Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Bandleader Pepe Lienhard: «Jemanden wie Dieter Bohlen finde ich das Allerletzte»

Pepe Lienhard hat auf der ganzen Welt mit den Grössten des Jazz gespielt. Zum Glück wechselte er nach vier Semestern Jura zur Musik. Im Interview spricht er über seine Karriere, das Zuhause in Frauenfeld und erklärt, weshalb er sich niemals über Schwache lustig machen würde.
Interview: Florian Beer
Pepe Lienhard liebt die Natur. Besonders wohl fühlt er sich in seinem Garten in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Pepe Lienhard liebt die Natur. Besonders wohl fühlt er sich in seinem Garten in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Pepe Lienhard: Ich habe wie viele damals mit sieben Jahren angefangen, Blockflöte zu spielen. Die Jungs haben das alle gehasst, aber ich habe es geliebt. Mit elf habe ich von meiner Mutter mein erstes Saxofon bekommen, was damals aussergewöhnlich war. Ein Jahr später gründete ich meine erste Band, wir spielten Dixieland. Als ich eines Tages im Taschenradio Quincy Jones gehört habe, rief ich beim Radio an, um den Namen zu erfahren. Ich war sofort begeistert. Mit 15 durfte ich ihn live in Baden sehen. Das war ein Schlüsselereignis für mich. Als ich siebzehn Jahre alt war, hatte ich dann meine erste eigene Big Band.

Welche Instrumente spielen Sie?

Ich bin Saxofonist und Flötist. In meiner musikalischen Laufbahn habe ich aber auch schon Trompete, Posaune und Bassgitarre gespielt.

Hätten Sie jemals gedacht, so grosse Erfolge feiern zu dürfen?

Von dem habe ich nicht einmal geträumt. Am 1. August 1969 hatten mein Sextett und ich im Trischli in St.Gallen unseren ersten professionellen Auftritt. Natürlich hatten wir am Anfang ein paar Tiefschläge. Wir spielten in der ganzen Schweiz in grossen Festzelten, wurden immer bekannter und dachten, dass es so weitergeht. Aber als Profi wirst du mit anderen Profis verglichen. Und da hatten wir schon ein paar schwierige Zeiten. In Deutschland waren wir überhaupt nicht bekannt und haben 1970 in Hamburg an der Reeperbahn in leeren Clubs gespielt, es war nämlich Fussball-WM. Der Chef des Clubs war pleite und konnte uns zuerst nicht bezahlen. Da überlegt man dann schon, ob es das Richtige ist. Im Nachhinein klingt das romantisch, im Moment war es das aber nicht. Diese Durststrecke ging etwa eineinhalb Jahre, bis wir mit «Sheila Baby» unseren ersten Hit landeten. Von da an ging es bergauf.

Wie kam es dazu, dass Sie mit Musikgrössen wie Udo Jürgens und Frank Sinatra spielen durften?

Unser grosses Glück war, dass Udo Jürgens in die Schweiz kam und von meinem Manager unter Vertrag genommen wurde. Dann kam bald die Idee einer Zusammenarbeit. Wir durften ihn anschliessend 37 Jahre lang als Big Band begleiten und kamen vom Image einer einfachen Showband weg. Das war eine tolle Zeit mit ihm. Mit Frank Sinatra durften wir zweimal in Monte Carlo zusammenspielen. Wir waren damals als Hausband im Sporting Club engagiert und plötzlich hiess es, dass Sinatra nächstes Wochenende kommen würden und wir ihn begleiten dürfen. Auch mit Diana Ross und den Supremes durften wir auf der Bühne stehen. Ich habe Frank Sinatra sehr positiv und motiviert erlebt. Das war ein grossartiges Erlebnis.

Wie würden Sie Ihre musikalische Rolle bezeichnen?

Ich bin vor allem Interpret und Bandleader. Meine Hauptkompetenz ist es, die richtigen Leute zusammen zu bringen, sodass es gut klingt. Drei meiner Bandmitglieder sind schon seit über 40 Jahren mit mir zusammen auf Tour. Mir muss niemand irgendein Universitätszeugnis zeigen, sondern einfach vorspielen und mich musikalisch von sich überzeugen.

Welche Musik hören Sie gerne privat?

Ich höre gerne Jazz und amerikanische Sänger, also Sarah Vaughan, Sammy Davis Jr. oder natürlich auch Frank Sinatra. Ich mag aber auch Showsängerinnen wie Shirley Bassey oder Barbara Streisand.

Haben Sie einen Lieblingsfilm?

«Amarcord» und «Once upon a Time in the West» gehören zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Ich mag aber auch die Filme von Quentin Tarantino. Sie merken, ich schaue gerne Filme. Ich bin kein grosser Fan von grossen Blockbustern, sondern mag lieber kleinere und auch von Kritikern zerrissene Filme. Früher ging ich oft ins Kino, weil im Fernsehen noch nicht so viel lief. Heute fehlt mir leider oft die Zeit dazu.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Die Terminkalender von mir und meiner Frau lassen leider nicht viel Zeit für grosse Hobbys. Ich liebe die Natur, Hühner und Vögel ganz besonders, und bin einfach auch mal gerne zu Hause und lasse die Seele baumeln. Auch das Reisen gehört zu meinen grossen Leidenschaften. Aber wenn ich von einer langen Tournee nach Hause komme und eine etwas abgehobene Zeit hatte, tut es mir gut, am Abend den Hühnermist im Stall weg zu putzen. Das hat für mich schon immer funktioniert, bei einer Tätigkeit in der Natur Ruhe zu finden. Die Natur ist für mich der Gegenpol zum Showbusiness und sehr wichtig für mich.

Dann erübrigt sich wohl die Frage, auf was Sie sich am meisten freuen, wenn Sie von einer Tournee nach Hause kommen?

Neben der Natur freue ich mich natürlich auch sehr auf meine Frau, unseren Hund und die Hühner (lacht). Ich gehe aber immer noch sehr gerne auf Tour. Während andere die Fliegerei und das Übernachten im Hotel eher lästig finden, geniesse ich dieses Drumherum sehr. Am liebsten stehe ich aber natürlich auf der Bühne.

Warum leben Sie in der Thurgauer Kantonshauptstadt?

Wir sind wegen des Hauses hierher gezogen. Wir wohnten vorher in Zürich und suchten lange nach einem Haus. Als wir dieses hier in Frauenfeld gesehen haben, wussten meine Frau und ich sofort, dass das unser neues Zuhause wird.

Können Sie kochen?

Das überlasse ich lieber meiner Frau. Sie ist eine fantastische Köchin und macht die besten Hacktätschli in ganz Westeuropa. Gehacktes mit Hörnli kann ich schon kochen und wenn wir Gäste haben, helfe ich natürlich meiner Frau in der Küche. Ich bin aber eher ein Hobbyesser und kein Hobbykoch.

Sind Sie ein ordentlicher Mensch?

Das ist bei mir zwiespältig: Bei meiner Musik bin ich sehr ordentlich. In meinem Regal weiss ich ganz genau, wo welche Schallplatte steht und wo welche Noten liegen. Aber alles andere liegt schon immer ein bisschen rum, vor allem auf meinem Schreibtisch. Meine Frau ist die Ordentlichere von uns beiden. Ich erledige auch vieles erst auf den letzten Drücker. Unter Druck arbeite ich am besten.

Nun ein kleines Gedankenspiel: Sie dürfen drei Personen zum Abendessen einladen, lebendig oder tot. Wer sitzt an Ihrer Tafelrunde?

Es wäre sicher ein musikalischer Anlass. Ich würde auf jeden Fall Quincy Jones einladen, meine Frau und meine Kinder sowieso. Meine Eltern hätte ich auch sehr gerne am Tisch. Ich habe immer bedauert, dass sie nie meinen Erfolg erleben durften und meine Frau und Kinder nicht kennen lernen konnten. Ich könnte noch viele andere aufzählen, aber ich habe schon eine Person mehr an den Tisch geschmuggelt.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

Ich glaube, ich wäre kein guter Jurist geworden, obwohl ich vier Semester Jus studiert habe. Aber als Anwalt die Gegenseite schlecht zu machen könnte ich überhaupt nicht. Ich bin weder rachsüchtig noch habe ich Freude daran jemanden fertigzumachen. Jemanden wie Dieter Bohlen, der sich über Schwache lustig macht und sie demütigt, finde ich das Allerletzte.

Haben Sie ein Morgenritual?

Ich rasiere mich immer zuerst, ganz ­altmodisch mit Klinge, Pinsel und Schaum. Dann bringe ich meiner Frau ein Müesli und eine Tasse Tee ans Bett. Sie braucht am Morgen immer ihre Zeit, deshalb bringe ich ihr Frühstück und lasse sie dann erst mal in Ruhe. Dann lese ich Zeitung, gehe in den Garten raus und gehe mit dem Hund spazieren. Danach starten meine Frau und ich gemeinsam in den Tag.

Sie haben in Ihrem Leben schon so viel erlebt und erreicht, haben Sie noch Ziele?

Ich habe keine konkreten Ziele mehr. Ich hoffe aber natürlich, dass ich so lange wie möglich noch Musik machen darf und gesund bleibe. Wenn das so bleibt, bin ich der glücklichste Mensch.

Pepe Lienhard

Peter Rudolf Lienhard kam 1946 in Lenzburg AG zur Welt. 1969 stieg er ins Profigeschäft ein und mischte mit dem Pepe Lienhard Sextett die Schweizer Musikszene auf. 1977 trat die Gruppe am Eurovision Song Contest mit dem Song «Swiss Lady» auf. 37 Jahre lang begleiteten er und seine Big Band Udo Jürgens. Pepe Lienhard lebt seit sieben Jahren in Frauenfeld, ist zum zweiten Mal verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. (fbe)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.