Bauboom
«Schadet der ganzen Branche»: Steigende Holzpreise bringen Thurgauer Waldbesitzer und Unternehmen in Schwierigkeiten

Die gestiegene Nachfrage nach Holz belastet die Branche. Waldbesitzer können dem nicht entgegenwirken, indem sie mehr Holz schlagen.

Christof Lampart
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Markus Schurtenberger (Projektleiter Wiesli Holzbau AG), Franz Eugster (Vorstandsmitglied Wald Thurgau) und Urs Fuchs (Geschäftsführer Wald Thurgau) wünschen sich mehr Schweizer Holz und fairere Preise.

Markus Schurtenberger (Projektleiter Wiesli Holzbau AG), Franz Eugster (Vorstandsmitglied Wald Thurgau) und Urs Fuchs (Geschäftsführer Wald Thurgau) wünschen sich mehr Schweizer Holz und fairere Preise.

Bild: Christof Lampart
  • Ein angekündigtes US-Konjunkturprogramm liess die Nachfrage nach Holz in Europa stark ansteigen.
  • Das spürt die Thurgauer Holzbaubranche. Sie muss lange auf Schweizer Holz warten oder teureres Importholz kaufen.
  • Die Thurgauer Waldbesitzer könnten mehr Holz schlagen. Die Schweizer Sägereien können aber nicht mehr verarbeiten.

Markus Schurtenberger ist besorgt. «Das, was gerade global abgeht, bringt den ganzen Markt durcheinander», sagt der Projektleiter der Weinfelder Wiesli Holzbau AG. Denn während einige Akteure entlang der Holz-Wertschöpfungskette aktuell viel Geld aus dem Holzhandel schöpfen, legen andere massiv drauf. Schurtenberger äussert seine Sicht der Dinge so:

«In den letzten Monaten ist ein Ungleichgewicht entstanden, das der ganzen Holzbranche schadet.»

Zimmereien wie die Wiesli Holzbau AG leiden momentan unter den massiv gestiegenen Holzpreisen. «Nur dank der langfristigen Zusammenarbeit mit lokalen Sägereien und Leimwerken bekommen wir noch Holz zu fairen Preisen.» Allerdings seien die Lieferfristen aufgrund der grossen Nachfrage an Schweizer Holz sehr lange. «Bei Projekten mit fixem Terminplan sind wir auf Importholz angewiesen, bei dem sich der Preis in kurzer Zeit verdoppelt hat.»

Dass dies Zimmereien in Schwierigkeiten bringt, wenn sie ihren Kunden erklären müssen, warum die Kosten massiv von der erst kürzlich erstellten Offerte abweichen, versteht sich von selbst. «Faire Anbieter sind die lokalen Sägereien und Leimwerke, welche versuchen, den langjährigen Kunden das Material bestmöglich zu beschaffen. Andere nutzen die Gunst der Stunde einfach aus, was schade und nicht langfristig überlegt ist», klagt Schurtenberger.

US-Konjunkturprogramm ist Auslöser

Verantwortlich für diese Entwicklung ist die internationale Baukonjunktur. Denn seit US-Präsident Joe Biden im März ein 1,9 Billionen US-Dollar (1,7 Billionen Franken) schweres Konjunkturprogramm ankündigte, brummt der Bau in den USA. Die Folgen trägt in einer globalisierten Welt jedoch Europa. Denn die USA fingen dort an, Holz zu kaufen, wo sie es am günstigsten in grossen Mengen bekommen konnten: in Europa.

Auch wenn die Holzpreise in der Alten Welt seither etwas gestiegen sind, sind diese für die holzverarbeitenden Industrien in der Neuen Welt immer noch sehr attraktiv. Urs Fuchs, Geschäftsführer von Wald Thurgau, bringt es auf den Punkt:

«Die grossen Sägereien in Europa, die mit EU-Fördergeldern aufgebaut wurden, verschiffen das Holz nach Amerika und schaden damit Europa.»

Was zuerst eine gute Kunde für die Holzbranche zu sein scheint, entpuppt sich beim genauen Hinsehen als das Gegenteil. Tatsache ist nämlich, dass der internationale Bauboom die nationale Holzbauindustrie in massive Bedrängnis bringt. Denn nur 30 Prozent des in der Schweiz verarbeiteten Holzes stammt aus der Schweiz; den Rest lieferte bis jetzt die EU. Holz, das nun fehlt oder nur noch zu massiv erhöhten Preisen erhältlich ist.

Franz Eugster,Vorstandsmitglied Wald Thurgau.

Franz Eugster,
Vorstandsmitglied Wald Thurgau.

Bild: PD

Dabei sind die Thurgauer Wälder voll von gutem Bauholz. «Die Holzbranche bekommt dann zu hören, dass man dann doch einfach Schweizer Holz nutzen sollte. Doch so einfach ist es nicht», sagt CVP-Kantonsrat Franz Eugster (Bischofszell). Das Vorstandsmitglied von Wald Thurgau erklärt: «Theoretisch könnten die Waldbesitzer mehr Holz schlagen, doch die inländischen Sägereien können nicht so viel Holz sägen, wie sie müssten. Und wenn wir das Holz im Ausland sägen lassen, dann geht es in die USA.»

Kommt hinzu, dass die Preise fürs Rundholz aktuell kaum die Erntekosten deckten. «Fairnesshalber müsste man an der Preisschraube drehen», sagt Fuchs, was dann bedeute, dass «die Sägereien bei den Rundholzpreisen nachziehen und die weiterverarbeitende Industrie faire Preise bieten müsste.»

Preisvorstellungen: Prozente ja, Preise nein

Um wie viel höher ein solcher Preis in Franken und Rappen sein sollte, damit dieser von den Waldbesitzern als «gerecht» empfunden würde – darüber schweigt sich Fuchs jedoch aus. Denn 2020 verbot die nationale Wettbewerbskommission es der Holzwirtschaft unter der Androhung einer Strafzahlung, konkrete Preisforderungen untereinander zu kommunizieren.

Urs Fuchs, Geschäftsführer Wald Thurgau.

Urs Fuchs,
Geschäftsführer Wald Thurgau.

Bild: Reto Martin

Zuvor hatte die Holzmarktkommission während über 20 Jahre zielgerichtete «Marktgespräche» mit allen Playern am Holzmarkt geführt. Dadurch sei es für die über 8500 Thurgauer Waldbesitzer viel einfacher gewesen, eine Verhandlungsbasis mit den Sägereien zu finden, sagt Fuchs und wünscht sich, «dass wir langfristig die Marktgespräche wieder führen dürfen, um eine gewisse Marktstabilität hinzubekommen».

Prozentual würde «eine Preiserhöhung von einem Drittel über den Durchschnittspreis aller Sortimente von vielen sicher als gerecht empfunden», sagt Fuchs. Damit wäre man dann wieder auf dem gleichen Niveau wie vor zehn Jahren. «Seither war der Preiszerfall beim Rundholz in der Schweiz extrem.»