Glosse

Badi-Neubau, jetzt!

Murgspritzer: Während der aktuellen Corona-Krise kann der Frauenfelder Stadtrat beim Hallenbad-Neubau vorwärtsmachen, denn im Becken zieht niemand mehr seine Längen. Eine rasche Abstimmung brächte zudem einen schönen Nebeneffekt mit sich.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Ein junger Badigast stürzt sich im Frauenfelder Freibad vom Dreimetersprungbrett.

Ein junger Badigast stürzt sich im Frauenfelder Freibad vom Dreimetersprungbrett.

(Bild: Andrea Stalder, Juni 2019)

Not macht erfinderisch. Die Einwohner Frauenfelds lassen ihre Stadt auch in der derzeitigen Krise nicht einfach hängen. Solidarische Angebote da, in Take-aways umfunktionierte Restaurants dort. Gewerbler fahren seit dem neuesten Alarmgong aus dem Bundeshaus ihre Bücher kurzerhand mit dem Velo vor die Haustüre zum Kunden. Oder im Schaufenster einer Confiserie stehen herzerwärmende Schoggi-Bibeli mit Schutzmasken. Pandemie hin oder her, schliesslich steht schon bald Ostern bevor.

Samuel Koch, Redaktor Thurgauer Zeitung, Leiter Ressort Frauenfeld.

Samuel Koch, Redaktor Thurgauer Zeitung, Leiter Ressort Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Nun ja, der Notstand könnte ja nach der Absage der Gemeinderatssitzung auch von den Stadtoberen in positives Licht gerückt werden. Zeit haben sie ja jetzt genug, abgesehen von täglich unzähligen Telefonanrufen hysterischer Mitbürger. Der Hallenbad-Neubau lässt schon lange auf sich warten, weshalb der Stadtrat die im Herbst geplante Abstimmung über den Millionenkredit per Notdekret auf den Sonntag, 29. März, vorverlegt. Obschon politische Mühlen langsam malen, liegen die wichtigsten Fakten und Argumente der Botschaft vor. Zu Hause lesen alle Stimmbürger die Unterlagen sorgfältig durch, entscheiden sich und lassen das Couvert (gefälligst mit zwei Metern Abstand hinter dem Vordermann) beim Rathaus in den Schlitz mit der Aufschrift «Briefliche Stimmabgabe».

Nach der Zustimmung stehen die Bauarbeiter noch vor dem nationalen Scherztag am 1.April wegen fehlender Aufträge Schlange. Baustart am 31.März, Applaus gibt’s in corpore aus allen Quartieren in Anlehnung ans Video mit dem Balkonkonzert in Mailand – am Montag, 31.März, pünktlich um 8 Uhr! Nebst dem sofortigen Baustart – die Bahnen sind für Schwimmer ja längst gesperrt – gäbe es eine zweite gute Nachricht. Die Stimmbeteiligung würde regelrecht explodieren, auf 80 Prozent und mehr. Da käme im Gegensatz zum «Super Sunday» endlich einmal so richtig Bewegung in den Kampf um die Kantonsratssitze. Mit einer so trümmligen Stimmbeteiligung wie zuletzt nützen selbst die besten Erfindungen nichts.

Glosse

Man(n) trägt keinen Bart

Murgspritzer über den Zusammenhang zwischen dem Corona-Virus und dem Bart von Frauenfelds Stadtpräsident Anders Stokholm.
Samuel Koch