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Bald erscheint in Matzingen das letzte Dorf-Blättli

Knapp 25 Jahre veröffentlichte Ueli Hüsser in seiner Uhu-Copy-Print-Druckerei im Alleingang die «Matzinger Dorf-Post». Jetzt stellt die Gemeinde das Dorfblatt ein.
Tizian Fürer
Der Verleger Ueli Hüsser mit seinen beiden Zeitungen: «Matzinger Dorf-Post» (rechts) und dem «Wängenerblättli» (links). (Bild: Donato Caspari)

Der Verleger Ueli Hüsser mit seinen beiden Zeitungen: «Matzinger Dorf-Post» (rechts) und dem «Wängenerblättli» (links). (Bild: Donato Caspari)


Bei der «Thurgauer Zeitung» kündigte er, kurz darauf druckte der Typograf Ueli Hüsser in einem leeren Kinderzimmer die erste Ausgabe seiner Zeitung. Doch ihn nur als Typografen zu bezeichnen, wäre nicht richtig. Hüsser übernimmt im Alleingang bei seinen beiden Zeitungen die Rollen des Verlegers, Erfassers, Layouters, Inseratverkäufers und Korrektors.

Bald 25 Jahre ist er verantwortlich für das «Wängenerblättli» und die «Matzinger Dorf-Post». Letztere gibt Hüsser am 17. Mai, nach über 600 Ausgaben, zum letzten Mal heraus.

«Ich habe schon Gedanken darüber gemacht, dass – in Bezug auf meine Pensionierung – die Möglichkeit besteht, dass nach anderen Wegen der Veröffentlichung gesucht werden könnte», sagt Hüsser.

Er vermutet, dass der Grund für das Einstellen der Zeitung ein anderes Publikationsorgan sei, mit dem die Gemeinde zukünftig zusammenarbeiten wolle. Trotzdem ist der Verleger alles andere als sauer:

«Es wurde alles offen und freundlich kommuniziert.»

Im Dezember äusserte sich Walter Hugentobler, der Gemeindepräsident von Matzingen, und sagte, die Gemeinde habe positive Gespräche mit einer Gratiszeitung geführt. Konkret sei aber bis jetzt noch nichts geplant.

Ein ganzes Dorf liest eine Zeitung

Die Geschichte von Hüssers eigenem Blatt beginnt 1995. In einem leeren Kinderzimmer seines Hauses richtete der gelernte Schriftsetzer sein Büro mit einem Macintosh-Computer, einem Drucker und einer Schneide- und Ausrüstmaschine ein. Mit diesen Hilfsmitteln stellte er die erste Ausgabe des «Wängenerblättli» in seinem seither typischen A4-Format her.

Damit die Zeitung im Dorf bekannt wurde, bot Hüsser die Inserate in der ersten Ausgabe zum halben Preis an. Vorgängig hat er mit der Gemeinde Gespräche geführt, um sie nach Unterstützung zu fragen.

«Leider hatte die Gemeinde Wängi zuvor schlechte Erfahrungen mit einem privaten Verleger gemacht»

sagt Hüsser. Jemand musste der Gemeinde beweisen, dass das Herausgeben einer neutralen Zeitung funktionieren kann. «Und ich habe es der Gemeinde bewiesen», fügt Hüsser stolz hinzu. Gleichzeitig mit der Übereinkunft mit der Gemeinde, konnte Hüsser erreichen, dass die Dorfzeitung über die Wängener Poststelle, in jeden Briefkasten im Dorf verteilt wurde.

Schnell las das ganze Dorf jeden Mittwoch sein «Blättli», das Hüsser in seiner Uhu-Copy-Print-Druckerei herausgab. Für die Gemeinde war es ein schnelles und seriöses amtliches Publikationsorgan, für die Anwohner eine aktuelle Informationsquelle und die Möglichkeit, günstig Inserate zu veröffentlichen.

So kam es, dass kein halbes Jahr nach der ersten Ausgabe des «Wängenerblättlis» die Gemeinde Matzingen Hüsser anfragte, ob er nicht auch ihr Dorf mit einer separaten Zeitung beliefern will. Der Verleger sagte zu und war damit innerhalb von sechs Monaten Herausgeber von zwei Zeitungen – und dies blieb er auch 25 Jahre.

Mit den Worten «In eigener Sache»

Mittlerweile gibt es über 3500 Abonnenten der beiden Zeitungen – dazu zählt Hüsser nicht nur Anwohner. Auch Heimweh-Wängener oder Matzinger wollen wissen, was in ihrem Heimatort geschieht. Es gibt sogar einen Abonnenten der «Matzinger Dorf-Post», der sich die Zeitung nach Kanada liefern lässt. Doch das nicht mehr lange. In zwei Wochen wird Hüsser zwangsweise die «Matzinger Dorf-Post» einstellen.

Mit den Worten «In eigener Sache» wird er seine Abschiedsworte in der letzten Ausgabe an Matzingen beginnen. Eine dieser seltenen Situationen, in denen der Verleger seine eigene Meinung drucken wird. «Ich bin mir sicher, dass einige Matzinger die Zeitung vermissen werden», sagt er. Aber auch das «Wängenerblättli» wird Hüsser nicht mehr ewig herausgeben.

«Vorläufig macht mir die Arbeit in meiner Druckerei immer noch sehr viel Freude und bin immer noch empfänglich für Druckaufträge jeder Art.»

Wängis Gemeindepräsident Thomas Goldinger sagt: «Wir hoffen, noch einige Zeit auf das ‹Blättli› zählen zu können.» Ansonsten wäre «Regi die Neue» eine mögliche Nachfolgerin der Zeitung.

Ein Nachfolger des Verlegers ist bis jetzt noch nicht gefunden. Hüsser sagt: «Es würde mich sehr freuen, jemanden zu finden, dem ich die Herausgabe des ‹Wängenerblättlis› und die Bearbeitung der vielen sonstigen Druckaufträge weitergeben kann».

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