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Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau zeigt aussergewöhnliche Menschen – unter anderem betreute Mitarbeiter der Kartause

Die Kartause Ittingen bietet Menschen mit Beeinträchtigung eine Beschäftigung und ein Zuhause. Im ebenfalls in der Kartause angesiedelten Kunstmuseum werden aktuell Porträts aussergewöhnlicher Menschen gezeigt.
Larissa Flammer
Konzeptkünstler Till Velten mit Skulpturen von Erich Bödeker. Im Hintergrund läuft eines von Veltens Videoporträts. (Bild: Andrea Stalder)

Konzeptkünstler Till Velten mit Skulpturen von Erich Bödeker. Im Hintergrund läuft eines von Veltens Videoporträts. (Bild: Andrea Stalder)

Aussergewöhnliche Menschen stehen im Zentrum der Kunst von Till Velten. Noch bis am 27. Oktober ist der Basler Konzeptkünstler mit der Ausstellung «La condition humaine» im Kunstmuseum Thurgau zu Gast. In der Kartause Ittingen, wo das Museum angesiedelt ist, hat Velten nicht nur einen Ausstellungsort gefunden, sondern auch Menschen, die nun in seiner Kunst verewigt sind.

Für das aktuelle Projekt schafft Velten filmische Porträts, in denen die Menschen von sich erzählen und sich zeigen. Der Künstler sagt:

«Ich habe gemerkt, wenn ich etwas Authentisches über die Menschen erfahren will, muss ich nur mit ihnen reden.»

Fünf dieser Videoarbeiten umfasst die Ausstellung im Kellergewölbe des Kunstmuseums. Für drei davon porträtierte Velten betreute Mitarbeiter der Kartause Ittingen, die zum Teil auch im Wohnheim der Stiftung leben. «Ich beschäftige mich oft mit Menschen, die kognitiv nicht ganz so stark sind, aber dafür in anderen Gebieten Hochbegabung zeigen.» Diese Aspekte der aussergewöhnlichen Menschen wolle er finden und zeigen, und nicht die Behinderung in den Vordergrund rücken.

Grundsätzliche Fragen zur menschlichen Existenz

Einer der porträtierten betreuten Mitarbeiter ist Urban Wymann. An seinem Arbeitsplatz vor der Schreinerei der Kartause führt er sorgfältig seinen Heissluftföhn über Holzleisten. Die Holzfasern verfärben sich dadurch schön rustikal braun. So, wie sich die Käufer die daraus entstehenden Vogelhäuschen wünschen.

Philipp Merkofer, Leiter Soziales und Werkbetriebe Stiftung Kartause Ittingen. (Bild: Andrea Stalder)

Philipp Merkofer, Leiter Soziales und Werkbetriebe Stiftung Kartause Ittingen. (Bild: Andrea Stalder)

Im Porträt erzählt Urban Wymann in Auszügen von seinem Leben, vor allem aber von seiner Arbeit. «Man muss den Menschen auch schützen, einiges schneide ich jeweils raus», sagt Künstler Velten am Sommermedientermin des Kantons. Auch Philipp Merkofer, Leiter Soziales und Werkbetriebe bei der Stiftung, betont:

«Wir wollen nicht, dass die Leute als Ausstellungsobjekte gesehen werden. Da war viel Fingerspitzengefühl gefragt.»

Ein zweites Porträt zeigt Alex Kunz, der in der Gärtnerei die Ittinger Minze kultiviert. Sehr sorgfältig schneidet er die Triebe der Pflänzchen ab und setzt diese Reihe um Reihe wieder in die Erde. Damit vermehrt er die Minze, mit der unter anderem der Ittinger Tee hergestellt wird. Ganze sieben Stunden verbrachte Velten mit dem Gärtnereimitarbeiter, der während dieser Zeit auch versuchte, dem Künstler seine vielschichtige Weltanschauung zu erklären.

Markus Landert, Direktor Kunst- und Ittinger Museum. (Bild: Andrea Stalder)

Markus Landert, Direktor Kunst- und Ittinger Museum. (Bild: Andrea Stalder)

Valentin Stöckle ist in der Kartause für die Fische zuständig. Er pflegt sie, holt sie aber auch aus dem Wasser und tötet sie, um sie danach für die Küche vorzubereiten. Museumsdirektor Markus Landert erklärt, dass die Ausstellung sich um die Frage dreht, was einen Menschen ausmacht und welches Bild man sich von ihm macht. Das Porträt von Valentin Stöckle dreht sich daher auch um die Frage, warum Menschen Tiere töten.

Skulpturen eines Autodidakten

Den Videoporträts von Till Velten sind Werke des Aussenseiterkünstlers Erich Bödeker zur Seite gestellt. Der Autodidakt, der erst nach seiner Pensionierung zur Kunst fand, erstellte ebenfalls Porträts – allerdings solche aus Beton und Holz. Direktor Landert sagt: «Das Museum hat einen Ausstellungsteil für Aussenseiterkünstler.» Dies seien Kunstschaffende, die keine Akademie oder Kunsthochschule besucht haben.

Skulpturen von Erich Bödeker. (Bild: PD/Stefan Rohner)

Skulpturen von Erich Bödeker. (Bild: PD/Stefan Rohner)

Till Velten hat Erich Bödeker gut kennen gelernt. Letzterer schuf sogar eine Beton-Skulptur von Velten, die heute dem Kunstmuseum gehört. So kam es, dass der Konzeptkünstler in der Kartause sich selbst begegnete und daraus die Ausstellung entstanden ist, die vergangenen Oktober eröffnet wurde.

«Man kann Menschen nicht einfach auf einen Sockel stellen», gibt Landert zu bedenken. Die Ausstellung im Kunstmuseum begegnet dem Voyeurismus daher mit einem Gespräch, das Till Velten mit sich selber führt. «Ich stelle mich der Frage, wie ich als Künstler dazu komme, ein Porträt einer anderen Person zu machen.» Die Tonaufnahme ist gleich beim Eingang zum Gewölbekeller zu hören. Dort, wo auch Bödekers Skulptur von Velten steht.

Hinweis: www.kunstmuseum.tg.ch

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