Ausstellung
Von zartfarben bis gepeitscht: Sonja Kopp Roth zeigt ihre vielschichtige Malerei in der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere

Unter dem Titel «Panorama» gibt die aus Wil stammende Künstlerin Sonja Kopp Roth einen Einblick in ihre experimentellen Auseinandersetzungen mit Kunst und Natur. Wiederkehrendes Motiv ist der Säntis. Die Ausstellung in der Baliere feiert am Donnerstag Vernissage.

Dieter Langhart
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Der Berg, die Künstlerin, die Hündin.

Der Berg, die Künstlerin, die Hündin.

Bild: Benjamin Manser

Ihre Hündin kennt das längst. Wenn Sonja Kopp Roth einen Besucher durch ihre Ausstellung führt, hier eine Technik erklärt und da auf ein verstecktes Motiv hinweist, dann begrüsst sie ihn kurz, lässt sich knuddeln, kommt Fuss für den Fotografen, legt sich wieder hin – just unter eines der Bilder vom Säntis. Der Berg ist eines der wiederkehrenden Motive in Sonja Kopp Roths Werk, ihre «alte Faszination», oft gezeichnet und fotografiert. Sie sieht ihn nicht als schroffen Felsen, sondern als einen sanften Riesen; taucht ihn in gedämpfte Farben, löst scharfe Konturen auf, lässt ihn über die Leinwand schweben. Sie sagt:

In der Ausstellung von Sonja Kopp Roth.

In der Ausstellung von Sonja Kopp Roth.

Bild: Benjamin Manser
«Der Fels lebt.»

«Panorama» nennt die Künstlerin ihre Ausstellung in der Baliere. Die 1954 in Wil SG Geborene hält darin Rückschau auf ihr breites, kontinuierliches Schaffen und zeigt auch ganz neue Werke. Nach ihrer Ausbildung zur Stoffdruckentwerferin belegte sie die Zeichenklasse an der Textil- und Modefachschule St.Gallen, seit 13 Jahren ist sie freischaffende Künstlerin. Auffallend ist, wie leicht sich Sonja Kopp Roth zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bewegt.

«Für mich sind Landschaften abstrakt und naturalistisch zugleich.»

Je näher sie mit dem Auge an Fels, Haut oder Eis heranzoomt, desto abstrakter erscheinen sie. Sie will den Ausdruck der Natur hervorheben und nicht das Naturalistische einer Fotografie imitieren.

Der Säntis als wiederkehrendes Motiv.

Der Säntis als wiederkehrendes Motiv.

Bild: Benjamin Manser

Kleine bis riesige Formate wechseln sich rhythmisch ab

Sonja Kopp Roth.

Sonja Kopp Roth.

Bild: Benjamin Manser

Geschickt bespielt sie die unterschiedlichen Räume und das Treppenhaus der Baliere; kleine bis riesige Formate wechseln sich rhythmisch ab. Ebenso experimentiert sie gern, variiert die Technik, denn «erst im Tun entsteht etwas Neues». Hier sind Stickereien zu sehen, mit Nadeln eingeflochtene Fäden – eine Reminiszenz an ihre Ausbildung und an die schottischen Tartans. Da hängen grosse Bilder, die an Action-Painting erinnern, denn einige davon hat sie regelrecht gepeitscht. Wieder andere Bilder werden von kreuz und quer über den gemalten Bildgrund gespannten und eingefärbten Schnüren dominiert und erhalten so eine Tiefenwirkung.

In der Ausstellung «Panorama».

In der Ausstellung «Panorama».

Bild: Benjamin Manser

Und da ist der Säntis wieder: ein altes Leintuch aus einer Aussteuer. Und im Keller hängen überlebensgrosse Gesichter von Frauen: nur scheinbar naturalistisch, von einer leichten Unschärfe dominiert und von falschen Farben.

«Gesichter erzählen Geschichten.»

Das sagt Sonja Kopp Roth. Dann Bilder von Wasser, von Weihern, sehr abstrahiert. Im hintersten Kellerraum eine riesige Ansicht von Venedig («meine Lieblingsstadt, oft besucht»), umgeben von weiteren, kleinen Ansichten. Was all die Werke Sonja Kopps zusammenhält? Die Experimentierlust, der Gwunder, die Freude an ungewohnten Sichtweisen bis hin zu den selbst hergestellten Rahmen.

Sonja Kopp Roth Panorama. Vernissage: Do, 25. November, 19 Uhr; Ausstellung bis 12. Dezember. Mi, 18 bis 21 Uhr; Sa/So, 13 bis 17 Uhr.

www.baliere-frauenfeld.ch

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