Glosse

Ausschluss für Brillenträger

Murgspritzer über Glaube und Covidioten in Frauenfeld, den grössten Weihnachtsmarkt in der Ostschweiz und beschlagene Brillengläser.

Samuel Koch
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Ein Mann mit Pandemieschutzmaske.

Ein Mann mit Pandemieschutzmaske.

Bild: Keystone/
Gaetan Bally

Es gilt zu retten, was noch zu retten ist. Atheisten unter uns müssen jetzt eigentlich nicht mehr weiterlesen. Denn diese Zeilen handeln von der besinnlichen Vorweihnachtszeit. Glaube vor Wissenschaft also. Wer glaubt, wird selig. Wer nicht glaubt, wird verdammt sein. Das heisst es im ältesten Bestseller überhaupt. Beim nie zuvor da gewesenen Corona­virus zählt aber weniger der Glaube, ausser vielleicht bei Covidioten, Aluhutträgern oder bei einem weltbekannten Twitternutzer, der sich an seinem Sessel im Weissen Haus festklammert.

Samuel Koch.

Samuel Koch.

Bild: Reto Martin

Zurück zum Wesentlichen: Frauenfeld muss in nächster Zeit kleinere Brötchen backen, nicht erst seitdem der Gemeinderat den Kredit für den Ausbau der Weihnachtsbeleuchtung «Geschichten Lichter» in der Murg versenkt hat. Der grösste Weihnachtsmarkt der Ostschweiz ist abgesagt, weshalb Sticheleien in Richtung St.Gallen auf nächstes Jahr verschoben werden müssen. Der bei den Jüngsten beliebte Chlausmarkt ebenso. Beliebt nicht wegen der Versli, sondern wegen Süssigkeiten.

Immerhin bleibt der Stadt das Night-Shopping erhalten, und die feierliche Eröffnung von «Geschichten Lichter» mit dem verheissungsvollen Titel: «Ein Esel packt aus!» Es gilt aber nach wie vor die generelle Maskenpflicht, gelächelt wird in Frauenfeld weiter mit den Augen. Dabei ausgeschlossen sind alle Brillenträger. Wer ebenfalls eine trägt, der weiss warum. Glaube hin oder her.