereits Wasser sammelt. (Bild: Christine Luley)

Auf dem Thurvorland in Wyden bei Pfyn hebt ein Bagger eine riesige Mulde aus. Ein Lastwagen bringt den Aushub ans Thurufer und schüttet den Sand auf einen bereits ansehnlichen Hügel. «Warum machen die das», fragt sich ein Velofahrer auf dem Damm. Denn auf einer grünen Tafel, steht unter «Auenschutz Wyden», dass Geländeveränderungen und Ablagen aller Art verboten sind.

Ruedi Lengweiler, Spezialist für Biodiversität beim Forstamt Thurgau. (Bild: Christine Luley)

Ruedi Lengweiler, Spezialist für Biodiversität beim Forstamt Thurgau. (Bild: Christine Luley)

Dabei geht alles mit rechten Dingen zu, wie Ruedi Lengweiler vom kantonalen Forstamt bestätigt. Bei der Besichtigung des etwa zwei Hektaren grossen Geländeabschnittes berichtet er über das nationale Projekt «Aufwertungsbedarf in den Auen von nationaler Bedeutung». Die Revitalisierung des Auenschutzgebietes Wyden wurde dabei als unbedingt nötig eingestuft.

Das Forstamt Thurgau hat die Bauherrschaft, denn diese Schutzgebiete unterstehen seiner Verantwortung. Für die Planung der wasserbaulichen Projekte ist hingegen das Amt für Umwelt zuständig.

«Die Parzelle 2/Wyden ist die erste von insgesamt vier Bauetappen.»

Das sagt der Fachspezialist für Biodiversität und erwähnt das im Sommer eingereichte Baugesuch mit der Bewilligung vom Amt für Raumentwicklung.

Flutmulden fördern spezifische Flora und Fauna

Vor zwei Wochen haben die Bauarbeiten begonnen. Je nach Wetterlage wird mit einer Dauer von drei Wochen gerechnet. Zum Eingriff in die Natur sagt Lengweiler:

«Das ist keine grosse Einschränkung, da das Land ökologisch nicht besonders wertvoll ist.»

In den ausgebaggerten Senken hat sich vereinzelt Grundwasser angesammelt. «Je nach Regenfall und Wasserstand der Thur füllt sich das Becken oder es ist zum Teil trocken.» Lengweiler weist auf die verschiedenen Tiefen hin, die einen dynamischen und vielfältigen Lebensraum bieten.

Wechselfeuchte Gebiete

Auen sind natürliche Überschwemmungsflächen von Fliessgewässern. Eine Verordnung verpflichtet die Kantone, den Auenschutz zu verwirklichen. Das Bundesinventar der Auen von nationaler Bedeutung führt ins Jahr 1992 zurück. Zwar hat der damalige Thurgauer Regierungsrat Hans Peter Ruprecht, Departement Bau und Umwelt, die kantonale Unterschutzstellung am 22. November 2002 in Kraft gesetzt, doch mit der Umsetzung hapert es seither. (clu)

Eine Flatter-Ulme. (Bild: PD)

Eine Flatter-Ulme. (Bild: PD)

Alte Aufzeichnungen und Luftbilder zeigen, dass das Thurvorland früher vorwiegend mit Weiden, verschiedenen Pappel-Arten und Sträuchern bestockt war. Teile von Wurzelwerk in der nackten, abgegrabenen Erdoberfläche liefern die Bestätigung. Jetzt bepflanzt das Forstamt die vorgesehenen Abschnitte wieder. Lengweiler macht auf eine Flatter-Ulme aufmerksam. Dass der Baum des Jahres 2019 (Ulmus laevis) wenig bekannt ist, hat mit seinem eingeschränkten Lebensraum zu tun. Dabei ist er gegen die Ulmenkrankheit widerstandsfähig und überlebt auch bei längeren anhaltenden Überschwemmungen. Vögel benutzen ihn gerne als Sitzwarte.

Nisthilfe für die Uferschwalbe

Uferschwalben-Nistplätze. (Bild: PD)

Uferschwalben-Nistplätze. (Bild: PD)

Mit dem Aushub der Becken werden temporäre Sandbänke angelegt, die bei einem Hochwasser zum Teil weggespült werden. Im 40 Meter langen, 25 Meter breiten und vier Meter hohen Hügel aus verdichtetem Sand soll die Uferschwalbe Niströhren graben. Der sich auf der roten Liste befindliche Vogel brütete früher an Steilufern. Später sollen in drei weiteren Projektabschnitten zusätzliche Brutwände errichtet werden.

Nicht das ganze Vorland wird ökologisch aufgewertet. Lengweiler verweist auf die verschiedenen Interessen der Eigentümer.

«Am Sicherheitsdispositiv ändert sich nichts, der Schiessbetrieb bleibt, ebenso die Pachtverhältnisse mit den Landwirten.»

In der nächsten Etappe wird auf der nördlichen Thurseite der Riedbach umgeleitet und mit einem abgetreppten Gerinne in die Thur geführt.