Ausstellung

Wozu dienten bloss die Mondhörner – die rätselhaften Kultobjekte aus der Bronzezeit

Das Thurgauer Museum für Archäologie zeigt die besten Mondhörner-Funde der Schweiz. Noch sind viele Fragen offen, die sich um diese faszinierenden Objekte ranken.

Christof Lampart
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Mondhörner in der aktuellen Ausstellung.

Mondhörner in der aktuellen Ausstellung.

Bild: Christof Lampart

Die Wanderausstellung «Mondhörner» deutet schon im Untertitel an, was die Besucherinnen und Besuchende erwartet, lautet dieser doch: «Rätselhafte Kultobjekte der Bronzezeit.» Tatsächlich sind noch viele Fragen, die sich rund um die faszinierenden Objekte ranken, offen. Was gesichert ist:

Die ersten Mondhörner wurden in der Schweiz Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden. Unweit von Berg am Irchel entdeckte Hans Georg Escher im Jahr 1851 auf dem Ebersberg europaweit die ersten Mondhörner – und betrachtete die «Halbmonde» als einen Teil eines «gallischen Kultus».

«Wir wissen wenig über ihre Bedeutung, jedoch kann die heutige Forschung früher geäusserte Vermutungen, die Mondhörner hätten als Nackenstütze, Firstziegel oder Feuerböcke gedient, widerlegen»

Das räumt der Thurgauer Kantonsarchäologe Hansjörg Brem ein. Was man heute indes weiss, ist, dass das Mondhorn ein typisches Objekt aus der Spätbronzezeit (1300 bis 800 vor Christus) ist, dessen europäisches Verbreitungsgebiet sich von Ostfrankreich bis Westungarn und von Süddeutschland, Tschechien/Slowakei bis hin zum nördlichen Alpenbogen erstreckte.

Fast als gesichert gilt heute auch, dass den Mondhörnern eine kultische Funktion zukam. Manche Forscher vermuten, dass sie eine kalendarische Funktion (Mondkalender) und/oder eine rituelle Symbolik (weiblicher Fruchtbarkeitszyklus) gehabt haben könnten – worauf ähnliche Funde in Südeuropa hindeuteten.

Der Leiter des kantonalen Amtes für Archäologie, Hansjörg Brem, erläutert die Besonderheiten der nach wie vor rätselhaften Mondhörner-Funde.

Der Leiter des kantonalen Amtes für Archäologie, Hansjörg Brem, erläutert die Besonderheiten der nach wie vor rätselhaften Mondhörner-Funde.

Bild: Christof Lampart

Doch gesichert ist keine dieser Vermutungen. Dass der Verwendungszweck der Mondhörner nach wie vor rätselhaft ist, mag auch damit zusammenhängen, dass damals im Mondhörner-Verbreitungsgebiet keinerlei schriftliche Aufzeichnungen gab. «Da waren andere Kulturen schon viel weiter; schliesslich herrschte zur gleichen Zeit in Ägypten ein Pharao wie Tutenchamun», gab Brem zu bedenken.

Die besten Mondhörner sind ausgestellt

Was die Ausstellung in Frauenfeld jedoch speziell macht, ist, dass sich hier die besten «Mondhörner»-Funde aus der ganzen Schweiz ein Stelldichein geben. «Sie hier alle in dieser Vielfalt zu sehen, ist schon ein tolles Erlebnis. Normalerweise übersieht man solche Mondhörner in einem Museum leicht, wenn ein bis zwei von ihnen neben prächtigem Schmuck oder Waffen ausgestellt sind. Hier aber, in dieser Menge und in dieser Qualität, wird einem die grosse Vielfalt, die es bei den Mondhörner gab, erst richtig bewusst», so Brem.

Die fünf archäologischen Museen Biel, Frauenfeld, Lenzburg, Liestal und Zug haben die Ausstellung ausgearbeitet und ihre besten Exponate dazugegeben. Rund 20 Prozent der Objekte stammen aus dem Thurgau.

Die Wanderausstellung «Mondhörner» ist bis 7.März im dritten Stock des Museums für Archäologie zu sehen: Dienstag–Freitag, 14–17Uhr und Samstag/Sonntag, 13–17 Uhr. Der Eintritt ist frei.