Bahn
Bedrohung Vandalismus: Eine neue Halle soll historisches Rollmaterial in Etzwilen schützen

Die Stiftung Museumsbahn SEHR & RS hat ein Gesuch eingereicht. Eine neue Halle soll ergänzend zur bestehenden Remise errichtet werden, um die historischen Zugwagen vor der Zerstörungswut Unbekannter schützen. Wie der Neubau finanziert wird, ist derzeit noch offen.

Janine Bollhalder
Merken
Drucken
Teilen
Im Jahr 2013 brannten am Bahnhof Etzwilen 14 SBB-Wagons aus.

Im Jahr 2013 brannten am Bahnhof Etzwilen 14 SBB-Wagons aus.

Bild: Reto Martin (13.9.2013)

Platzmangel, Vandalismus und das Wetter: Gründe, weshalb die Stiftung Museumsbahn SEHR & RS mit Sitz in Stein am Rhein am Bahnhof Etzwilen eine neue Halle für Zugwaggons bauen möchte. Das ordentliche Plangenehmigungsverfahren liegt noch bis zum 14. April auf. Der ehemalige Vizepräsident der Stiftung, Christoph Brändli, sagt: «Aktuell sind SBB-Züge dort abgestellt. Innerhalb einer Woche sind sie jeweils total versprayt. Und das, obwohl wir hier in der <Middle of nowhere>, also im Niemandsland, sind.» Das Areal kämpft schon seit geraumer Zeit mit Beschädigungen durch Unbekannte.

Für besonderes Aufsehen sorgte 2013 ein grosser Brand, der für einen beträchtlichen Schaden bei den SBB-Zügen sorgte. Zuletzt wurde gemäss Aussage der Kantonspolizei Thurgau im Juni 2019 ein Schaden gemeldet.

Christoph Brändli, ehemaliger Vizepräsident der Stiftung Museumsbahn SEHR &amp; RS.

Christoph Brändli, ehemaliger Vizepräsident der Stiftung Museumsbahn SEHR & RS.

Bild: PD

Die Stiftung Museumsbahn SEHR & RS bietet unter anderem Fahrten mit historischen Zügen auf der Strecke von Stein am Rhein über Etzwilen nach Singen (DE) an. Vier der dafür verwendeten historischen Wagen stehen in einer alten Remise auf dem Bahnhof Etzwilen und sind so vor Vandalismus geschützt, das Gebäude ist es jedoch nicht. Brändli sagt:

«Immer wieder werden die Remise besprayt oder die Scheiben eingeschlagen.»

Über die Jahre schätzt er mit Schäden für die Stiftung auf rund 10'000 Franken. Die Summe wäre um einiges höher, hätte der Brand vor acht Jahren auch die historischen Fahrwerke erreicht. «Die Wagen hätten nicht ersetzt werden können.»

Dampflokomotive soll in die bestehende Remise einziehen

Lokomotiven wie diese habe jahrelang den Verkehr zwischen Etzwilen und Singen bewältigt.

Lokomotiven wie diese habe jahrelang den Verkehr zwischen Etzwilen und Singen bewältigt.

Bild: PD (12. Mai 2018, Lokomotive im Besitz des Dampf-Loki-Clubs Herisau)

Brändli und seine Kollegen aus der Stiftung sorgen sich also um die beiden historischen Wagen, die keinen Schutz mehr in der Remise finden und draussen stehen müssen. Sie sind sowohl den unbekannten Schadenstätern als auch der Witterung ausgesetzt. Das soll sich nun ändern, denn das historische Rollmaterial soll mit einer neuen Halle geschützt werden. Ausserdem möchte die Stiftung eine Dampflokomotive am Bahnhof Etzwilen platzieren. Diese soll – wie bereits vor Jahren – in der bestehenden Remise Platz finden und die Wagen, welche sich bis dato darin befinden, sollen in die geplante Halle umziehen. «Die Remise soll bestehen bleiben, denn der ganze Bahnhof ist ein wertvolles Ensemble und denkmalgeschützt», sagt Brändli.

Vorstellungen, wie die neue Halle aussehen soll, gibt es. Darum hat sich der Schaffhauser Ingenieur Urs Frei gekümmert.

Eine Visualisierung der geplanten Halle für die historischen Wagen.

Eine Visualisierung der geplanten Halle für die historischen Wagen.

Bild: PD

Liegt die Baubewilligung vor, begibt sich die Stiftung auf Geldsuche. In welcher Höhe der notwendige Betrag zu liegen kommt, kann Brändli noch nicht sagen. Der Ingenieur schätzt jedoch mit etwas über einer Million Franken. Brändli sagt:

«Auf welche Weise wir die finanziellen Mittel zusammenbekommen sollen, ist zu diesem Zeitpunkt noch in Diskussion.»
Eine Visualisierung der neuen Halle für die historischen Zugwagen auf dem Gelände des Bahnhofs Etzwilen.

Eine Visualisierung der neuen Halle für die historischen Zugwagen auf dem Gelände des Bahnhofs Etzwilen.

Bild: PD

Falls der Bau genehmigt wird, rechnet Brändli frühstens im Sommer des kommenden Jahres mit dem Baustart und einer Dauer von drei bis vier Monaten, wenn alles rund läuft.

Stiftung kann derzeit keine Museumsbahnfahrten durchführen

Die derzeitige Situation mit dem Coronavirus ist für die Stiftung ebenfalls hart. Alle Museumsbahnfahrten fallen aus. «Es handelt sich hierbei nicht um Alltagsverkehr, sondern um Eventverkehr», sagt Brändli. Andernfalls wäre ein umfangreiches Schutzkonzept nötig und die Zahl der Fahrgäste dürfte die 50 nicht überschreiten. Das wiederum wäre nicht rentabel, im Gegenteil. «Normalerweise transportieren wir über 200 Leute, so generieren wir Einnahmen.»

Brändli selbst ist Mitte März als Vizepräsident der Stiftung zurückgetreten. Das nach 14 Jahren und als Verantwortlicher für die Betriebssicherheit der Strecke. «Ich werde bald 65 Jahre alt», sagt der gelernte Eisenbahningenieur, «Jetzt können die Jungen diese Arbeit übernehmen.»