Ausstellung
Wie aus der Zeit gefallen: Der Diessenhofer Hermann Ritschard zeigt analoge Schwarz-Weiss-Fotografie

«Hermann Ritschard: Zeitgenössischer Umgang mit alten Phototechniken»: So heisst die aktuelle Schau im Diessenhofer Museum Kunst + Wissen. Das ist ein Eintauchen in die Welt, welche die Grosseltern der Instagram-Generation noch kannten.

Dieter Langhart
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Hermann Ritschard in seiner Schau.

Hermann Ritschard in seiner Schau.

Bild: Dieter Langhart

Hektisch oder bedächtig? Die Instagram-Generation entdeckt im Museum Kunst + Wissen in Diessenhofen eine Welt, die ihre Eltern und Grosseltern noch kannten: Fotografien, die so entstanden sind, wie es vor der Digitalisierung war. Damals waren die Kameras gross und schwer, brauchten Filme oder gar Platten, lieferten Negative, die erst entwickelt und dann auf Papier vergrössert werden mussten, im hergerichteten Badezimmer oder beim Fotolabor, und dann vielleicht in ein Album geklebt wurden.

Zwischen der Bildidee und dem handfesten Abzug lagen Stunden, Tage, Wochen.
Lucia Angela Cavegn, Leiterin Museum Kunst + Wissen.

Lucia Angela Cavegn, Leiterin Museum Kunst + Wissen.

Bild: PD

Hermann Ritschard liebt diese Ausdehnung der Zeit, dieses Werden eines Bildes, seit er ein Bub war und ihm sein Vater eine Kamera schenkte und ihm beibrachte, wie man fotografiert und wie in der Dunkelkammer die Bilder entstehen. Ritschard war Sekundarlehrer in Oberwinterthur, lebt seit Jahren in Diessenhofen, ist als Fotograf stets Amateur geblieben – aber einer mit Gwunder. Einer, der sich weiterbildete, etwa in Grossformatkameras bei Peter Gasser. Auf den Schulreisen hatte Hermann Ritschard zwar eine kleine Digitalkamera mit, aber das Digitale lag ihm ebenso wenig wie die Farbfotografie.

Seine eigenen Kinder fotografierte er in Schwarz-Weiss.

Vertrautes wie die Klosterlinde und der Hänkiturm im Nebel

Das Plakat zur Ausstellung.

Das Plakat zur Ausstellung.

Bild: PD

Das Museum Kunst + Wissen hängt Ritschards Aufnahmen in Gruppen. Da sind die vertrauten Häuser und Dächer aus dem Städtchen, die Klosterlinde oder der Hänkiturm im Nebel, der vom Rhein aufsteigt. Da sind stille Naturaufnahmen und Studien von Pflanzen vom Gotthardpass, beim Eigergletscher, im Gürbetal oder aus den Thurauen. Ritschard variiert die alten Techniken: zeigt Silbergelatine-Prints auf Barytpapier oder sepiafarbene Van-Dyke-Prints mit ausfransenden Rändern, poetische Aufnahmen mit dem Weichzeichnerobjektiv oder Nassplattenbilder. Ritschard geht nahe an seine Motive heran, selten sind Landschaften mit viel Himmel.

Und keiner der Abzüge hängt hinter Glas – die Betrachterin soll die feine Struktur sehen.

Unbedingt in den Museumskeller hinabsteigen: Da hat Ritschard ein Atelier eingerichtet, das einem Studio mit Dunkelkammer nachempfunden ist. Da liegen verschiedene Kameras, Apparate und Fundstücke vom Flohmarkt, etwa Objektive aus den 1920er-Jahren von Goerz in Berlin oder solche, die bewusst weich zeichnen: «Die liebe ich auch», sagt Ritschard. Dazu gibt es kurze Informationen zu den Urmethoden der Fotografie wie die Daguerreotypie.

«Einmal habe ich mir selbst eine Kamera gebaut – eine, die in meinen Rucksack passt.»

Das sagt Hermann Ritschard. «Ich gebrauche sie noch heute.» Und dann sagt er etwas en passant, das nicht jeder weiss und jene erstaunt, die glauben, dass Kameras mit möglichst vielen Megapixeln auf dem Sensor bessere Aufnahmen liefern: «Eine Grossformatkamera bringt nicht mehr Schärfe, sondern mehr Detailreichtum mit vielen Graustufen zwischen Schwarz und Weiss.»

Museum Kunst + Wissen, bis 29. August.
Rahmenprogramm auf
www.diessenhofen.ch/staedtlileben/kultur-gesellschaft/museum-kunst-wissen.html/136

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