Bahnarbeiten
«Das macht die Stadt sowohl für Pendler als auch für Tagestouristen attraktiver»: SBB wollen den Bahnhof Steckborn behindertengerecht gestalten

Die SBB planen Veränderungen rund um den Bahnhof Steckborn, unter anderem mit einem Gleisrückbau und barrierefreien Perronzugängen. Kostenpunkt: 11,5 Millionen Franken.

Samuel Koch
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Der Bahnhof in Steckborn ist derzeit noch nicht durchgängig behindertengerecht.

Der Bahnhof in Steckborn ist derzeit noch nicht durchgängig behindertengerecht.

Bild: Kevin Roth

Rund 900 Personen frequentieren täglich den Bahnhof Steckborn. Das geht aus einer Statistik der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) hervor. Die SBB planen am grössten Bahnhof zwischen Kreuzlingen und Stein am Rhein umfangreiche Bauarbeiten, wie aus einer im Amtsblatt veröffentlichten Planauflage hervorgeht. Die Pläne für die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes sowie den Substanzerhalt liegen derzeit auch im Foyer des Steckborner Gemeindehauses noch bis am 20. Februar öffentlich auf.

Insgesamt investieren die SBB dafür rund 11,53 Millionen Franken, wie Mediensprecher Martin Meier auf Anfrage mitteilt. 4,48 Millionen Franken davon fliessen in den Erhalt der jetzigen Infrastruktur. Das beinhaltet den Unterhalt diverser Gleise, Weichen und der Entwässerung. Meier sagt:

Martin Meier, Mediensprecher SBB.

Martin Meier, Mediensprecher SBB.

Bild: PD
«Wenn gleich alles zusammen umgesetzt wird, können Synergien genutzt werden.»

Die Bahnarbeiter sollen vor allem in verlängerten Nachtintervallen arbeiten, womit für die Pendler voraussichtlich ab März 2022 teilweise zu Randzeiten Bahnersatzbusse zum Einsatz kommen. Zudem verunmöglicht eine komplette Sperrung an einem Wochenende den Bahnverkehr auf der Seelinie bei Steckborn gänzlich. Das machen die SBB aber nicht aus Spass, sondern um den gesetzlichen Vorschriften nachzukommen. «Die SBB nehmen das Thema Behindertengleichstellung ernst», sagt Meier. So müssen Reisende bis Ende 2023 mit eingeschränkter Mobilität – das können auch Senioren, Reisende mit Kinderwagen oder Reisende mit viel Gepäck sein – sämtliche Dienstleistungen der SBB diskriminierungsfrei nutzen können.

Ungenutztes Gleis 1 verschwindet

Um diesen Vorschriften nachzukommen, müssen die SBB nebst dem Rollmaterial und der Fahrgastinformation auch ihre Infrastruktur anpassen, so wie es zuletzt in Mammern, Berlingen oder Mannenbach-Salenstein passiert ist. Und das geschieht jetzt eben auch in Steckborn mit folgenden Punkten, wie im Amtsblatt steht:

Planvorlage der SBB: Umsetzung Behindertengleichstellungsgesetz und Substanzerhalt am Bahnhof Steckborn (BZU23 Ost)

  • Rückbau bestehendes Gleis 1 inklusive Fahrleitung
  • Erhöhung Perron auf P55 mit Nutzlänge 130 Metern
  • Barrierefreie Perronzugänge mit drei Rampen
  • Anpassung Perronmöblierung (unter anderem Beleuchtung und Lautsprecher)
  • Erstellung Gehweg in Richtung Frauenfelderstrasse

Der Rückbau des nicht mehr notwendigen Gleis 1 spielt Flächen frei, um ein breites Hausperron für den Zugang zum Gleis zu bauen, meint Meier und ergänzt: «Dadurch können die Reisenden künftig ohne Gleisüberschreitung zu den Zügen gelangen.» Heute weist der Steckborner Bahnhof ein Haus- und ein Zwischenperron auf, das lediglich über einen nicht schienenfreien Zugang erreichbar ist.

Die Normen für die neue Rampenhöhe gibt das Bundesamt für Verkehr (BAV) vor, wie Meier sagt. Und der Gehweg vom Bahnhof ostwärts, wozu die SBB mit der Gemeinde Steckborn bereits die bestehende Wegführung angepasst haben, ermögliche die Option einer späteren Perronverlängerung auf 170 Meter.

Inbetriebnahme im Dezember 2022 geplant

Bei der Gemeinde kommen die Pläne der SBB gut an. Stadtpräsident Roman Pulfer freut's, wie er sagt:

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn.

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn.

Bild: Reto Martin
«Dass Reisende zukünftig hindernisfrei mit dem Zug zu uns kommen können, macht die Stadt sowohl für Pendler als auch für Tagestouristen attraktiver.»

Geht die Planauflage ohne Einsprachen über die Bühne, sind die Bauarbeiten voraussichtlich zwischen März 2022 und Juni 2023 vorgesehen. Die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs sei auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2022 vorgesehen, sagt SBB-Mediensprecher Meier. Danach würden nur noch Abschluss- und Umgebungsarbeiten folgen.

Fast zeitgleich legen die SBB Pläne für ähnliche Veränderungen am Bahnhof in Diessenhofen öffentlich auf.