Kreuzlingen
Licht und Leben im Betonbau: Neues Gebäude der Pädagogischen Hochschule Thurgau ist fertiggestellt

Mit der Einweihung des Gebäudes Z ist das Platzproblem der Pädagogische Hochschule Thurgau gelöst. Die Verantwortlichen zeigen sich ob des 27-Millionen-Neubaus auf dem Campus Bildung Kreuzlingen zufrieden. Er soll auch als Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen dienen. Stichwort: Recyceltes Baumaterial.

Sebastian Keller
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Der Neubau produziert auch Energie.

Der Neubau produziert auch Energie.

Bild: Kevin Roth

Wer den neuen Betonbau an der Kreuzlinger Schulstrasse betritt, wähnt sich noch immer unter freiem Himmel. Der Lichthof bildet den Eingangsbereich des neuen Gebäudes der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG). Drei Studierende liegen auf dem Boden, sie blicken versonnen durchs Dachfenster in den Himmel. Die waagrechte Körperposition darf der Neubau als Kompliment verbuchen: Die Geborgenheit ist bereits eingezogen. Das gilt auch für Rektorin Priska Sieber. «Es ist ein Freudentag», sagt sie anlässlich eines Medienrundgangs, «wir dürfen heute das Gebäude vom Kanton übernehmen». Ihr Büro befindet sich ebenfalls im Neubau.

Der zweistöckige Betonbau ist das jüngste Kind auf dem Campus Bildung Kreuzlingen. In diesem Viertel bewegen sich Primarschüler ebenso wie angehende Lehrpersonen. Der Neubau, als Gebäude Z auf dem Lageplan, erinnert vom Material an die bisherigen Gebäude der PHTG, schmiegt sich aber auch sonst in die Umgebung. Architekt Beat Consoni spricht von einem Ensemble. Daran ist er nicht unschuldig: So stammen bereits die PH-Gebäude aus dem Jahr 2008 aus der Feder des St.Galler Architekten. Wenngleich das kein Freipass für den neuerlichen Auftrag war: Der Architekturwettbewerb war anonym.

Der Erweiterungsbau der PHTG.
5 Bilder
Ansicht von der Schulstrasse her.
Tageslicht spielt im Neubau eine wichtige Rolle.
Die Ausbildungsküche.
Das TV-Studio.

Der Erweiterungsbau der PHTG.

Bild: Kevin Roth

Mit dem Bezug des Neubaus kann sich die Hochschule von einer Reihe von Mietlösungen und Provisorien verabschieden. «Das war zum Teil anspruchsvoll», blickt Rektorin Sieber zurück. Unterdessen besuchen über 700 Studierende die Lehrerschmiede in Kreuzlingen, 2008 war sie auf 350 ausgerichtet. Gewisse Bereiche nutzen auch die Pädagogische Maturitätsschule und die Kanti Kreuzlingen. Der Campusgedanke hat auch Zutritt zum Neubau.

Der Kredit sollte reichen

(seb.) Am 26. November 2017 stimmte das Thurgauer Volk über den Erweiterungsbau an der PHTG ab. Mit 54,5 Prozent hiess es den Kredit von 26,9 Millionen Franken gut. Die Stimmbeteiligung lag bei 25 Prozent. Auf die Frage dieser Zeitung, wie es um die Bauabrechnung steht, sagen sowohl Regierungsrätin Carmen Haag wie Architekt Beat Consoni: «Wir sind auf Kurs.» Der Millionenkredit dürfte demnach für den nun fertiggestellten Bau gereicht haben.

Der längliche Baukörper ist von Licht durchflutet, geht man durch die Gänge, blickt man durch die glasigen Bürowände nach draussen. Man sieht Mitarbeiter am Telefon, einige haben einen Schrank vor das Glas gestellt, um die transparente Fläche einzuschränken. Architekt Consoni versichert: Konzentriertes Arbeiten ist möglich, das Glas dämme gut. Im Erdgeschoss befindet sich ein TV-Studio. «Hier wird das Campus-TV produziert», sagt Rektorin Sieber. Digitale Hilfsmittel spielen im Lehrerberuf eine immer wichtigere Rolle. Sieber spricht von Medienkompetenz, von der digitalen Mündigkeit. An der PH lernen die angehenden Lehrpersonen die breite Palette an Möglichkeiten kennen.

Das TV-Studio im neuen Gebäude.

Das TV-Studio im neuen Gebäude.

Bild: Kevin Roth

Regierungsrätin Carmen Haag, Vorsteherin des Departements für Bau und Umwelt, spricht von einer Premiere: «Wo immer möglich wurde hier Recyclingbeton verbaut.» 80 Prozent sind aus wiederaufbereitetem Material. Damit setze das Hochbauamt das kantonale Konzept für den Einsatz von Recyclingmaterial im Hoch- und Tiefbau um. «Wir wollen eine Vorreiterrolle einnehmen», betont Haag. So gebe es bezüglich der Anwendung von Recyclingbeton Vorbehalte. Der Neubau in Kreuzlingen diene deshalb als Vorzeigeobjekt. Ihr Fazit: «Der Einsatz von Recylingbeton soll bei jedem Bauprojekt geprüft werden.» Aktuell hat er einen Marktanteil von rund 15 Prozent.

Architekt Consoni berührt die Betonwand und zeigt auf ein Loch, kaum grösser als ein Fingerring. «Er ist etwa poröser.» In einem weiteren Gang hängen Zeichnungen an der Wand. Durch das Sheddach fällt Tageslicht. Hinter den Türen sind die Räume für das Bildnerische Gestalten untergebracht. Mit einem Rollladen an den Dachfenstern lassen sich optimale Lichtverhältnisse schaffen.

Die Ausbildungsküche.

Die Ausbildungsküche.

Kevin Roth

Dieser Raum hat einen senfgelben Boden, vier Kochinseln und grosszügige Arbeitsflächen aus Chromstahl, von der jeder Hobbykoch träumt. Die Ausbildungsküche befindet sich im Erdgeschoss, Licht flutet durch die raumhohen Fenster, Fussgänger haben einen freien Einblick. Der PHTG fehlte bislang eine Küche. Jetzt ist es möglich, Lehrpersonen auch im Fach «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» auszubilden. «Nun können wir das gesamte Fächerprofil anbieten», betont Priska Sieber.

Sie zeigt sich überzeugt, dass gerade wegen des derzeitigen Fernunterrichts der Entscheid für einen Neubau richtig war. «Wir merken es von Woche zu Woche stärker, wie wichtig Begegnungen sind.» Den Studierenden gehe es nicht gut. Und doch habe die PHTG beschlossen, bis zur Sommerpause am Fernunterricht festzuhalten. «Wir hoffen einfach, dass die Volksschulen weiterhin offen bleiben.» Ein Teil der Lehrerbildung findet in den Klassenzimmern zwischen Bodensee und Hörnli statt.

Carmen Haag, die den Bau an diesem Tag an die PHTG übergibt, fühlt sich im Neubau wohl. «Ich finde, es herrscht ein angenehmes Klima.» Die Schülerinnen auf dem Boden würden ihr wohl beipflichten.

Interessiert Personen können sich ab Freitag, 26. März, auf einen virtuellen Rundgang begeben. Bei diesem habe auch Studierende mitgewirkt.

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