Auswirkungen der Pandemie
Ruhestörungen, Littering und Vandalismus: Für Sicherheitsdienst-Patrouillen bewilligt der Frauenfelder Stadtrat schon Mitte Jahr einen Nachtragskredit

Seit Spätfrühling werden in Frauenfeld die Grillplätze regelrecht belagert. Am Wochenende gibt es auch immer viel Volk am Bahnhofplatz und auf der Staatsarchivterrasse. Deshalb setzen Stadt und Kanton nun vermehrt private Sicherheitsdienste ein. Doch das kostet.

Mathias Frei
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Ein Bild aus dem ersten Lockdown von der Staatsarchivterrasse.

Ein Bild aus dem ersten Lockdown von der Staatsarchivterrasse.

Bild: PD/Facebook-Gruppe «Du bisch vo Frauefeld, wenn...»

Normalerweise ist Frauenfeld in den Sommerferien wie ausgestorben. Doch dieses Jahr ist alles anders. Nun patrouilliert am Wochenende sogar ein zweites Team einer privaten Sicherheitsfirma auf dem Stadtgebiet. Werner Spiri, Leiter des Amts für Sicherheit bei der Stadt, sagt:

«In den Vorjahren haben wir die Patrouillentätigkeit in den Sommerferien jeweils ausgesetzt.»
Werner Spiri, Leiter Amt für Sicherheit bei der Stadt Frauenfeld.

Werner Spiri, Leiter Amt für Sicherheit bei der Stadt Frauenfeld.

Bild: Mathias Frei

Mit Lockerung der Covid-19-Massnahmen habe man aber primär bei den jüngeren Frauenfelderinnen und Frauenfelder das zunehmende Bedürfnis festgestellt, sich im Freien zu treffen, sagt Spiri. Die Grillplätze auf dem Stadtgebiet würden vor allem an den Wochenenden regelrecht belagert. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Unschön sind aber nicht selten die Begleiterscheinungen. Das heisst: Vandalismus, Littering und Ruhestörungen. Schon in den beiden Lockdowns hätten sich die Leute vermehrt im öffentlichen Raum getroffen – kein Wunder, waren doch Gastronomiebetriebe geschlossen. Damals galten aber noch die Obergrenzen für Gruppen. Spiri sagt:

«Seit diesem Frühling hat sich diese Entwicklung zugespitzt. Nicht zuletzt sind auch die Gruppen wieder grösser geworden.»

Deshalb musste der Leiter des Amts für Sicherheit handeln. Ein Austausch mit der kantonalen Liegenschaftenverwaltung habe ergeben, dass als Sofortmassnahme zusätzliche Patrouillendienste einer privaten Sicherheitsfirma in Anspruch genommen werden sollten. Der Kanton übernimmt die Hälfte der Kosten dieser zweiten Patrouille, die bis Ende Jahr insgesamt 38'000 Franken kosten. Spiri hat deshalb zuhanden des Stadtrats einen Nachtragskredit über 19'000 Franken beantragt. Dieser ist kürzlich bewilligt worden.

Kantonspolizei stellt keine Häufung fest

«Die Kantonspolizei Thurgau führt diesbezüglich keine Einsatzstatistik», sagt Matthias Graf, Chef Kapo-Mediendienst. Man führe regelmässig Lagebeurteilungen durch, dazu gehörten auch die Beobachtung der Entwicklung bei den öffentlichen Plätzen in Frauenfeld. Diese Lagebeurteilungen würden gewährleisten, dass auf Veränderungen rasch reagiert werden kann. Zudem sei man regelmässig in Uniform und zivil an den bekannten Örtlichkeiten in der Stadt Frauenfeld vor Ort und führe Personenkontrollen durch. Graf erklärt: «In diesem Zusammenhang ist keine markante Zunahme von Littering, Ruhestörungen und Vandalismus an den genannten Örtlichkeiten festzustellen.» (ma)

Securitrans und Securitas im Auftrag der Stadt

Schon in der Rechnung 2020 habe man das Budget für Dienstleistungen privater Sicherheitsfirmen leicht überschritten – statt 61'000 knapp 68'000 Franken. Für das laufende Jahr hat Spiri wohlweislich den Betrag nochmals erhöht – auf 71'000 Franken. Nun werden die Kosten in diesem Bereich voraussichtlich 90'000 Franken betragen.

Das WC beim Pumptrack nach dem Osterwochenende 2021: Der Spülkasten ist demoliert.

Das WC beim Pumptrack nach dem Osterwochenende 2021: Der Spülkasten ist demoliert.

Bild: PD

Seit über zehn Jahren führt Securitrans, eine Tochterfirma der SBB, im grösseren Umfeld des Bahnhofs für die Stadt Patrouillengänge durch. Auch die Firma Securitas arbeitet mit einem Auftrag in Frauenfeld. Bislang reichte aber ein Zwei-Personen-Team für die Schwerpunktgebiete Bahnhof, Murgraum, Altstadt/Vorstadt/Soldatendenkmal, Metzgerstrasse/Murgstrasse und die Grillplätze (vor allem Eduardsruh und Rebhüsli). Dem ist jetzt nicht mehr so. Am Wochenende sind nun zwei Teams im Einsatz. Jüngster Hotspot sind im Übrigen zwei Sitzbänkli am Höhen- und am Philosophenweg, wo es Lärmklagen von Anwohnern wegen Ghettoblastern gab. Spiri sagt:

«Präsenz zu markieren, reicht in den allermeisten Fällen.»

Die Patrouillen würden das Gespräch suchen mit den Leuten vor Ort und für die bekannten Problematiken sensibilisieren. Die beiden privaten Sicherheitsdienste würden bei grösseren Gruppen die Personalien einer Person aufnehmen. Mit dieser Massnahme kann laut Spiri sichergestellt werden, dass die Grillplätze aufgeräumt verlassen werden. Notfalls werde aber natürlich die Kantonspolizei gerufen. «Wir sagen den Bürgerinnen und Bürgern: Wenn es Probleme gibt, melden Sie sich auf Telefon 117.»

Der städtische Werkhof stellte in den ersten Monaten dieses Jahres eine Häufung von Vandalismus im Bereich öffentlicher WC-Anlagen fest. Trauriger Höhepunkt war um Ostern 2021, als es zu massiven Sachbeschädigungen beim Pumptrack und auf dem Burgerholz gekommen war. Wie Spiri sagt, hat der Werkhof eine Massnahme gegen die überfüllten Abfallkübel auf der Staatsarchivterrasse umgesetzt. Dort steht nun eine Art Containerhäuschen.

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