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Basadingen-Schlattingen erhält
202'000 Franken aus dem Nachlass eines kriminellen Gemeindeschreibers zurück

Vor zwanzig Jahren veruntreute der Gemeindeschreiber und Steuersekretär von Basadingen-Schlattingen 250'000 Franken. Er kaufte ein Haus und ein Motorboot und verspekulierte sich an der Börse.
Thomas Wunderlin
H. arbeitete von 1995 bis 2001 in der Gemeindeverwaltung: das frühere Gemeindehaus in Basadingen. (Bild: Reto Martin)

H. arbeitete von 1995 bis 2001 in der Gemeindeverwaltung: das frühere Gemeindehaus in Basadingen. (Bild: Reto Martin)

Der Gemeinderat von Basadingen-Schlattingen konnte fürs vergangene Jahr einen aussergewöhnlich hohen Gewinn vermelden. In der Einladung zur Rechnungsgemeinde erklärte er nur, das unerwartet positive Ergebnis sei dem Abschluss eines Unterschlagungsfalls von 2001 zu verdanken, aus dem die Gemeinde 202'000 Franken erhalten habe.

Einige Stimmbürger dürften sich an die Geschichte erinnert haben, die seinerzeit Aufsehen erregt hatte. In ihrem Mittelpunkt stand der damalige Steuersekretär und Gemeindeschreiber H., der von 1995 bis 2001 auf der Gemeindeverwaltung arbeitete.

Die kantonale Steuerverwaltung hatte schon 1999 Verdacht geschöpft. Der Gemeinderat beauftragte aber erst Ende 2000 eine Treuhandfirma, die Buchhaltung zu prüfen.

Diese fand heraus, dass H. unter anderem 15'000 Franken vom einen zum andern Postkonto der Gemeinde überwiesen hatte, um seine eigenen Steuern zu zahlen. Er bediente sich bei Guthaben von Steuerzahlern, die ausbleibende Rückerstattungen oder Vergütungszinsen übersahen.

Beim Gemeindeschreiber war damals wenig zu holen

Nach einem halben Jahr Untersuchung kam die Treuhandfirma auf einen Schaden von rund 250'000 Franken. Für ihren enormen Aufwand verrechnete sie ebenfalls einen sechsstelligen Betrag. Die Gemeinde verzichtete deshalb darauf, die Buchhaltung weiter zurück als bis 1998 untersuchen zu lassen – ein kluger Entscheid.

Das Dorf Basadingen ist Teil der Gemeinde Basadingen-Schlattingen. (Bild: Reto Martin)

Das Dorf Basadingen ist Teil der Gemeinde Basadingen-Schlattingen. (Bild: Reto Martin)

Denn bei H. war kaum noch etwas zu holen. Das Haus, das er sich aus dem veruntreuten Geld gebaut hatte, war zu 90 Prozent verpfändet. Der damalige Gemeindeammann Gerhard Frank erklärte an der Gemeindeversammlung im Juni 2001, H. habe sein Vertrauen «absichtlich und aufs Gröbste missbraucht».

Von der Gerichtsverhandlung meldete sich H. krankheitshalber ab. Das Bezirksgericht Diessenhofen verurteilte ihn im März 2004 in absentia zu 18 Monaten bedingt wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung und mehrfacher Urkundenfälschung.

Er hatte laut Staatsanwalt aus Geldgier und Geldnot gehandelt. Mit dem veruntreuten Geld habe er sich unter anderem an der Börse verspekuliert, Ferien gemacht und ein Motorboot gekauft. Der Vertreter der Gemeinde warf H. vor, keinen Finger gerührt zu haben, um den Schaden zu regeln.

Peter Mathys, heutiger Gemeindepräsident von Basadingen-Schlattingen. (Bild: Archiv)

Peter Mathys, heutiger Gemeindepräsident von Basadingen-Schlattingen. (Bild: Archiv)

H. starb 2014 im Alter von 41 Jahren. Das Betreibungsamt Bischofszell eröffnete ein Konkursverfahren. In der Konkursmasse befand sich ein Haus; nach dessen Verwertung erhielt Basadingen-Schlattingen einen Anteil.

Weshalb die Gemeinde nicht schon nach der Entdeckung der Veruntreuung auf dieses Haus zugriff, weiss der heutige Gemeindepräsident Peter Mathys nicht. Der frühere Gemeindeammann Frank sagt: «Dieses Haus gehörte damals noch seinen Eltern.»

Ungedeckter Schaden von 273'000 Franken

Nach Angaben von Gemeindepräsident Mathys stotterte H. seine Schuld mit jährlich 9600 Franken ab; insgesamt zahlte er 91'000 Franken zurück. Bei seinem Tod schuldete er der Gemeinde noch 475'000 Franken inklusive Zinsen. Abzüglich der 202'000 Franken aus H.s Nachlass bleibt Basadingen-Schlattingen definitiv auf einer offenen Forderung von 273'000 Franken sitzen.

Immer öfter Konkurs nach dem Tod

Rund die Hälfte der Konkursverfahren werden heute nach einem Todesfall eröffnet, sagt Martin Wenk, Leiter des Thurgauer Konkursamts. Der Anteil habe in den letzten Jahren zugenommen. «Immer mehr Leute sterben, die in Schulden gelebt haben, vielleicht mal einen Privatkonkurs hatten und es nicht mehr geschafft haben, alle Schulden zu tilgen.»

Auch versuchen Erben heutzutage kaum noch, ein Konkursverfahren und den damit verbundenen öffentlichen Schuldenruf zu vermeiden. Vor zwanzig Jahren galt das laut Wenk fast noch als Schande, die man seinem verstorbenen Angehörigen ersparen wollte.

Manchmal hätten die Erben keine Ahnung von der finanziellen Situation des Verstorbenen. In solchen Fällen ist es laut Wenk sicherer, das Erbe auszuschlagen. Denn wenn bei der Verwertung des Erbes ein Überschuss herausschaut, erhalten ihn die Erben trotzdem. (wu)

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