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Widerstand aus Diessenhofen und vom Untersee strahlt bis nach Bern

Die SBB planen in Diessenhofen, Berlingen und Ermatingen den Bau von Bahnfunkanlagen. Seit 2012 gibt’s Gegenwehr.
Samuel Koch
Noch stehen am Bahnhof bloss Strommasten. (Bild: Andrea Stalder)

Noch stehen am Bahnhof bloss Strommasten. (Bild: Andrea Stalder)

Er findet deutliche Worte. Peter Bachmann wehrt sich mit einer Gruppe gegen die SBB, die seit 2012 entlang der Strecke Kreuzlingen-Schaffhausen sogenannte Bahnfunk-Antennen plant. «Innert kurzer Zeit sollen in Diessenhofen in einem Radius von zwei Kilometern zu den zwei bestehenden drei neue Antennen entstehen», meint der Diessenhofer, der die Welt nicht mehr versteht.

Für Nothalte, Ansagen, Rangierkommunikation

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat den SBB am 19. September die ursprünglich 2012 geplante Plangenehmigung betreffend Bahnfunk GSM-R zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen erteilt. Diese umfasst fünf Stationen an den Standorten St. Katharinental, Diessenhofen, Berlingen, Westerfeld und Ermatingen. Die Verfahrensdauer bezeichnet BAV-Sprecher Gregor Saladin als aussergewöhnlich lange, einerseits wegen Projektänderungen und andererseits wegen Beschwerden. Die meisten hat das BAV nun abgewiesen. Eingetreten ist sie nur am Standort Westerfeld in Ermatingen. Dort erwirkte die Gemeinde, dass die Anlage auf der anderen Seite der Gleise gebaut wird. GSM-R-Netze werden laut SBB-Sprecher Martin Meier «ausschliesslich durch die SBB betrieben und genutzt, etwa für Nothalte, Ansagen in Zügen oder Rangierkommunikation. «Erst eine lückenlose Versorgung kann die bahnbetrieblichen Bedürfnisse erfüllen.» Weil Swisscom sein GSM-Netz Ende 2020 abschaltet, bauen die SBB ihr eigenes. Die BAV-Genehmigung ist noch nicht rechtskräftig. (sko)

Erst vor wenigen Tagen hat der Kanton einen Rekurs gegen den Bau einer Mobilfunkanlage der Swisscom an der Ziegeleistrasse 2 in Diessenhofen abgewiesen.

Kommt nun die Mitte September versandte Plangenehmigung des Bundesamtes für Verkehr (BAV) ohne Einsprache beim Bundesgericht durch, entstehen alleine im Rheinstädtchen an den Haltestellen St.Katharinental und Diessenhofen zwei sogenannte GSM-R-Anlagen. Am Bahnhof Diessenhofen ist eine Basisstation mit einer 22 Meter hohen Antenne und einem Technikraum geplant.

«Unvorteilhaft und unverträglich»

Für Peter Bachmann und die Antennengegner wirken die Pläne der SBB in mehrfacher Hinsicht bedrohlich. Er meint:

«Handyantennen lösen bei vielen Leuten psychische Ängste aus.»

Optisch sei ein 22-Meter-Mast unvorteilhaft und unverträglich, «für ein Städtchen, das sich für seine Naturnähe rühmt». Zudem befürchtet er einen Wertverlust der Liegenschaft seiner Familie im Wohnquartier südlich des Bahnhofs. Er ärgert sich auch über den vom BAV abgelehnten Vorschlag, wonach mehrere sogenannte Kleinzellenanlagen eine grosse ersetzen.

Dazu steht in der Plangenehmigung des BAV, die unserer Zeitung vorliegt, dass sich somit nebst «dem negativen Einfluss auf die Betriebssicherheit auch die Investitions- und Unterhaltskosten [...] unverhältnismässig stark erhöhten».

Frist für Beschwerde bei Bundesrichtern läuft noch

Einem von den Gegnern verlangten Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission kamen die SBB und das BAV ebenso wenig nach. «Die SBB halten sich an die gesetzlich festgelegten Grenzwerte der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung», meint SBB-Sprecher Martin Meier.

Als Teil der Verkehrs- und Bahninfrastruktur gehörten Funkanlagen grundsätzlich zum Orts- und Landschaftsbild. «Da die Stellungnahmen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), des Bundesamtes für Kultur (BAK) sowie der kantonalen Fachstellen weder Einwände noch Auflagen zum Schutz des Orts- und Landschaftsbildes enthalten, sehen wir die Bewilligungsfähigkeit dieses Standortes als erwiesen.»

Diessenhofens Stadtpräsident Markus Birk beschleichen gemischte Gefühle:

«Eine so grosse Anlage gefällt auch mir nicht.»

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen. (Bild: Andrea Stalder)

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen. (Bild: Andrea Stalder)

Weil die Gemeinde bei den ersten Plänen keine Einsprache erhob, ist sie heute nicht mehr verfahrensberechtigt. Birk zeigt Verständnis für die Ängste in der Bevölkerung: «Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Bau von Grossantennen nicht gerade ideal.» Er habe deshalb kürzlich in einem Brief an die SBB-Führung zum Ausdruck gebracht, dass er sich daher eher für den Bau von Kleinzellenanlagen einsetzt. Zudem fragt er sich, ob 2G-Anlagen aus dem ursprünglichen Baugesuch heute technologisch noch zeitgemäss sind.

Ob Peter Bachmann und seine Antennengegner die jetzige Planungsgenehmigung anfechten, ist noch unklar. Die Frist läuft noch wenige Tage. Bachmann sagt: «Wir sind uns noch nicht sicher, ob wir Tausende von Franken nochmals aufwerfen können.»

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