Das St.Galler-Bündner Duo Mischgewebe gewinnt den diesjährigen «bandXost»-Wettbewerb

60 Bands aus der ganzen Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein haben am «bandXost»-Wettbewerb teilgenommen und in neun Qualifikationen von Jona bis Rorschach um die Wette gespielt. Am Samstag standen in der Grabenhalle die besten acht Bands auf der Bühne.

Roger Berhalter
Hören
Drucken
Teilen
Mischgewebe gewinnt den diesjährigen «bandXost»-Wettbewerb.

Mischgewebe gewinnt den diesjährigen «bandXost»-Wettbewerb.

PD

Die beiden können es kaum fassen. Als sie am Samstag kurz nach Mitternacht als Sieger feststehen, jubeln Melanie Danuser und Bill Bühler, die sich Duo Mischgewebe nennen. Sie kommt aus Maienfeld, er aus St.Gallen, beide sind 23 Jahre alt und zusammen haben sie am Final des diesjährigen «bandXost»-Wettbewerbs in der Grabenhalle alle überzeugt.

60 Bands aus der ganzen Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein haben am Wettbewerb teilgenommen und seit Ende September in neun Qualifikationen von Jona bis Rorschach um die Wette gespielt. Am Samstag in der Grabenhalle stehen die besten acht Bands auf der Bühne, und zwar im schnellen Wechsel: Nur eine Viertelstunde bleibt ihnen jeweils Zeit, um das Publikum zu begeistern und die 15-köpfige Jury zu überzeugen.

Stilistische Vielfalt, musikalische Qualität

Der Auftritt von Mischgewebe folgt am Schluss. Zu diesem Zeitpunkt hat das Publikum schon einiges gehört, von Gitarrenliedern auf Schweizerdeutsch über Deutschrap bis zu englischem Pop und rätoromanischem (!) Blues. Die stilistische Vielfalt ist gross und die musikalische Qualität erstaunlich hoch, wenn man bedenkt, dass alle Bands erst am Anfang ihrer Karriere stehen und die Grabenhallenbühne für die meisten die bisher grösste ist.

Die Band Mischgewebe sicherte sich den ersten Platz.
26 Bilder
The Oskars aus St. Gallen erspielten sich den zweiten Platz.
Den dritten Preis errang Any Sabadi aus Zizers GR.
Simon Hotz.
Airo.
Belinda del Porto.
Ludmilla.
Padel.

Die Band Mischgewebe sicherte sich den ersten Platz.

PD

Mischgewebe schlagen an diesem Abend noch einmal ein neues, elektronisches Kapitel auf. Sie stellen sich nebeneinander an einen Tisch voller Geräte und verwandeln den Konzertabend für eine Viertelstunde in eine Clubnacht. Einen Teppich aus sphärischen Klängen und dumpfen Bässen breiten die beiden aus, gleichzeitig sorgen sie mit Einwürfen und Zwischentönen dafür, dass die Musik nie beliebig wird. Bill Bühler ist der Zurückhaltende, der an Knöpfen dreht und Gitarrensaiten zupft. Ganz anders Melanie Danuser neben ihm: Sie zuckt mit den Armen und wirft ihre Haare hin und her, während sie ins Mikrofon singt, haucht und jauchzt. Man muss an Janis Joplin denken, derart intensiv ist ihre Darbietung, derart verzehrt sie sich für jede Melodie. Eine eindrückliche Performance, welche die ausverkaufte Halle bis in die hintersten Reihen fesselt. «Wow! Wow!», entfährt es danach Marius Bear, dem Appenzeller Sänger, der als Juror ebenfalls mitentscheidet, wer an diesem Abend gewinnt.

R ’n’ B aus Zizers, Indie-Rock aus Widnau

Auch manch anderen Bands hätte man den Sieg gegönnt. Any Sabadi überzeugt mit herzzerreissendem Gesang und ihrem eigenwilligen Bündner R ’n’ B. Zwar wirkt ihr Auftritt etwas fahrig, dennoch singt sie sich auf den dritten Platz. Den zweiten Rang erreichen The Oskars, ein Trio aus St. Gallen und Widnau, das mit adrettem Schwarz-weiss-Look und druckvollem Feelgood-Indie-Rock einen ersten Höhepunkt des Abends liefert. Verblüffend gut auch die vier Engadiner Musiker von Airo, die mit lässigen Gitarren staubigen Bluesrock spielen, garniert mit viel Lakonie und Sex Appeal.

An der Grenze zum Musikkabarett bewegt sich der St. Galler Simon Hotz. Mit schwarzem Rollkragenpulli den Intellektuellen markierend, zielt er einerseits auf die Lachmuskeln, anderseits singt er wie ein Liedermacher alter Schule von Freiheit, Widerstand und einem «Staat ohne Stacheldraht». Ludmilla aus Trogen und Belinda del Porto aus Neukirch-Egnach stellen sich mit ihren Liedern ebenfalls allein auf die Bühne. Padel aus Mörschwil schliesslich bedienen die Hip-Hop-Fraktion: «Willkommen im Wunderland!», ruft das Trio zu einem düsteren Trap-Beat. Es ist einer von vielen Momenten dieses Abends, der haften bleibt.

Mischgewebe live: 6.12., 21.30 Uhr, Treppenhaus, Rorschach

Mehr zum Thema